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Essen und Trinken:Kochen mit magischen Gewürzen aus Afrika

Paradieskörner, Galgant und Mohrenpfeffer: Dodo Liadé stammt von der Elfenbeinküste und hat "Voodoofood" erfunden. Der Pöckinger bietet Kochkurse in ganz Deutschland an.

Für Dodo Liadé ist Kochen Magie, er sieht sich als kulinarischer Botschafter seines Heimatlandes und er hat einen Doktor der Politikwissenschaften - er hat in Frankreich und Deutschland Soziologie, Philosophie, Ethnologie und Politik studiert. Bildung ist für ihn das A und O. Dass das gemeinsame Kochen völkerverbindend wirkt, hat er erst später verstanden und sich entschlossen, Kurse für Privatleute und Firmen anzubieten. Und am Steg 1 am Starnberger See kocht der Pöckinger auch noch. Bei seinen Gerichten spielen Gewürze eine entscheidende Rolle, denn sie haben für ihn Zauberkräfte. Ähnlich wie der Voodooglaube in seiner Heimat Westafrika.

Liadé stammt aus Daloa, einer Stadt im Westen der Elfenbeinküste. Mehr als 300 000 Menschen leben dort. Die Vielweiberei ist sehr verbreitet. Sein Vater, ein Kakao-Bauer mit zwei Hektar Grund, hat drei Frauen. Darum hat Liadé auch 14 Geschwister. Die Eltern können beide weder lesen noch schreiben. Doch der Vater erkennt schon früh, dass die Kolonialherren ihm eines voraushaben: Bildung. Also will er seinen Kindern genau die schenken und schickt alle auf die Schule.

Aschering, Dodo Liadé

Dodo Liadé kocht auch daheim in Aschering für seine Frau und die beiden Töchter gern und viel.

(Foto: Georgine Treybal)

Seinem Sohn Dodo fällt das Lernen leicht. Er besteht das Abitur locker, erhält ein staatliches Stipendium. Doch Dodo spart das Geld. Denn er ist wild entschlossen, nach Europa zu gehen, Politologie zu studieren und zu promovieren. Sobald er das Geld beisammen hat, kauft er sich ein Flugticket nach Paris. Dort schreibt er sich 1979 in Philosophie ein. Etwas später besucht er einen Freund in Göttingen. Als er das Unileben in der kleinen Stadt kennenlernt, beschließt er, Deutsch zu lernen und sein Studium dort fortzusetzen. "Jeder Fünfte in Göttingen war ein Student. Es war ein Traum." Er schreibt sich für Soziologie, Philosophie Ethnologie und Politik ein. In Soziologie macht er seinen ersten Magister. Der zweite folgt schließlich in München im Fach Politik. Dort lebt und promoviert er auch über Internationale Politische Beziehungen. Er arbeitet für einige Unternehmen - darunter auch Bertelsmann. Als ihm ein Bundespolitiker anbietet, ihn zu fördern und ihm den Weg zu ebnen, damit er in seinem Heimatland als Politiker erfolgreich wird, beschließt Liadé, der Politik ein für alle mal den Rücken zu kehren. "Ich bin kein Vasall. Ich habe studiert, um frei zu sein", sagt er.

Liadé spricht auch nicht über sein Alter. "Das Alter schürt Vorurteile", sagt er. "Die Leute beurteilen ihr Gegenüber danach, was man in welchem Alter erreicht haben sollte. Oder sie befinden, dass man beispielsweise für einen Job nicht geeinet ist, weil man schon zu alt oder noch zu jung ist." In seiner Heimat Afrika steigt das Ansehen der Menschen mit dem Alter. Man wird wertvoller, je älter man wird, gilt als weise. In Deutschland ist das bekanntlich anders, da gehört man recht schnell zum alten Eisen. Bei einem Vortrag hat Liadé dies den Zuhörern erzählt und eine der Frauen rief spontan: "Dann geh' ich nach Afrika!"

