Nepomuk:Gelbbauchunken und kleine Halunken

Nepomuk: Kleiner, spitzwarziger Froschlurch, der keine Windräder mag: Die Gelbbauchunke wurde von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde zum Lurch des Jahres 2014 gekürt.

Kleiner, spitzwarziger Froschlurch, der keine Windräder mag: Die Gelbbauchunke wurde von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde zum Lurch des Jahres 2014 gekürt.

(Foto: M. Kuehn/imago/blickwinkel)

Wer Windräder verhindern will, braucht dazu nur ein paar passende Tiere. Die kann man jetzt im Internet bestellen - und das findet der Nepomuk gar nicht gut.

Von Eurem Nepomuk, Starnberg

Kennt ihr das auch? Immer kurz vor Weihnachten drehen alle durch. Entweder werden sie grantig, depressiv oder kommen auf komische Ideen. Bei uns Wassergeistern ist es jedenfalls so. Mein Cousin, der Heller Bruno, zum Beispiel: Der nennt eines der schönsten Gewässer Münchens sein Eigen im Auer Mühlbach, direkt am Tierpark Hellabrunn. Schöner geht's gar nicht in dieser Stadt.

Doch jetzt will der Heller Bruno auswandern. Ausgerechnet er, der so heimatverbunden ist wie kaum ein anderer in unserer Familie. So ein richtiger Gutgeist, umweltbewusst und nachhaltig. Hat immer nur das Beste im Sinn. Bisher zumindest. Aber weil der Zoo unlängst 39 Flamingos aussortiert hat, dreht er jetzt durch. Meine Argumente, dass die dort halt keine Roten Flamingos und Hybride mehr wollen, sondern nur noch artenrein Rosafarbene, lässt er nicht gelten. Die Vögel seien wirklich sozial, hat er behauptet, pflegten lebenslange Freundschaften und unterschieden genau, wen sie mögen und wen nicht, hat er geplärrt. Entsprechend groß sei jetzt das Gejammere unter den Verbliebenen. Unerträglich. Und deshalb will der Heller Bruno jetzt auch weg. Aber nicht in die Karibik, wo es auch Rote Flamingos gibt. Das hätte ich ja verstanden. Aber nein, er will nach Sachsen. Zu unserem anderen Cousin Kevin. Ausgerechnet.

Nepomuk: Starnberg

Starnberg

(Foto: Bernd Schifferdecker)

Der ist nämlich ein schwindliger Typ. Kevin hat es zwar auch mit Tieren, aber unter speziellen Aspekten: Im östlichen Teil Deutschlands gibt es nämlich Leute, die wahre Meister im Naturschutz sind und genau wissen, wie sich geschützte Arten züchten lassen. Kevin weiß das jetzt auch. Ihn treibt dabei aber nicht der ökologische Nutzen um, sondern der ökonomische. Ein paar Jahre erst ist es her, da kaprizierte er sich auf Rote Milane. Warum? Weil dort, wo Rote Milane auftauchen, keine Windräder gebaut werden dürfen. Bei uns im Fünfseenland gab es plötzlich auch wieder mehr Rote Milane - und zwar just dort, wo eigentlich Windräder entstehen sollten. Ich glaub ja, die kamen alle vom Kevin.

Ein Deal ist jedenfalls aufgeflogen beim Landratsamt. Wenn ich mich recht entsinne, landete dort eine Anfrage, ob die vom Amt nicht wüssten, wohin der Vogel solle und ob sie nicht so ein Tier bestellt hätten. Haben sie natürlich nicht. Windräder sind am Ende dann nur in Berg errichtet worden. Da kannte wahrscheinlich keiner den Kevin. Der aber hat nun ein neues Geschäftsmodell: Gelbbauchunken statt Roter Milane. Und der Heller Bruno will da jetzt auch einsteigen. Mich wollte er auch anheuern, weil hier im Fünfseenland ja wieder Windräder geplant sind. "Mann", sagte er, "was glaubst Du, wie schnell da die Nachfrage nach geschützten Tieren ansteigt?" Weil doch jeder Windkraft wolle - aber eben nicht vor der eigenen Haustür. Da werde sich so mancher 'ne Gelbbauchunke im Internet bestellen.

Da sei ganz schön viel drin, meint der Heller Bruno. Aber keine Windradl mehr. Ich dachte nur: Was redet der da für einen Schmarrn - und hab' mal gegoogelt: Und da gibt es wirklich einen in Sachsen, der Gelbbauchunken und allerlei anderes Getier vertreibt. Preis? "Auf Anfrage", steht da, also Verhandlungssache. Ob das wohl das Portal vom Kevin ist? Keine Ahnung. Aber der Heller Bruno hat dort echt nix verloren. Der würde statt grantig depressiv werden. Das kann ich nicht zulassen. Und deshalb schenke ich ihm jetzt eine Reise zu seinen Flamingofreunden, die jetzt in Köln, Ungarn und Polen sind. Vielleicht hilft's ja. Ihm und unserer Windkraft.

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