Skandal um Kita-Zuschüsse Die Kleinen müssen es ausbaden

Sebastian ist das vierte Kind von Birgit Habdank in der Tutzinger Kita. Sie ist traurig, dass er jetzt bei hitzefrei im Klassenzimmer bleiben muss.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Weil eine Tutzinger Kita mehr als 100 000 Euro zurückzahlen soll, müssen die Kinder länger in der Schule bleiben. Die Eltern können es nicht fassen.

Von Carolin Fries

Wenn Birgit Habdank die Stimmung im Hort der Tutzinger Kita St. Joseph beschreiben soll, dann sagt sie: "Es gibt ein sehr großes Unverständnis und eine große Traurigkeit." Die Einrichtung, die auch ihr Sohn Sebastian, 7, besucht, soll mehr als 100 000 Euro an Fördergeldern zurückbezahlen. 2017 hatte das Landratsamt die Kita überprüft und dabei sogenannte Luftbuchungen moniert, welche nun rückwirkend für die Jahre bis 2012 zurückgezahlt werden sollen.

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Nur langsam sickert die Nachricht zu den Eltern durch. Die Elternbeiratsvorsitzende Lillian Reiter erfährt erst am Freitag von den Buchungsfehlern der Kita und deren Folgen. Sie ist schockiert, dass eine wichtige Einrichtung, "die ja nicht absichtlich getrickst hat, sondern der einfach ein Fehler passiert ist", jetzt bestraft werden soll. Und in der Folge damit die Kinder und Eltern, die auf den Hort angewiesen sind. So jedenfalls empfinden es laut Reiter viele Betroffene. Denn die Kinder dürfen jetzt nicht mehr bei hitzefrei oder Stundenausfall in den Hort, sondern müssen bis zum regulären Unterrichtsschluss in der Schule bleiben. "Das gab einen Aufschrei, als die Eltern im vergangenen Jahr über diese Änderung informiert wurden", erzählt Reiter. "Wir haben nach den Beanstandungen selbstverständlich gleich richtig gebucht", sagt Kita-Leiterin Andrea Hassler.

Bis dato hatte der Hort einige der 60 Kinder anstatt mit 11.20 Uhr durchlaufend mit 11 Uhr als Betreuungsbeginn im System verbucht - auch wenn diese erst mit Unterrichtsschluss um 11.20 Uhr in die Einrichtung kamen. Mit der so gewonnenen Buchungszeit wurde die Betreuung ausgeglichen, die es bei hitzefrei oder Stundenausfall gab. Damit ist seit vergangenem Jahr Schluss. Die Kinder müssen in der Schule bleiben, auch wenn dort das Personal fehlt. "So sitzen die Drittklässler mitunter mit einem Arbeitsauftrag in einer siebten Klasse", erzählt Reiter. "Das fühlt sich für die Kinder an wie nachsitzen."

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Birgit Habdank kann es nicht verstehen. Schule, Eltern, Kita und Kinder seien jahrelang zufrieden und glücklich gewesen mit der Regelung, Beanstandungen hätte es auch von den Behörden keine gegeben. "Die Leute hier im Hort haben sich weit gestreckt, um berufstätige Eltern möglichst gut zu unterstützen", sagt Lillian Reiter. Jetzt gebe es "quasi keinen Spielraum mehr", fasst Birgit Habdank das Dilemma zusammen. Die Situation der Familien muss konform mit der am Jahresanfang gebuchten Betreuungszeit und dem dafür bereitgestellten Personal gehen. "Das ist ein wahnsinniger Bürokratismus", klagt Habdank. Die Leidtragenden, so die vierfache Mutter, seien die Kinder. So fragte Sebastian seine Mutter in diesem Sommer, was er denn angestellt hätte, als er bei hitzefrei in der Schule bleiben musste.

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