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Museum Starnberger See:Virenschutz ahoi

Künstler Robert Barta hat für die Kasse des Museums eine Wand aus Plexiglas gefertigt, die an das Steuerhaus eines Dampfers erinnert, Scheibenwischer hat und auch noch "You Wish" heißt.

Von Katja Sebald

Das Museum Starnberger See, das die Geschichte der Seenschifffahrt bewahrt, wird die Besucher standesgemäß empfangen, wenn es im neuen Jahr seine Türen wieder öffnen darf: Der Berliner Künstler Robert Barta hat für das Foyer das Kunstwerk "You Wish" konzipiert, das als schnöder "Spuckschutz" vor der Kasse fungiert, aber auch mit kühner Schiffsmetaphorik an das Steuerhaus eines Dampfers denken lässt und schließlich als interaktive Installation den Notwendigkeiten in Zeiten einer Pandemie mit bezauberndem Humor begegnet.

Der Hintergrund für die im Dezember fertiggestellte Auftragsarbeit ist denkbar profan: Die Schutzeinrichtung am Kassentresen des Museums war bislang ein schnell gekauftes Provisorium und eigentlich viel zu klein. Eine "Spuckschutzwand" in der passenden Größe hätte man ohnehin anfertigen lassen müssen, erläutert Museumsleiter Benjamin Tillig. Er beschloss, das Nützliche mit dem Witzigen zu verbinden, beantragte Mittel aus dem "Neustart-Sofortprogramm für Corona-bedingte Investitionen in Kultureinrichtungen" - und beauftragte Robert Barta mit der Neuanfertigung.

Barta, 1975 in Prag geboren, ist bekannt für interaktive Objekte und Installationen, bei denen er Alltagsgegenstände so verändert oder in neuen Zusammenhängen präsentiert, dass sich der Betrachter in Situationen wiederfindet, auf die er nicht vorbereitet ist. Er funktionierte einen Fußabstreifer zum "Surfbord" für Innenräume um. Er ließ ein Pissoir, das nicht zufällig an Duchamps "Fountain" erinnert, frech zurückpinkeln. Und er "fand" das abgebissene Apfelstück aus dem Apple-Logo. Für die Pfalzgalerie in Kaiserlautern erhöhte er im Jahr 2010 den Kassentresen auf über zwei Meter: Die Besucher erkannten das Riesenmöbel zunächst nicht und standen ratlos in der Halle herum, bis sie entdeckten, dass sie sich wie Kinder im Bonbonladen auf Zehenspitzen recken mussten, um in luftiger Höhe ein Ticket zu kaufen.

Diese Arbeit mit dem Titel "Hoheitsanspruch" hatte Tillig im Kopf, als er Barta kontaktierte. "Ich schätze sein Werk und vor allem seinen Humor sehr", sagt er. "Er unterläuft Erwartungen, karikiert von uns als normal wahrgenommene Strukturen aus ihrer eigenen Logik heraus mit kleinen Störungen und Eingriffen. In der Zeit der Pandemie und der alles überlagernden Bedrückung ist es doch wunderbar, genau so jemanden mit dem Entwurf einer funktionstüchtigen Schutzvorrichtung zu beauftragen." Und tatsächlich dachte der Künstler sich auch für Starnberg einen mehr als passenden Lausbubenstreich aus.

Barta, der von 1998 bis 2005 an der Akademie der Bildenden Künste in München studierte und heute in Berlin und Frankfurt am Main lebt, war mit einer Gautingerin verheiratet. Er kennt den Starnberger See gut. Kein Wunder also, dass er bei dem Auftrag aus Starnberg sofort an ein Schiff dachte. Deshalb ist die Plexiglaswand an der Museumskasse jetzt nach vorne geneigt wie die Scheibe am Steuerhaus eines Dampfers. Wenn sich der Besucher nähert und sie womöglich mit seinen Aerosolen benetzt, setzt sich durch einen Sensor der Scheibenwischer in Gang. Selbstredend handelnd es sich um einen Schiffsscheibenwischer, auch die verwendeten Schrauben und Seile kommen aus dem Schiffsbau.

Ebenfalls typisch für Barta ist der wortspielerische Titel "You Wish". Bleibt also nur noch zu wünschen, dass das Museum bald wieder öffnen darf. Oder noch besser: Dass die "Spuckschutzwand" irgendwann selbst zum Museumsstück wird, zum merkwürdigen Relikt aus längst vergangenen Pandemiezeiten.

© SZ vom 29.12.2020
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