Sicherer Schulweg:"Schülerlotsen sind eine Seltenheit"

Sicherer Schulweg: Gilchings Schulleiterin Elisabeth Mayr und Jugendverkehrserzieher Julian Kolein (von links) mit den fünf neuen Schülerlotsen. In der Mitte ist der stellvertretende Inspektionsleiter Andreas Rau zu sehen, rechts außen Inspektionsleiter Andreas Ruch.

Gilchings Schulleiterin Elisabeth Mayr und Jugendverkehrserzieher Julian Kolein (von links) mit den fünf neuen Schülerlotsen. In der Mitte ist der stellvertretende Inspektionsleiter Andreas Rau zu sehen, rechts außen Inspektionsleiter Andreas Ruch.

(Foto: Polizei Gauting)

Jugendverkehrserzieher Julian Kolein über die Schwierigkeit, Straßenübergänge für Grundschüler zu besetzen.

Interview von Carolin Fries, Gauting

Fünf Schüler aus der siebten und neunten Jahrgangsstufe des Christoph-Probst-Gymnasiums in Gilching haben kürzlich erfolgreich ihre Ausbildung zu Schülerlotsen abgeschlossen. Warum es kaum noch solche gibt und wie umfangreich die Schulung zum Verkehrshelfer ist, erklärt Polizeihauptmeister Julian Kolein, 32, von der Gautinger Polizei. Er ist gemeinsam mit Polizeiobermeisterin Franziska Summer Jugendverkehrserzieher der Gautinger Inspektion.

SZ: Wer morgens unterwegs ist, sieht überwiegend Erwachsene an den Straßenübergängen stehen und Schülern helfen. Offenbar ist das aber auch ein Job für ältere Kinder und Jugendliche.

Julian Kolein: Was Sie sehen, sind Schulweghelfer. Das sind meist Eltern, Großeltern oder andere Erwachsene, die sich engagieren. Schülerlotsen sind Schüler, die als Verkehrshelfer auftreten und eine Ausbildung mit fünf Unterrichtseinheiten absolviert haben. Erwachsene Schulweghelfer erhalten in der Regel nur eine Einweisung, weil man davon ausgeht, dass sie die Regeln des Straßenverkehrs gut kennen und ausreichend Erfahrungen gesammelt haben.

Täuscht der Eindruck, dass es kaum noch Schülerlotsen gibt?

Nein. Schülerlotsen sind aufgrund der örtlichen Gegebenheiten eine Seltenheit geworden. Voraussetzung ist, dass die weiterführende Schule und die Grundschule direkt nebeneinander liegen, damit die Schülerlotsen nach ihrem Einsatz pünktlich zum Unterricht erscheinen können. In Gauting zum Beispiel würde es nicht funktionieren, der Campus mit den weiterführenden Schulen liegt zu weit entfernt von den Schulgebäuden der Grundschüler. Das Privileg, Schülerlotsen einsetzen zu können, haben nur die Gemeinden Gilching, Inning und Herrsching. Dort werden idealerweise die Straßenübergänge vor den Schulgebäuden mit Schülerlotsen besetzt, sodass diesen keine Fehlzeiten entstehen.

Gibt es in diesen drei Gemeinden denn genug Schüler, die sich engagieren?

In Gilching sind die fünf Jungs die ersten Schülerlotsen seit zwei Jahren. In Inning gibt es immer mal wieder ein paar, in Herrsching konnten wir im vergangenen Jahr fünf Schülerlotsen ausbilden. Es ist insgesamt sehr schleppend mit dem Nachwuchs. Die Gesellschaft verändert sich, die eigenen Interessen werden oft über das Gemeinwohl gestellt. Dabei ist es schon toll, dass wir nun in Gilching wieder den Übergang in der Uranusstraße direkt vor der Schule besetzen können.

Sicherer Schulweg: Julian Kolein ist seit zweieinhalb Jahren bei der Gautinger Polizei.

Julian Kolein ist seit zweieinhalb Jahren bei der Gautinger Polizei.

(Foto: privat)

Wie lange machen die Jugendlichen das denn in der Regel?

Das ist ganz unterschiedlich. In Herrsching haben die Ersten nach fünf, sechs Wochen hingeschmissen. Andere bleiben jahrelang dabei. Grundsätzlich ändert sich das Leben bei Jugendlichen schnell, weshalb der Nachwuchs so wichtig ist.

Wer darf denn überhaupt Schülerlotse werden und wie sieht die Ausbildung aus?

Die Schülerinnen und Schüler müssen mindestens 13 Jahre alt sein und werden von ihren Lehrkräften vorgeschlagen. Die Ausbildung umfasst fünf Unterrichtseinheiten, die während der Schulzeit stattfinden. In den ersten vier Einheiten wird das Arbeitsheft straff durchgearbeitet, in der fünften folgt die Abschlussprüfung - die ist sehr anspruchsvoll.

Was motiviert die Schüler, das zu machen?

Zum einen sind vier Euro Aufwandsentschädigung pro halbe Stunde ein nettes Taschengeld. Die Abrechnung erfolgt monatlich über die Gemeinde. Zum anderen wollen viele Jugendliche etwas zurückgeben. Ihnen wurde selbst geholfen, als sie jünger waren - nun wollen sie auch Verantwortung übernehmen. Das ist eine tolle Sache!

Stehen die Schülerlotsen eigentlich ganz allein am Straßenübergang und werden sie dort überhaupt von erwachsenen Verkehrsteilnehmern akzeptiert?

Zu Beginn der Amtszeit stehen die Schülerlotsen immer zu zweit am Übergang. Je nachdem, wie souverän sie sind, machen sie das später auch allein. In der Regel ist die Anerkennung bei Auto- und Radfahrern sowie bei Fußgängern groß. Man darf nicht vergessen, dass es sich nicht um kleine Polizisten handelt, sondern um Helfer, die den jüngeren Kindern helfen, selbständig zu werden.

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Friedi Kühne

SZ PlusSlackliner Friedi Kühne
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Friedi Kühne ist Profi-Slackliner und hat mehrere Weltrekorde aufgestellt. Wie es sich anfühlt, auf einem zweieinhalb Zentimeter breiten Band über den Abgrund zu balancieren.

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