Mitten in Gilching Licht ins Dunkel des Datenschutzes

In der Gemeinde schimpft man nicht, sondern geht geradezu erhellend mit dem Thema um - wie die "Gilchinger Strolche" beweisen.

Kolumne von David Costanzo

Alle schimpfen auf den Datenschutz. In München dürfen Eltern nicht einmal mehr ihre Kinder und die Erzieherinnen in der Kita per Smartwatch abhören. In Feldafing war es Bürgermeister Bernhard Sontheim verboten, das Melderegister seines Rathauses zu nutzen, um Hochbetagte zum Wiegenfest mit seiner Anwesenheit zu beglücken - bis ihm der Gemeinderat die Lizenz zum Gratulieren gab.

Und in Gauting hing die Schützengesellschaft Germania Fotos ihrer Meister im Schaukasten mit der Rückseite nach vorn auf, aus Protest gegen die fiese Datenschutz-Grundverordnung DSGVO und bevor noch ein noch fieserer Abmahnanwalt an die Würm kommt und eine Salve Rechnungen auf die Schützen abfeuert, weil sich ein Abgelichteter womöglich doch nicht so gern mit dem Weißbierstutzen im Anschlag mitten im Ort aushängen lassen mag.

Vorbild Gilching

In Gilching ist das anders, da schimpft man nicht, sondern geht geradezu erhellend mit dem Thema um. Man könnte auch sagen, den Gilchingern ist ein Licht aufgegangen. Bekanntermaßen ist die Gemeinde auch sonst immer ganz weit vorn im Landkreis - ein Vorbild etwa beim Wohnungsbau, beim Ansiedeln von Gewerbe wie auch beim Verhindern von Gewerbe in Nachbargemeinden.

Die "Gilchinger Strolche" haben sich vom Datenschutz nicht abhalten lassen und sind auch dieses Jahr wieder mit wunderschönen Laternen zu Ehren des heiligen M. (Name der Redaktion bekannt) zusammen mit ihren Eltern und dem Kindergarten-Team singend durch die Straßen gezogen. Da durfte zum Höhepunkt der heilige M. auf seinem Pferd (Name der Redaktion nicht bekannt) natürlich nicht fehlen.

Die lieben "Strolche" sammelten dabei viele Weihnachtsgeschenke für arme Kinder, um die Freude am Fest zu teilen. Und um die tolle Aktion für die Nachwelt festzuhalten, machte Elternbeirat Thomas Janker etwas, das der Datenschutz längst aus den Kitas verbannt hat - ein Foto, das er der Redaktion dankenswerterweise übermittelte. Aber nicht irgendeines, sondern eines, das vielleicht ein klitzekleinwenig dunkel ausfiel, wie er schreibt, aber damit "auf jeden Fall dem Datenschutz genügt ;-)". So schaut es aus:

Traum aller Datenschützer: Die „Gilchinger Strolche“ beim Martinszug.

(Foto: Thomas Janker/oh)