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Abfallentsorgung in Starnberg:Weniger Touren, höhere Gebühren

Kommunalunternehmen will die Müllabfuhr verteuern und ein neues Abrechnungsmodell einführen.

Seit 2016 sind die Müllgebühren im Landkreis Starnberg stabil, doch es zeichnet sich ab, dass die Hausbesitzer spätestens 2021 mit einer Erhöhung rechnen müssen. Der Grund: sinkende Einnahmen, etwa aus der Altpapierverwertung, und abgeschmolzene Rücklagen, aus denen allein im vergangenen Jahr 600 000 Euro entnommen werden mussten, um das Defizit des Jahres 2018 auszugleichen. Sollte es im laufenden Jahr zu einem ähnlichen Defizit kommen, wäre der "Sparstrumpf" praktisch leer, wie Peter Wiedemann, Vorstand des Kommunalunternehmens "Awista - Abfallwirtschaft Starnberg" bei einem Pressegespräch am Donnerstagmittag sagte. Mit einer Erhöhung bereits im kommenden Jahr rechnet Wiedemann indes nicht. "Da traut sich doch vor der Kommunalwahl im März kein Politiker ran", sagte er mit einem breiten Grinsen. Aber: "Eine Gebührenerhöhung ist so sicher wie das Amen in der Kirche."

Zudem könnte zeitgleich mit der Gebührenerhöhung ein neues Abrechnungsmodell eingeführt werden. Bislang fährt die Müllabfuhr 26 Touren im Landkreis - also alle zwei Wochen, plus vier Extratouren für den Biomüll im Sommer. Künftig könnte - wie es in anderen Landkreisen schon praktiziert wird - die Zahl der regelmäßigen Leerungen halbiert werden, auf je eine Tour pro Monat. Ist die Tonne voll, müsste dann per Telefon, App oder Internet eine Leerung bestellt werden - was natürlich extra bezahlt werden müsste.

Gilching  Müll

Soll teurer werden: die Müllabfuhr

(Foto: Georgine Treybal)

"Aus wirtschaftlicher und organisatorischer Sicht macht eine gleichzeitige Gebührenanpassung und ein neues Abrechnungsmodell natürlich Sinn. Aber es ist noch überhaupt nichts Konkretes beschlossen", erklärte Wiedemann. Aber klar scheint, dass sich die Haushalte im Landkreis umstellen werden müssen. Dies könnte auch für den gelben Sack gelten, der durch eine gelbe Tonne ersetzt werden soll. Nächster Aufreger könnte der Bau einer Bauschuttdeponie sein, die im Landkreis Starnberg laut Wiedemann dringend vonnöten ist. Aber auch in diesem Fall ist nicht klar, wann die Standortsuche beginnen wird.

Und dann sind da noch die Verbraucher, die sich nicht immer so verhalten, wie es sich der Awista wünscht. Wiedemann nannte als Beispiel die sogenannten Hemdchentüten, die an den Obsttheken der Supermärkte und Discounter kostenlos zum Verpacken von Obst und Gemüse verwendet werden können. Doch oft werden sie zuhause als Behältnis genutzt, in dem Obstschalen und andere Bioabfälle gesammelt werden, um dann die volle Tüte in die Biotonne zu stecken. "Diese Tüten sind technisch sehr schwer auszusortieren", erklärte Wiedemann. Bioabfall werde aber letztendlich zu Düngemittel. "Da wird der Acker dann zur Plastikmülldeponie, und das kann niemand wollen", sagte Wiedemann. Er kündigte stichprobenartige Kontrollen in den Mülltonnen an. Werde Plastikmüll in der Biotonne vorgefunden, werde der Behälter stehengelassen und der Nutzer zur Nachkontrolle aufgefordert. Wenn dies nicht geschehe, werde die Tonne kostenpflichtig als Restmüll entsorgt. Was ist die Alternative zu den Hemdchentüten? Man könne den Mülleimer mit Küchen- oder Zeitungspapier auslegen, empfahl der Vorstand.

Volle Tonnen

Bei der Müllvermeidung sind die Landkreis-Bürger im Jahr 2018 im Vergleich zu den Vorjahren nicht viel weiter vorangekommen. 108,1 Kilo Restmüll hat nach den Zahlen der Awista jeder Einwohner statistisch in die Tonnen gekippt. Das sind gerade mal 300 Gramm weniger als 2017. Der Zielwert für das Jahr 2025 liegt indes bei 88,0 Kilo. Insgesamt - über alle Abfallarten - hat im vergangenen Jahr jeder Einwohner rechnerisch mehr als eine halbe Tonne Müll produziert, genau 511 Kilo, nur 200 Gramm weniger als im Vorjahr. Zweitgrößte Müllfraktion nach dem Restmüll sind Papier, Pappe und Kartonagen (93,3 Kilo), gefolgt von Grüngut mit 92,5 Kilo. Dann folgen Bioabfall (75,2), Holzabfälle (35,8) und Glas (30,4). Am wenigsten fallen Sperrmüll (18,4), Textilien (6,5) und Kunststoffe (1,0) ins Gewicht.of

An der Kapazitätsgrenze arbeitet die Anlage in Unering, an der Grüngut und Gartenabfälle angeliefert werden können. Genehmigt seien 12 900 Tonnen pro Jahr, für 2020 ist eine Erweiterung auf 15 000 Tonnen vorgesehen. Noch keine Entscheidung ist in des über den Standort des geplanten Wertstoff- und Dienstleistungszentrums gefallen, in Betracht kommen Gut Mischenried bei Weßling und Oberbrunn. Es sei jetzt aber ein "Lenkungskreis" etabliert worden, der Kriterien für die Entscheidung formuliert habe. "Wenn alles gut läuft, könnte das neue Zentrum im November 2020 in Betrieb gehen", sagte Wiedemann, fügte aber hinzu: "Das ist ein sehr sportlicher Termin." Neu ist zudem eine Broschüre über "Privat Entsorger", die beim Awista oder den Gemeindeverwaltungen erhältlich ist.