bedeckt München 14°

Pöcking:Ein Gemälde zieht um

Das 300 Jahre alte Werk des Hofmalers Andreas Wolff hing bislang im Pöckinger Rathaus. Nach einer aufwendigen Renovierung hat es nun einen Platz im Seitenschiff von St. Pius gefunden.

Von Sylvia Böhm-Haimerl

"Höher, höher, noch ein bisschen, und jetzt so lassen." Schon seit zwei Stunden arbeitet die Pöckinger Restauratorin Beata Smigla-Nowak zusammen mit ihren Tutzinger Kollegen Tom Fischer und Ulrich Bürkner daran, das Altarbild aus der Schlosskapelle Possenhofen aufzuhängen. Nach einem jahrelangen Irrweg hat das Barockgemälde des bekannten Münchner Hofmalers Andreas Wolff jetzt eine neue Bleibe in der Pöckinger Pfarrkirche St. Pius gefunden. Mehr als fünf Stunden mussten die Restauratoren am Samstag schuften, bis das bedeutsame Werk endlich im hinteren Bereich des Seitenschiffs hing.

Das laut Smigla-Nowak hochqualitative Unikat aus dem Jahr 1700 hat eine wechselvolle Geschichte. Lange galt es als verschollen. Im Jahr 2006 wurde es von der ehemaligen Schlossbesitzer-Familie Bagusat der Gemeinde im Rahmen einer Schenkung übergeben. Von da an fristete das Werk, das die Geburt Christi darstellt, ein weitgehend unbeachtetes Dasein im Sitzungssaal des Pöckinger Rathauses, bis Smigla-Nowak und ihre Partnerin Sylvia Hofmann im Jahr 2014 den Auftrag bekamen, das Bild zu restaurieren.

Beata Smigla-Nowak dirigiert Tom Fischer und Ulrich Bürkner beim Aufhängen des Bildes.

(Foto: Arlet Ulfers)

Der Sitzungssaal war als Übergangsstandort gedacht, weil das Altarbild eigentlich an seinen ursprünglichen Platz in der Schlosskapelle Possenhofen zurückkehren soll. Allerdings gibt es bis heute keine Einigung zwischen Gemeinde und den Schlosseigentümern. "Daran ist derzeit leider nicht zu denken", sagt auch Pfarrer Leander Mikschl, der ebenfalls gekommen ist, um die Arbeiten in seiner Kirche zu beobachten. Weil das Gemälde vor vier Jahren aus dem Rahmen gefallen und eingerissen war und sich zudem Falten gebildet hatten, wandte sich die Gemeinde an die Restauratorinnen. Zunächst sollte nur eine Notsicherung vorgenommen werden, dann aber ist das Gemälde mit sehr hohem Aufwand komplett restauriert worden.

Smigla-Nowak hat sich ausführlich mit Hofmaler Wolff befasst, der auch Altarbilder für andere Kirchen geschaffen hat, etwa für die Klosterkirche in Andechs oder das Stift Kremsmünster in Österreich. Doch das Altarbild "Geburt Christi mit anbetenden Engeln umgeben", das der damalige Hofmarksherr Johann Rudolf Freiherr von Wämppl für den Kapellenraum im erste Stock von Schloss Possenhofen in Auftrag gegeben hatte, ist anders. Wolff hat damals einen eigenen Webstuhl entwickelt, damit Leinwände in dieser Größe aus einem Stück hergestellt werden konnten.

Mehr als fünf Stunden mussten die Restauratoren am Samstag schuften, bis das bedeutsame Werk endlich im hinteren Bereich des Seitenschiffs hing.

(Foto: Arlet Ulfers)

Das Possenhofener Bild wurde laut Smigla-Nowak für einen privaten Raum geschaffen und ist daher nicht so pompös wie andere Kirchengemälde. Wie die Restauratorin erklärt, hat Wolff damals sehr modern gedacht. Die Krippe ist nur im Hintergrund zu sehen. Im dunklen Bereich schimmert die für Wolffs Werke typische rote Grundierung durch. Wichtig für ihre Arbeit sei gewesen, dass das Original maximal erhalten bleibt, so die Restauratorin. Sie habe zu 95 Prozent konserviert und nur zu fünf Prozent restauriert. Weil der Rahmen im Krieg mit einem stumpfen Braunton übermalt worden war, hat eine darauf spezialisierte Restauratorin die Farbe entfernt, ohne die Vergoldung darunter zu beschädigen. Jetzt strahlt das Gemälde eine einem neuen, satten Glanz.

Damit seine ursprünglich so ausdrucksstarke Wirkung wiederhergestellt werden konnte, musste die Leinwand zunächst monatelang in der Klimakammer bearbeitet werden, damit sich die Falten zurückbildeten. Auch in der Pfarrkirche hat Smigla-Nowak wochenlang die Luftfeuchtigkeit gemessen, bevor das Bild dorthin gebracht wurde. Brückner und Fischer haben eine Unterkonstruktion hergestellt, um einen Klimapuffer zur Kirchenwand zu schaffen.

Das Bild ist eine Dauerleihgabe der Gemeinde. Vertraglich sei aber vereinbart worden, dass das Werk jederzeit an seinen ursprünglichen Standort zurückgebracht werden könne, sollten die Schlossherren irgendwann ihr Einverständnis dafür geben, erklärt Pfarrer Mikschl. "Es gehört in die Kirche", sagt er. Allerdings könne das Barockgemälde in St. Pius nicht als Altarbild verwendet werden, weil es nicht zur Ausstattung der Kirche aus dem Jahr 1956 passe. Deshalb wurde lange nach einem geeigneten Platz gesucht, wo das aufwendig restaurierte Werk am besten zur Geltung kommt. Man hatte sich auf die Rückwand des Seitenschiffs geeinigt, weil es dort einen natürlichen Lichteinfall von einem Kirchenfenster gibt. Smigla-Nowak achtet auf jeden Zentimeter. Nichts darf den Blick stören. Bald soll das Weihnachtsbild offiziell mit einem Gottesdienst eingeweiht werden. Pfarrer Mikschl will einen Termin in der Adventszeit finden.

© SZ vom 20.11.2017
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema