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Landkreis Starnberg:Achtung, falsche Polizisten!

Falsche Polizisten - Zahl der Fälle steigt

Betrüger machen über Telefonanrufe Druck und gaukeln Senioren vor, ihr Erspartes sei bedroht.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Betrüger versuchen vorwiegend ältere Menschen um Schmuck und Geld zu bringen.

Die Polizei warnt vor Betrügern, die versuchen, vorwiegend ältere Menschen im Landkreis Starnberg abzuzocken. Sie geben sich am Telefon als Polizisten aus und behaupten beispielsweise, sie hätten eine rumänische Einbrecherbande gefasst und dabei Zettel mit Adressen und Rufnummern gefunden. Die Unterhaltung dreht sich alsbald um die Vermögensverhältnisse der Angerufenen und zielt darauf ab, dass die Opfer den vermeintlichen Beamten Wertsachen und Bargeld übergeben sollen, die sie zu Hause aufbewahren. Vergangenen Montag und Dienstag wollten Ganoven eine 48-jährige Weßlingerin und einen 62-jährigen Inninger mit dieser Methode aufs Kreuz legen, wie die Polizei Herrsching mitteilt. Auch in Andechs kam es zu ähnlichen Anrufen. In allen Fällen scheiterten die Fake-Polizisten.

Laut Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, das auch für den Landkreis Starnberg zuständig ist, sind im vergangenen Jahr mehr als 2000 betrügerische Anrufe gemeldet worden. Die Täter hätten von Callcentern aus der Türkei oder Polen ganze Regionen abtelefoniert und dabei mit verschleierten Nummern gearbeitet, sogenannten Spoofing-Nummern. In 15 Prozent der Fälle versuchten es die Ganoven mit dem alten Enkeltrick, in 14 Prozent mit der Verheißung eines großen Gewinns, für den ein paar Gebühren fällig seien. Doch der Großteil der Betrugsversuche, drei Viertel der Fälle, gehe auf das Konto falscher Polizisten. Sie richteten 2019 einen Schaden von etwa 200 000 Euro an. Im Februar dieses Jahres ging beispielsweise eine 72-jährige Gautingerin Anrufern auf den Leim. Laut Polizeipräsidium übergab sie angeblichen verdeckten Ermittlern einen vierstelligen Geldbetrag.

Die Masche der Betrüger variiert immer wieder: Mal erklärt der vermeintliche Polizist, dass bei dem Angerufenen ein Einbruch geplant sei oder in der Nähe Einbrecher festgenommen worden seien. Aus diesem Grund solle man sein Barvermögen und seinen Schmuck in Sicherheit bringen. Ein Kollege könne alles abholen, es sei aber auch möglich, Geld und Preziosen im Umfeld des Hauses zu verstecken. Mal meldet sich nach einem ersten Anruf ein angeblicher "Sonderermittler" oder "verdeckter Ermittler der Polizei" und bittet darum, bei den Ermittlungen gegen eine Bande von Betrügern mitzuhelfen, die sich am Telefon als Polizisten ausgeben.

Allein die Herrschinger Inspektion, zu deren Gebiet die sechs Gemeinden Inning, Seefeld, Andechs, Weßling, Wörthsee und Herrsching gehören, hat seit Beginn dieses Jahres 37 solcher Betrugsversuche registriert. Die Täter scheiterten in allen Fällen, "Gott sei Dank sind die Bürger hellhörig, wenn es heißt, sie sollen Geld und Wertsachen herrichten", so die Polizei. Auch der Starnberger Inspektion werden "immer wieder mal" Anrufe von Betrügern gemeldet. Laut Polizeipräsidium Oberbayern Nord handelt es sich um ein "Phänomen, das anhalten wird". Die Polizei rät dazu, am Telefon nie Auskunft über persönliche Verhältnisse zu geben und Familienangehörige und Nachbarn über die Methoden der Ganoven zu informieren. Außerdem soll man bedenken: Die Polizei bitte nie darum, ihr Wertgegenstände und Bargeld auszuhändigen. Beim geringsten Zweifel sollen sich die Bürger an den Polizeinotruf 110 wenden.

© SZ vom 05.06.2020

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