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Filmlocations im Landkreis Starnberg:Chile liegt im Fünfseenland

Bei einer Tour überzeugen sich Produzenten davon, dass die Region vielseitige Drehorte zu bieten hat.

Von Lea Kropff

Oscarreife Schauplätze hat der Landkreis Starnberg so einige. Für ihre Schlösser, prunkvollen Villen und natürlich ihre Seen ist die Gegend berühmt. Regisseur Luchino Visconti zum Beispiel hatte sich bei seinem monumentalen Drama "Ludwig II." (1972) für den Originalschauplatz Starnberger See und das Schloss Possenhofen entschieden. Dass der Landkreis aber auch über Prunk und Protz hinaus moderne und vielfältige Locations für Film und Fernsehen bieten kann, ist nicht ganz so bekannt. Das soll sich ändern: 2019 Jahr richtete die Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung (GWT) eine Bilddatenbank mit Filmlocations ein: eine Sammlung mit besonderen Plätzen, die sich als Drehorte eignen.

Einige dieser Locations stellten die GWT und der Film-Fernseh-Fonds Bayern (FFF) nun in einer geführten Tour vor. Sieben Vertreter der Filmbranche, darunter Produzenten und Aufnahmeleiterinnen von Bavaria Fiction und Constantin Film, schwangen sich auf E-Bikes und besichtigten fünf Orte von Pähl bis Gauting: vom Gut Hartschimmel in Pähl, wo schon öfters der Passau-Krimi gedreht wurde, über die Evangelische Akademie in Tutzing, die Schauplatz für "Snowden" von Regisseur Oliver Stone war, bis zur verlassenen Klinik in Gauting, in der Emma Watson in "Colonia Dignidad" eine chilenische Sekte infiltrierte.

Warum das Fünfseenland so beliebt ist für Filmemacher aus aller Welt, weiß Alexandra Högner von der GWT: "Produzenten und Firmen suche n vor allem vielseitige Orte. Der Landkreis kann zum Beispiel mit seinem ländlichen Voralpenflair punkten, liegt aber auch total nah an der Stadt München, die für Stadtdrehs geeignet ist." Außerdem bevorzugten deutsche Produktionsfirmen inzwischen oft regionale Drehorte, da diese ökologisch vertretbarer seien. "Da kommen immer öfter Anfragen wie: 'Wir brauchen ein Schloss in Oberbayern, das muss aber England erzählen'", erklärt Kathrin Winter vom FFF.

In solchen Fällen sei es wichtig, gute Kontakte zu Ortskundigen zu haben, die wissen, wo man bestimmte Plätze und Gebäude mit bestimmter Atmosphäre finden könne. Die Nachfrage nach Orten in Deutschland wie dem Fünfseenland steige also mit dem wachsenden Umweltbewusstsein der Filmindustrie. "Man muss für Drehs in mediterranem Ambiente nicht bis in die Toskana fliegen, mit einem Riesen-Team und viel Aufwand, wenn man es auch in Bamberg haben kann", erklärt Winter.

Ein Highlight der Tour war für fast alle Besucher die verlassene Klinik in Gauting. "Der Ort ist vor allem wegen seiner Vielseitigkeit gut angekommen. Von außen kann es eine Kaserne sein, von innen eben ein Krankenhaus, es hat ein altes Schwimmbad und eine Saunalandschaft. Und das Gelände hat zwar Wasser- und Stromanschluss, ist aber komplett stillgelegt, es gibt also viel Platz für das ganze Produktionsgerät."

Die Resonanz der Gruppe sei trotz eines langen Tages von 8 bis 18 Uhr sehr gut gewesen, freut sich Högner: "Die Teilnehmer haben das Fahrradfahren mit Freuden angenommen. Man hat so auch noch mal mehr gesehen von Land und Leuten, auf den Wegen durch Wälder und Dörfer. Für den Eindruck über unseren Landkreis war das super!"

© SZ vom 19.09.2020

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