Inning:Geschichten über das Lebenselixier

Ammersee, Wörthsee, Amper und der Inninger Bach: Die Gemeinde ist mit Wasser gesegnet. Dem Thema widmet sich das neue "Geschichtsblatt".

Von Carolin Echterbeck

"Wäsche schwoam": So heißt ein Gedicht der Inningerin Carola Kaminsky, die darin die mühsame Arbeit des "Wäsche schwenkens" im Inninger Bach in früheren Zeiten beschreibt. Heute reinigt zwar niemand mehr seine Wäsche im Bach, allerdings ist die Wasserversorgung immer noch essenziell für das Leben in Inning. Sie ist sogar so wichtig, dass das "Inninger Geschichtsblatt" ihm seine 14. Ausgabe "Wasser satt?!" widmet.

Die Gemeinde hat mit dem Ammersee, dem Wörthsee, der Amper oder dem Inninger Bach mehr als genug Wasser zur Verfügung. Auch mehrere Weiher, Teiche und kleinere Bäche vervollständigen den Anschein, dass die Gemeinde schon immer ausreichend Wasser hatte und immer noch hat. Doch stimmt dieser Eindruck?

Dieser Frage ging das Redaktionsteam des Vereins "Heimatgeschichte Inning" in diesem Jahr nach. In ihrem "Streifzug durch unsere Gemeinde" beschreiben Jutta Göbber, Horst und Edeltraud Schramm mit Unterstützung von Robert Volkmann, Gabriele Kellerer und Franz Meier den geschichtlichen Hintergrund und die heutige Situation des Wassers auf 99 Seiten in sechs Kapiteln mit Bildern.

"Wasser ist ein übergeordnetes Thema für alle Ortsteile", sagt die Vorsitzende des Vereins, Jutta Göbber. Die letzten drei Geschichtsblätter haben nur Ortsteile getrennt voneinander betrachtet. In diesem Jahr verfolgte sie die Historie des Wassers in der gesamten Inninger Gemeinde bis ins Mittelalter.

Seit ungefähr 3000 Jahren siedeln Menschen in der Gemeinde. Inning war ursprünglich ein Straßendorf entlang des Inninger Baches, der vom Wörthsee in die Amper fließt. Bis ins 20. Jahrhundert entnahmen ihm zahlreiche Haushalte Wasser, um ihren Alltag zu meistern: Wäsche waschen, Vieh tränken, Gemüse putzen oder den Garten bewässern. Gerade auf der Herrschinger Straße, unter der sich der Bach schlängelt, herrschte immer ein reges Treiben.

Seit 100 Jahren gibt es in Inning Wasser aus der gemeindlichen Leitung. "Es war ein mühseliger Weg", berichtet Jutta Göbber. Die Recherche in Archiven zeigte beispielsweise, dass es immer wieder Probleme mit der Qualität, der Nutzung und der Menge des vorhandenen Trinkwassers gab.

Ein Grund für die Qualitätsprobleme war das Gewerbe, das sich wie die Haushalte in der Nähe des Baches ansiedelte. Gerber, Käserei, Metzger, Bauern oder auch Brauereien nutzten die Nähe zum Wasser nicht nur zur Wasserentnahme für ihren Betrieb, sondern auch zur Wasserentsorgung. Es gab so viel mit Schadstoffen belastetes Abwasser, dass die Inninger Gemeinde die Entsorgung zeitweise auf kleine Zeitfenster morgens und abends beschränkte. "Der Bach fließt ja", sagt Göbber und beschreibt damit die Hoffnung der Inninger, dass das Wasser sauber bleibt.

Der Bach war eine Quelle des Lebens, aber gleichzeitig auch eine Quelle für Probleme. Das Buch veranschaulicht neben gesellschaftlichen Konflikten, weil beispielsweise zur gleichen Zeit viel Wasser benötigt wurde, auch Schwierigkeiten, die durch die Natur verursacht wurden: Überschwemmungen, Schneechaos, Dürre oder Kälte plagten die Gemeinde.

Jutta Göbber schreibt das Geschichtsblatt mit großer Leidenschaft. Sie hat noch viele Themen für die kommenden Ausgaben im Kopf und fängt ihre Arbeitsdateien teilweise drei bis vier Jahre vor der Veröffentlichung an. Sie findet die Gemeinde spannend und möchte den Lesern nicht nur lexikalisches Wissen vermitteln, sondern auch ein Bewusstsein für die Umgebung schaffen. Und obwohl das Geschichtsblatt erst seit Kurzem veröffentlicht ist, füllt sie bereits die Arbeitsdatei für das nächste Büchlein. Die Bücher sind gegen eine Spende von zehn Euro im Schreibwarengeschäft Schroeren, im Café Huttner und bei Optik Wittenberger sowie im Gemeindearchiv in der Pfarrgasse erhältlich.

© SZ vom 30.09.2020
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