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Naturerlebnis am Ammersee:Übernachten unter Tieren

Ein Unternehmer will das 20 000 Quadratmeter große Areal des insolventen Saftherstellers Perger in eine Landschaft mit Hütten, freilaufenden Schweinen und Schwimmteich verwandeln. Besucher sollen die Natur erleben können.

Vor eineinhalb Jahren hat der Neurieder Unternehmer Josef Schernthaner das Grundstück des insolventen Saftherstellers Johannes von Perger gekauft. Nun hat er erstmals vorgestellt, was er mit dem etwa 20 000 Quadratmeter großen Areal plant: Er will es in eine "erlebbare Landwirtschaft" verwandeln - mit kleinen Hütten als Übernachtungsmöglichkeiten, einem Schwimmteich und freilaufenden Tieren. Der Bauausschuss in Herrsching hat am Mittwoch auf das Vorhaben mit Begeisterung reagiert und dem Plan im Grundsatz einstimmig zugestimmt. Damit dürfte die dramatische Geschichte um den Breitbrunner Safthersteller Perger zumindest für ihn selbst ein glückliches Ende gefunden haben - denn er darf auch weiterhin auf seinem einstigen Stammsitz arbeiten und leben.

Breitbrunn Perger Ortsbesichtigung mit Neubesitzeer Josef Schernthaner

Zehn Wollschweine leben hier, Schafe sollen folgen.

(Foto: Nila Thiel)

"Etwas Besseres hätte uns nicht passieren können", sagen der Johannes von Perger und seine Frau Paula, die den Hofladen auf dem Areal auch künftig betreiben wird. Und etwas Besseres als das neue Konzept dürfte auch für das Grundstück, das im Außenbereich liegt und Landschaftsschutzgebiet ist, nicht zu finden sein. So zumindest lässt sich die Meinung des Bauausschusses am Montag zusammenfassen, der sich vor seiner Sitzung selbst ein Bild an Ort und Stelle mit dem neuen Eigentümer machte.

Breitbrunn Perger Ortsbesichtigung mit Neubesitzeer Josef Schernthaner

Vieles hat sich bereits auf dem einstigen Perger-Grundstück verändert.

(Foto: Nila Thiel)

Tatsächlich ist in gut eineinhalb Jahren seit dem Verkauf an Schernthaner einiges auf dem Grundstück geschehen. Wesentlich aufgeräumter wirkt es, Parkplätze wurden neu angelegt, das einstige Wohnhaus der Pergers, in dem nun Schernthaner lebt, ist mit Naturstein eingefasst. Das Zelt auf der Fläche links von der Einfahrt aufs Grundstück ist verschwunden, stattdessen gibt es hier neue Anpflanzungen, die den Bestand an Obstbäumen wieder zur Geltung bringen.

Breitbrunn Perger Ortsbesichtigung mit Neubesitzeer Josef Schernthaner

Josef Schernthaner (rechts) will Besuchern Wissen über ökologische Kreisläufe vermitteln. Bürgermeister Christian Schiller (links) und der Bauausschuss sind davon begeistert.

(Foto: Nila Thiel)

Für diese Fläche, die etwa 6000 Quadratmeter groß ist, hat sich Schernthaner, dessen Familie aus Österreich kommt und in Neuried unter anderem einen Garten- und Landschaftsbau, einen Mietpark und ein Kieswerk betreibt, etwas Besonderes einfallen lassen. Hier will er vor allem jungen Menschen "vergessenes Wissen, verlorene Naturnähe" und "das Bewusstsein unserer Rolle in ökologischen Kreisläufen" wieder näherbringen, wie er sagt. Schernthaner will zeigen, wie Obstbäume beschnitten, wie Produkte im Hofladen, Saft, Wein, Edelbrände oder Bier hergestellt und auch wie Schweine oder Schafe artgerecht gehalten werden.

