Starnberg/Hohenpeißenberg:Relativ warm und feucht

Das Wetter im Frühjahr: Abgesehen vom Frosteinbruch im April können die Landwirte zufrieden sein

Von Armin Greune, Starnberg/Hohenpeißenberg

Es war ein Frühjahr der Temperaturextreme - und dennoch fiel es unter dem Strich im Alpenvorland deutlich wärmer aus, als das langjährige Mittel erwarten ließe. Den Aufzeichnungen des Observatoriums des Deutschen Wetterdienstes zufolge lag die Mitteltemperatur der Monate März bis Mai 2017 um 2,5 Grad über dem Durchschnitt der Werte der Jahre 1960 bis 1990. Dazu trug insbesondere der März bei, der mit 6,1 das langjährige Mittel um 4,5 Grad übertraf - in der 238-jährigen Messserie der ältesten Bergwetterwarte der Welt waren nur der März 1956 und der März 1989 um ein Zehntelgrad wärmer.

Heuer folgte darauf ein April, der von einem dramatischen Wetterwechsel geprägt war: Bis zur Monatsmitte herrschte schon fast ein Frühsommer, der das Thermometer auf dem knapp 1000 Meter hohen Peißenberg am 10. April auf über 20 Grad steigen ließ. Doch vom 15. an folgte ein Wintereinbruch, der die Tagesmaxima am 18. und 19. unter den Gefrierpunkt drückte, was sie für die Meteorologen als "Eistage" charakterisiert. Die Vegetation, die zu diesem Zeitpunkt ihrer normalen Entwicklung um 14 Tage voraus war, wurde wahrlich kalt erwischt - auch im Fünfseenland kam es zu massiven Frostschäden bei der Obstbaumblüte und beim Raps. Freilich stellten diese Minusgrade im April keineswegs einen "Ausnahmefall in unserer langjährigen Temperaturreihe dar", wie Wetterbeobachter Siegmar Lorenz betont: "Klimawandelbedingt treiben die Pflanzen aber immer eher aus und werden dann anfällig für Frühjahrsfröste." Trotz der insgesamt zwölf Frosttage blieb die Durchschnittstemperatur im April noch um 0,3 Grad über dem langjährigen Mittel.

Der Mai begann auf dem Hohen Peißenberg noch mal mit Schneefall. Bis zur Monatsmitte blieb es wechselhaft, viermal hagelte es am Observatorium. Zum Monatsende hin stellte sich dann immer wärmeres Wetter ein, am 29. wurde mit 26,3 Grad der erste meteorologische Sommertag (Maxima über 25 Grad) registriert. Insgesamt fiel auch der Mai 2017 mit eine Mitteltemperatur von 12,3 um 2,7 Grad zu warm aus.

Abgesehen vom Frosteinbruch könnten die Landwirte mit dem diesjährigen Frühjahr mehr als zufrieden sein. Auf den trockenen Winter folgten drei Monate, die mit 73, 120 und 153 Litern pro Quadratmeter Niederschlag um 14, 30 und 15 Prozent über dem statistischem Mittel auf dem Hohen Peißenberg lagen. Zudem profitierte die Vegetation von einem satten Plus an Sonnenstrahlung: Der März übertraf die Erwartungen um 34 Prozent, der Mai um 20 Prozent. Nur der April blieb mit 141 Sonnenstunden um zehn Prozent unter dem langjährigen Mittel. Seit 1781 werden auf dem Hohen Peißenberg meteorologische Daten erfasst.

© SZ vom 06.06.2017
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