Etliche Jahre arbeitet er als freier Wissenschaftler in München, knüpft Bekanntschaften mit Menschen aus ganz Europa, mit Firmenbossen und Politikern. Immer ist es ihm ein Anliegen, den Leuten in Gesprächen, die afrikanische Kultur näher zu bringen. Auf Empfängen macht er die Erfahrung, dass gerade höhergestellte Persönlichkeiten in der Öffentlichkeit oft arrogant und unnahbar wirken. Nach dem Essen sind diese Attitüden verschwunden, dann sind sie ganz normal. Das bringt ihn auf die Idee: Er will kulinarischer Botschafter seines Landes werden. Bereits in der Kindheit hatte er nicht nur Freude am Essen, sondern, für afrikanische Buben unüblich, auch Freude am Kochen. Von seiner Mutter hat er viele Kniffe gelernt, ihr beim Kochen geholfen. Das Essen wird für ihn zum Schlüssel des Dialogs der Kulturen.

Mittlerweile leben seine Frau Beate und er auf dem Land. Das Paar wollte raus aus der Stadt. 2007 zieht es nach Pöcking. Dort kommen die beiden Mädchen Helena und Luise zur Welt, die heute sieben und fünf Jahre alt sind. Die Eheleute genießen das Landleben - die gute Luft und die Landschaft. In diesem Umfeld Kinder großziehen zu können, ist für sie ein Geschenk. Helena geht in Pöcking in die Volksschule, Luise in den Kindergarten, Beate Liadé arbeitet im Jugendamt des Landratsamts Starnberg. Seit 2016 lebt die Familie nun im kleinen Pöckinger Ortsteil Aschering. "Man muss dankbar und glücklich sein, dass man hier leben darf", sagte Dodo Liadé. Die Arbeit als freier Wissenschaftler ist längst in den Hintergrund getreten. Liadé bietet in Kochstudios in der gesamten Republik Kurse an. Die zehn bis 17 Teilnehmer gestalten den Kurs mit. "In der afrikanischen Küche gibt es keine Meister und keine Schüler", sagt er. "Die Gewürze sind die Meister." In seinen Kursen wird nicht nur gebrutzelt, sondern auch über Gott und die Welt geredet. Dabei ändert sich auch das Bild, das viele von Afrika haben. Gekocht wird stets ein Vier-Gänge-Menü. Von Oktober an übernimmt er gemeinsam mit einem Freund ein eigenes Kochatelier in Huglfing.

Die Gewürze

Die "Voodoo"-Religion stammt aus Dodo Liabés Heimat Westafrika und ist heute hauptsächlich in den Staaten Benin, Ghana und Togo verbreitet. Die Europäer haben beim Begriff Voodoo meist das Bild einer mit Nadeln gespickten Puppe vor Augen, eine Art Schadenszauber, der den Betroffenen Schmerz zufügen soll. Für Liabé ist Voodoo die positive Magie des Geschmacks. Darum nennt er seine Gewürze, Ingwer-Drink und Bücher "Voodoofood". Zu seinen Lieblingsgewürzen zählen Paradieskörner (Kamerun-Kardamom), die früher als Wundermittel der Medizinmänner galten, oder Mohrenpfeffer, der als Heilmittel wirkt und Kopfschmerzen sowie Übelkeit vertreibt. Er verwendet auch Galgant, dem in Asien eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt wird. bad

Liadé veranstaltet zudem bei Firmen Kochevents, hat mittlerweile zwei Bücher über das Kochen geschrieben, die im eigenen Verlag erschienen sind, und ein eigens Produktlabel für seine Gewürzmischungen "Voodoofood" entwickelt. Unter diesem Label vertreibt er seine Gewürze und den naturtrüben, afrikanischen Ingwer-Drink "Yamakougi", den er entwickelt hat. Liadé verwendet ausschließlich Bioprodukte. Sie findet man meist auch in den Regalen der Biomärkte. Liadé ist Fair-Trade-Botschafter für Pöcking, und begleitet die Gemeinde auf diesem Weg.

In diesem Sommer hat er an schönen Abenden auch am Steg 1 in Niederpöcking gekocht. "Der Steg ist zu schön, als dass man dort nur Currywurst und Pommes anbieten sollte", sagt er. Weil er nicht nur das Ambiente direkt am Wasser sondern auch die bayerische Küche sehr schätzt, bietet er dort Steckerlfisch mit einer selbst entwickelten Marinade an. Was ihn freut: "Die Leute kommen dafür bis aus München. Sie haben gemerkt, dass der Fisch ganz anders schmeckt mit meiner Marinade." Bis Mitte Oktober kann man sich am Steg 1 davon an schönen Wochenenden noch selbst überzeugen.