Anstehende Erneuerungen:Vier Millionen für Starnberger Gymnasium

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Starnberg, Gymnasium

Der Eingang zum Gymnasium wirkt modern, doch das Schulgebäude ist ein Sanierungsfall.

(Foto: Georgine Treybal)

Die Stadt will die Schule an den Landkreis abgeben. Doch zuvor sind einige Sanierungsarbeiten nötig, die viel Geld kosten. Mängel an Elektroinstallationen, Heizung und Fassade sind lange bekannt. Dazu kommen die Folgen eines Wasserrohrbruchs.

Von Peter Haacke

Bildung hat einen hohen Stellenwert, wer über eine gute Bildung verfügt, hat womöglich bessere Chancen im Leben. Die Umstände aber, unter denen sich der Unterricht in Schulen zuweilen vollzieht, sind nicht erst seit Ausbruch der Coronakrise manchmal kritikwürdig. Das gilt auch für das Starnberger Gymnasium. Zwar ist man in der Kreisstadt stolz darauf, seit Anfang der 1970-er Jahre eine moderne Oberschule in Eigenregie zu betreiben, im IT-Bereich etwa wurde erheblich nachgerüstet. Doch in baulicher Hinsicht ist der Komplex teilweise in einem schlechten Zustand. Der Stadtrat hat nun beschlossen, ein Architekturbüro mit der Planung für dringend erforderliche Arbeiten zu beauftragen. Etwa vier Millionen Euro, vielleicht auch mehr, dürfte die Sanierung kosten. Wenn die Schule eines Tages, wie von der Stadt angekündigt, in die Obhut des Landkreises fällt, soll sie in gutem Zustand sein.

Die Mängelliste für das Gymnasium ist lang: Schon 2019 hatte der Stadtrat ein zwei Millionen Euro schweres Paket geschnürt, um Fassaden, Verkabelungen und Elektroleitungen, die Heizung sowie einen Physikraum auf den neuesten Stand zu bringen. Doch dann musste der Fahrplan geändert werden: Ein Wasserrohrbruch im ersten Obergeschoss eines Gebäudeteils, in dem sich Duschen und Sanitäranlagen befinden, verursachte im Dezember einen massiven Schaden im darunter liegenden Gebäudeteil. Die Kosten allein für die Generalsanierung dieses Bauteils hatte die Stadtverwaltung im Vorjahr auf etwa 1,8 Millionen Euro geschätzt, und es handele sich dabei "nicht um Schönheitsreparaturen", betonte Bürgermeister Patrick Janik.

Schlossbergschule wird zu klein

Die Schlossbergschule, an der Generationen von Starnberger Kindern das ABC und das kleine Einmaleins lernten, hat als Grundschule keine Perspektive: Das Gebäude mit seinen acht Klassenräumen wird voraussichtlich binnen der nächsten drei bis fünf Jahre aufgegeben, weil die Kapazitäten auf dem kleinen Grundstück nicht erweiterbar sind.

Die Schule am Fuß des Schlossbergs, die schon mehrfach ertüchtigt wurde, ist in Teilbereichen ebenfalls sanierungsbedürftig. Ausschlaggebend aber sind andere Kriterien: Der um das Jahr 1880 erbaute und nicht unter Denkmalschutz stehende Komplex kann nicht erweitert werden. Die Räume entsprechen schon lange nicht mehr den Anforderungen eines modernen Schulbetriebs. Und für die nächsten Jahre werden steigende Schülerzahlen erwartet - auch wegen des Einheimischenmodells am Wiesengrund.

"Das Lehrerzimmer ist winzig, auch andere Räume gemäß Raumprogramm für eine Grundschule sind nicht vorhanden oder zu klein", heißt es in der Vorlage der Stadt. Das Treppenhaus wird zur Lagerung von Material genutzt, die Mittagsbetreuung im "Zuckerhäusl" ist weder genehmigt noch geeignet. "Diese Raumnot ist bereits seit Jahren bekannt, ebenso lange gibt es Erweiterungspläne", heißt es. Bereits 2018 war eine Jahre zuvor beauftragte Machbarkeitsstudie zu Sanierungs- und Erweiterungsmöglichkeiten vorgestellt, die Umsetzung aber aus ungenannten Gründen immer wieder verschoben worden. Da auf dem bestehenden Grundstück keine Erweiterungsmöglichkeit besteht, empfiehlt die Verwaltung mittel- bis langfristig einen Neubau. Welche Grundstücke womöglich im Starnberger Süden dafür in Frage kommen, soll geprüft werden.phaa

Mittlerweile wurden die Planungen erweitert, und die bisherige Kostenschätzung hat sich nahezu verdoppelt auf 3,3 Millionen Euro. Kämen außer der Sanierung von Sanitäranlagen, Sporthallen, Heizung sowie Umkleide- und Abstellräumen unter Berücksichtigung von Barrierefreiheit und Brandschutz auch neue Physik- und Chemieräume hinzu, dürfte die Vier-Millionen-Grenze womöglich überschritten sein.

Im Landratsamt und in der Stadt herrscht im Grundsatz Einvernehmen über die Notwendigkeit einer Sanierung. An den Kosten - 90 bis 95 Prozent der Gesamtsumme müsste der Landkreis stemmen - soll nach Möglichkeit aber auch die Regierung von Oberbayern beteiligt werden. Bei einem Ortstermin Ende September mit der Ministerialbeauftragten, Schulleitung und Stadtverwaltung sollte geklärt werden, ob für die Generalsanierung von Bauteil 5 mit Chemie- und Physikräumen eine "schulische Notwendigkeit" bestehe. Eine endgültige Aussage zu diesem Aspekt, von dem die Förderzusage des Freistaats abhängt, liegt noch nicht vor. Es herrscht Abstimmungsbedarf.

Für die Starnberger scheint die Kostenfrage allerdings ohnehin eher untergeordnet zu sein. Der Kreistag hat signalisiert, alle weiterführenden Schulen im Landkreis unter seine Fittiche zu nehmen. Im Stadtrat wächst jedoch der Ehrgeiz, das Gymnasium in einem besseren Zustand an den Landkreis zu übergeben als das schwer sanierungsbedürftige Gymnasium in Tutzing, das die Gemeinde im Jahr 2019 abgegeben hatte.

Ob die Stadt Starnberg ihre Verantwortung als Sachaufwandsträger wie erhofft zum 1. Januar 2023 an den Landkreis abgeben kann, erscheint dagegen fraglich. Im Kreistag hat man genug zu tun mit den Neubauten des Gymnasiums Herrsching, der Fachoberschule in Starnberg und der Sanierung der Tutzinger Schule, die mindestens 15 Millionen Euro verschlingen wird. Die Bauarbeiten am Starnberger Gymnasium dürften nach aktuellem Stand frühestens 2024 beginnen.

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