Vier Insolvenzen

Bereits Pergers Großvater Maximilian hatte sich mit der Herstellung von Saft in der Region einen Namen gemacht. Unter seinem Enkel Johannes von Perger entwickelte sich die Marke zunächst prächtig. Als Perger jedoch expandieren wollte, ging es rapide bergab. 2012 hatte er eine Genossenschaft mit 400 Anlegern gegründet und so ein Kapital von 1,6 Millionen Euro zusammengesammelt. Doch dann kam es zum Zerwürfnis, bei dem es unter anderem um ungeklärte Nutzungsrechte, Leergut, fehlende Absprachen und eine viel zu teure und große Abfüllanlage ging. Die Folge waren gleich mehrere Insolvenzen: die von zwei Perger-Altbetrieben, die von deren Genossenschaft und die des Privatmanns Perger. In die Privatinsolvenz-Masse gehörte auch das Grundstück, das schließlich Schernthaner gekauft hat - wie es heißt für knapp zwei Millionen Euro.

Perger hat mittlerweile einen Neuanfang gewagt. Seit 2015 gibt es eine neue Saftfirma mit seinem Namen, für die er allerdings nur als Geschäftsführer auftritt. Sein Obst dafür bezieht er größtenteils aus der Region. Beliebt waren auch immer seine Glühweinkreationen, die er unter anderem auch auf dem hofeigenen Weihnachtsmarkt vertrieb. Diesen soll es laut Schernthaner auch künftig geben. ABEc

Zehn Wollschweine hat er bereits angeschafft, für die Unternehmer, mit denen er zusammenarbeitet, Patenschaften übernommen haben. Für die Tiere hat er auf einer Fläche hinter dem Hofladen ein Außengehege gebaut, in dem sie sich sichtlich wohlfühlen, weil es ihnen Abwechslung bietet. Dort steht auch bereits ein Holzhüttchen, von dem aus die Schweine beobachtet werden und wo Verkostungen stattfinden können.

Sieben Holzhütten zum Übernachten will er gegenüber auf der 6000 Quadratmeter großen Fläche links von der Einfahrt mitten in den Bäumen errichten. Dort sollen Familien übernachten können, "Ruhe finden", wie Schernthaner sagt. Einen Schwimmteich hat er dort ebenfalls geplant sowie eine naturnahe Gartengestaltung. Damit will der Unternehmer Menschen inspirieren, über die natürlichere Gestaltung ihrer Gärten nachzudenken. Wenn man so will, ziele sein Konzept darauf ab, das einstige Perger-Areal zu einem selbstständigen Betrieb "in Anlehnung an Garten-, Obst- und Landschaftsbau" zu entwickeln, sagt er: "Aber mit Erlebnischarakter und als Ideenschmiede für Projekte und Produkte."

Dafür will er die bereits bestehenden Gebäude wie Lager- und Produktionsbauten erhalten und teilweise anders nutzen. So will er neben einem Betriebshof zur Lagerung von Materialien und Geräten auch Sozialräume und Büroflächen für Personal sowie einen Konferenzraum für Veranstaltungen schaffen. "Nach und nach", so Schernthaner: "Ich habe Zeit." Auf jeden Fall bleiben sollen Hofladen, Saftherstellung und -abfüllung. Perger darf also dort weiterarbeiten und auch wohnen. Mit seiner Frau lebt er nun in der Wohnung seiner Eltern in einem anderen Gebäude. Vollkommen ausreichend, wie Perger sagt. "Unsere Kinder sind alle aus dem Haus." Er wirkt erleichtert und begeistert von Schernthaners Plänen.

Bevor sie verwirklicht werden können, sind noch einige Schritte nötig: So muss der Unternehmer einen Bauantrag stellen, ein Bebauungsplan muss aufgestellt und wohl auch die Herausnahme aus dem Landschaftsschutzgebiet beantragt werden. Herrschings Bürgermeister Christian Schiller sieht aber wenig Probleme damit: "Das, was Schernthaner vorhat, ist ja eine absolute Aufwertung des ganzen Areals."