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Giftige Tiere:Dieser Mann ist der Schlangenexperte der bayerischen Feuerwehr

Zu Beginn seiner Karriere hatte Stephan Zobel eine Phobie und Ekel vor Schlangen. Mittlerweile ist der Brandoberinspektor Spezialist für heikle Fälle.

(Foto: Stephan Zobel)

Stephan Zobel wurde per Hubschrauber eingeflogen, um sieben Gift- und Würgeschlangen einzufangen. Ein 18-Jähriger hatte sie in der Nähe von Starnberg illegal gehalten - und wurde lebensbedrohlich vergiftet.

Kaum zu glauben, dass dieser Mann früher sogar Angst vor Spinnen hatte. Stephan Zobel wusste aber als junger Feuerwehrmann, bei Einsätzen immer damit rechnen zu müssen, womöglich auch gefährliches Getier schnell einfangen zu müssen. "Ich hatte anfangs eine Phobie und Ekel davor, was ich aber überwinden wollte", erinnert sich der 43-Jährige. Mittlerweile ist Zobel seit 20 Jahren bei seinen Kameraden und vielen Feuerwehren in Bayern ein gefragter Experte, wenn es um einen brenzligen Tieralarm geht. Gemeint sind nicht Wespennester oder die ängstliche Katze im Baumwipfel.

In höchster Not wurde Zobel nun mit dem Hubschrauber nach Leutstetten bei Starnberg geflogen, um in einer Wohnung sieben Gift- und zwei Würgeschlangen aus Terrarien zu bergen und die Reptilien in Boxen zu verladen. Ein 18-Jähriger hatte die exotischen Schlangen illegal gehalten und wurde mit lebensbedrohlicher Vergiftung in eine Münchner Klinik geflogen. Nach 30 Minuten hatte der Brandoberinspektor der Münchner Berufsfeuerwehr die neun Tiere mit Haken, Klappvisier und ruhiger Hand sicher verstaut - darunter zwei hochnervöse afrikanische Speikobras. Selbst Zobel, der bayernweit als Spezialist von Feuerwehren angefordert wird, hat so viele Schlangen im einem privaten Zimmer noch nicht bei Einsätzen gesehen.

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Nach seiner spektakulären Hilfsaktion am Montag in dem Mietshaus steht bei Zobel das Telefon nicht mehr still. Die Presse, Rundfunk- und TV-Sender wollen mit dem coolen "Schlangenbeschwörer" reden. Den Rummel um seine Person nimmt der Feldkirchener recht gelassen hin. Auch seine Freundin sei nicht genervt. Sie respektiere seine besondere Aufgabe bei der Feuerwehr, sagt Zobel nüchtern.

Doch wie kam es überhaupt dazu? Den "Virus" habe er sich über eine Doktorarbeit eingefangen, die die Ehefrau seines Freundes über Reptilien verfasst habe. "Ich war davon fasziniert", erzählt Zobel. Er bildete sich damals fort, um bei Feuerwehreinsätzen auch gefährliche Tiere fangen zu können - wobei Retter eben selbst Hilfe benötigen. Der 43-Jährige macht sich auch jedes Jahr auf einer Schlangenfarm im Harz kundig, um nicht aus der Übung zu kommen. Er gibt Seminare und hat inzwischen sogar ein Ratgeberbuch verfasst. Darin erläutert der Experte das Verhalten von Giftschlangen, Echsen, Skorpionen und Vogelspinnen sowie Bissunfälle, Fanggeräte und -methoden.

Zobel sitzt aber bestimmt nicht oft an seinem Schreibtisch. Er ist in der Freizeit bei der Wasserwacht am Heimstettener See aktiv, fotografiert gerne und taucht die Steilwand an der Seeburg im Starnberger See hinunter. "Ich weiß, dass dieses Revier dort gefährlich ist", sagt Zobel. Seine Phobie wegen Spinnen und anderem Getier ist jedenfalls überwunden. Er würde aber gern seine exotischen Freunde - Kobras, Boas, Lanzenottern oder eine Königspython - in freier Wildbahn genau beobachten. Das aber nur unter professioneller Aufsicht - sicher ist sicher.

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