Ehrenamt:"Work-Help-Balance"

Ehrenamt: Eleonore Zwißler (links) hielt die Laudatio auf Herbert Meindl (2.v. re.) Dieser bedankte sich bei seiner Ehefrau Magdalena; Bürgermeister Rudolph Haux überreichte Urkunde und Medaille.

Eleonore Zwißler (links) hielt die Laudatio auf Herbert Meindl (2.v. re.) Dieser bedankte sich bei seiner Ehefrau Magdalena; Bürgermeister Rudolph Haux überreichte Urkunde und Medaille.

(Foto: Georgine Treybal)

Krailling ehrt Herbert Meindl mit der Bürgermedaille. Der 84-Jährige hat jahrzehntelang für die Verwaltung gearbeitet und sich auch ehrenamtlich für seine Heimatgemeinde engagiert.

Von Carolin Fries, Krailling

Herbert Meindl sagte nicht viel. Er hörte zu, was Kraillings Ehrenbürgerin Eleonore Zwißler und Kraillings Bürgermeister Rudolph Haux erzählten, manchmal nickte er stumm. Im Mittelpunkt zu stehen, das merkte man gleich, ist ihm nicht ganz geheuer. Lieber steht er bei Gemeindefesten am Grill, stellt Bänke und Tische auf oder werkelt für die Feuerwehr oder den Gartenbauverein. "Work-Life-Balance gab es für ihn nicht, viel mehr Work-Help-Balance", so Zwißler. Und das über Jahrzehnte. Dafür erhielt der 84-Jährige am Montagabend die Bürgermedaille. "Das geht nur, wenn man eine tüchtige Frau daheim hat, die einem den Rücken frei hält", sagte der Geehrte und bedankte sich bei seiner Frau "Leni".

Die Familie seines Sohnes sowie zahlreiche Medaillenträger der vergangenen Jahre und Gemeinderäte verfolgten den Festakt im Rathaus aufmerksam. Er wurde zur Rückschau auf ein ereignisreiches Leben. Was Herbert Meindl wichtig ist: Er ist ein gebürtiger Kraillinger und kam per Hausgeburt in der Ludwig-von Nagel-Straße auf die Welt - wo er heute wieder lebt. Und auch wenn er als kleines Kind sieben Jahre lang bei einer Pflegefamilie in Niederbayern aufwuchs: Seine Heimatgemeinde sei ihm immer schon am Herzen gelegen, sagt er. 1959 fing er an, beim Bauhof zu arbeiten. Dabei hatte er eigentlich eine Bäckerlehre gemacht und arbeitete in Planegg. "Damals hatte die Gemeinde den ersten Unimog gekauft und ein Kraftfahrer wurde gesucht", erzählt er. "Die haben so lange auf mich eingeredet, bis ich zugesagt habe." Bereut habe er es nie, auch weil es bei der Gemeinde 1,75 Mark Stundenlohn gab. In der Bäckerei habe er damals nur 31 Mark in der Woche verdient bei freier Kost und Logis.

Bis 2002 arbeitet er auf dem Bauhof, von 1964 an als Leitung. "Der Bauhof ist mit der Gemeinde mitgewachsen von anfangs zwei Mitarbeitern auf heute 14." Und die Aufgaben haben sich geändert. Damals hätten er und seine Kollegen noch Straßen asphaltiert und für 15 Jahre sogar die Müllabfuhr übernommen. Vor allem aber habe man "Wünsche der Bürger erfüllt": Schneeräumen hier, Wege richten dort. "Sehr geschätzt" habe man ihn im Ort.

Sicherlich auch, weil er sich auch neben der Arbeit vielfältig eingebracht hat. 22 Jahre lang war er stellvertretender Kommandant bei der Freiwilligen Feuerwehr und neun Jahre Jugendwart. Unzählige Jugendliche erlernten bei ihm ihr Feuerwehrwissen in Theorie und Praxis, darunter viele der heutigen Führungskräfte. Rund 25 Jahre lang engagierte sich Meindl zudem im Verein für Gartenkultur Krailling und trug mit seiner Arbeit maßgeblich zur Gestaltung und Pflege des Naturerlebnis-Gartens bei.

Der Senat der Republik Polen ehrt ihn mit der Gedenkmedaille

Auch politisch gestaltete Meindl mit. Von 1978 bis 2020 vertrat er mit zweijähriger Unterbrechung die CSU im Gemeinderat und sorgte als Feldgeschworener in enger Zusammenarbeit mit dem Vermessungsamt dafür, dass das Gewerbegebiet KIM für die Zukunft vermessen und die Grundstücksgrenzen entsprechend gekennzeichnet wurden. Bei zahlreichen Vereins- und Bürgerfesten packte er tatkräftig zu, für sein langjähriges Engagement im Projekt "Hilfe für Polen" wurde Meindl 1999 mit der "Gedenkmedaille des Senats der Republik Polen" geehrt.

Er habe nicht mit der Auszeichnung gerechnet, so Meindl, sei aber "angenehm überrascht". Auch, weil Bürgermeister Rudolph Haux die Nachricht persönlich überbracht habe. Die Medaille sei ein Dank für Meindls jahrzehntelanges außerordentliches Engagement für das Kraillinger Gemeindeleben, so der Rathauschef. "Menschen wie Herbert Meindl sind für mich Vorbilder, die in hohem Maße prägend wirken."

Die Bürgermedaille wird seit 1992 an verdiente Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Krailling verliehen. Bisher wurden damit 43 Personen geehrt. Über die Vergabe entscheidet der Gemeinderat.

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