Starnberg:Das große Bällesterben

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Faschingsgesellschaften beklagen strenge Auflagen für Tanzveranstaltungen und das mangelnde Interesse der Jungen.

Sylvia Böhm-Haimerl

Die große Zeit der Faschingsbälle scheint vorbei. Immer weniger Tanzveranstaltungen finden im Fünfseenland während der Saison statt. Bei den Faschingsgesellschaften spricht man sogar schon vom "Bällesterben". Der Zeitgeist habe sich geändert, klagen die Vorstände. Aber auch den Behörden geben sie die Schuld an der Entwicklung, denn die Auflagen würden immer strenger. "Das ist ein generelles gesellschaftliches Problem", sagt der Präsident des Pöckinger Faschingsclubs (PFC) Horst Curth.

Wörthsee Weiberfasching

So ausgelassen können Frauen feiern - hier beim traditionellen Weiberball in Wörthsee. Doch nicht alle Bälle haben Zukunft. Archivfoto: Treybal

(Foto: Georgine Treybal)

Wichtigste Voraussetzung für einen gelungen Ball ist eine gute Band. Aber dafür müsse man rund 10 000 Euro zahlen, sagt der Starnberger Perchalla-Chef Andreas Denk. Hinzu kommt die Ausstattung der Faschingsgarden. Das sind nach seinen Angaben rund 600 Euro pro Gardemädchen für Kostüm, Schuhe bis hin zum Make-up. Die Vereine seien daher auf die Veranstaltungen als Einnahmequelle dringend angewiesen. Doch mit den Eintrittsgeldern alleine könne man die Kosten nicht decken, so Denk. Und Sponsoren für Veranstaltungen seien schwer zu finden. Auch die Auflagen der Behörden werden von Jahr zu Jahr komplizierter und teurer.

Ob Gema-Gebühren, Einsatz von Sicherheitskräften oder Brandschutzauflagen - neun Monate im Jahr ist Curth vom PFC in Sachen Fasching unterwegs. Wochenlang rennt er von einer Behörde zur nächsten, um alle Auflagen erfüllen zu können. "Die Kosten explodieren, und der Amtsschimmel macht uns mürbe", sagt er. Auch Gerti Wimmer klagt darüber, dass der Aufwand jedes Jahr größer wird. Sie veranstaltet jedes Jahr das traditionelle "Weiberkranzl" in Wörthsee. Obwohl die Veranstaltung höchst erfolgreich ist und die ersten Reservierungen schon im August kommen, steige das finanzielle Risiko. "Man muss immer etwas absolut Tolles machen, und das ist teuer." Im vergangenen Jahr musste sie wegen neuer Feuerschutzauflagen kurzfristig die Dekoration wieder abbauen. Seither versteht sie, dass immer mehr Veranstalter das Handtuch werfen.

Wie sollen wir etwas aufbauen, wenn uns nur Steine in den Weg gelegt werden", klagt Denk. Er hat dieses Jahr eine böse Überraschung mit den Parkgebühren erlebt. Bislang gab es ein Abkommen mit dem Tiefgaragenpächter, dass Besucher des Gardetreffens oder der Kinderbälle nur eine Pauschale zahlen müssen. Der neue Pächter rechnet jetzt aber stundenweise ab. Angesichts zehn Euro Parkgebühren überlegten es sich die Eltern nun zweimal, ob sie das Geld ausgeben, nur "um ihre Kinder zu bespaßen".

Als die Stadt Denk vor kurzem fragte, ob die Perchalla nicht einen Ball zum Stadtjubiläum machen wolle, lehnte Denk ab. Die Gefahr sei zu groß, dass der Verein auf den Kosten sitzenbleibe. Beim Versuch mit der "Weißen Nacht" einen neuen Ball zu installieren, habe die Perchalla schon einmal ein Minus eingefahren, erklärt er.

Die jüngere Generation kann keine Standardtänze mehr und bleibt weg, weiß auch sein Kollege Curth vom PFC. "Die Jungen wollen etwas anderes als Ballnächte", weiß Denk. Um zu erfahren, was es ist, will er jetzt eine Umfrage starten. Die Gesellschaft sei eben im Wandel.

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