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Fünfseen-Filmfestival:Kreisstadt statt Landeshauptstadt

Matthias Helwig zieht sein Filmfestival trotz Corona durch - und trägt bislang allein das finanzielle Risiko.

(Foto: Arlet Ulfers)

Der One-Future-Preis wird heuer in Starnberg vergeben - weil das Filmfest München abgesagt worden ist.

Es ist eines der wenigen Filmfestivals in Deutschland, das in diesem Jahr stattfinden wird: das 14. Fünfseen-Filmfestival vom 26. August bis 9. September in Starnberg, Gauting und Seefeld. Zwar wird es nur eine abgespeckte Version werden, mit nur rund 70 Filmen, aber mit viel Zeit und Platz zum Treffen, zur Begegnung, zum Gespräch. Ein Novum gibt es auch: Da das Filmfest München abgesagt ist, vergibt Filmpfarrer Eckart Bruchner, der auch Direktor der Interfilm-Akademie ist, den One-Future Preis beim Starnberger Filmfestival von Matthias Helwig.

Seit dem Gau von Tschernobyl 1986 vergibt die Interfilm-Akademie München die Auszeichnung jedes Jahr an einen Film, der die Gedanken einer einzigen unteilbaren Zukunft der Menschen in ethisch und filmästhetischer Weise überzeugend umsetzt. "Wir wollten den Preis nicht bei den großen Festivals wie Kiew oder Venedig vergeben, sondern beim FSFF und damit auch das Festival würdigen", betont Bruchner, der selbst in 2007 der Jury des ersten Fünfseen-Filmfestivals war.

Gewürdigt wird auch Festival-Chef Matthias Helwig. Er bekommt am 6. September den One-Future-Ehrenpreis.Es ist der einzige Name, der beim Pressegespräch am Donnerstag im Kino Breitwand in Gauting mitgeteilt wurde. Helwig wollte weder die eingeladenen Regisseure oder die Ehrengäste nennen. "Es werden wichtige und bekannte Gäste kommen. Das ich noch keine endgültigen Termine habe, werde ich nichts verraten", sagte er. Seit Februar habe er intensiv am Programm gearbeitet und habe im Auf und Ab der Corona-bedingten Unsicherheiten, immer das Ziel gehabt, am Festival festzuhalten. Jedenfalls wird es mehr Open-Air-Veranstaltungen geben, auch weil sich die Besucher an der frischen Luft derzeit wohler fühlten.

Hauptspielort ist voraussichtlich das Seebad Starnberg. Auch wenn die Genehmigung noch nicht durch sei, sei er doch optimistisch, es gebe ein Sicherheitskonzept und mit dem nötigen Abstand hätten dort 300 Besucher Platz. Für die Eröffnungsfeier gibt es verschiedene Modelle, die Schlossberghalle sei reserviert, auch der Platz davor. Eine besondere Attraktion ist sicher das "Cinéma mobile" von Filmemacher Wolf Gaudlitz (Palermo flüstert, Taxi Lisboa, Sahara Salaam). Der Lkw mit der Filmvorführ-Ausstattung könne an unterschiedlichen Orten Filme zeigen.

Helwig rechnet mit einem Drittel der Zuschauer vom vergangenen Jahr, da waren es 21 000, und auch mit weniger Einnahmen, hofft aber, dass das Festival bis nach München ausstrahlt. Für den Etat von 250 000 Euro trage er allein das Risiko, sagt er. Er hoffe aber auf Sponsoren und Mäzene, auf Filmpatenschaften, aber vor allem auf Zuschüsse der Gemeinde. Dass es ohne Förderung nicht geht, zeigt die Streichung des Drehbuchpreises, da er dafür heuer keine Zuschüsse bekommt.

Doch worauf kann sich der Filmfan freuen? Es wird zwei Deutschlandpremieren und sehr interessante Filme geben, zur Eröffnung den Dokumentarfilm "Vor mir der Süden" von Pepe Danquart, dann "Walchensee forever" von Jana Ji Wonders, "Persischstunden" mit Lars Eidinger und die Politsatire "Curveball" von Johannes Naber um die deutsche Verwicklung in den Irakkrieg.

Die Akkreditierung ist schon möglich, Karten reservieren kann man online vom 10. August an. Informationen unter www.fsff.de

© SZ vom 26.06.2020

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