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Innovatives Projekt in Starnberg:Buntes Quartier statt graues Gewerbe

Brückenschlag über die B2 vom Gewerbegebiet zum Starnberger See: Die "Moosaik"-Planer setzen auf eine Vision mit anspruchsvoller Architektur und einer schöneren Lebenswelt. Animation: Kehrbaum Architekten

Robert und Rudolf Houdek wollen ihr Grundstück in ein attraktives Mischgebiet verwandeln. Gedacht ist sogar an eine Brücke über die B 2 zum See.

Selten zuvor hat ein Großprojekt in Starnberg so viel Begeisterung hervorgerufen wie der angekündigte Umbau des Gewerbegebiets im Norden der Kreisstadt. Das Vorhaben des Fleischwarenherstellers Houdek, in Zusammenarbeit mit den Nachbarn den gesamten Bereich zwischen Bundesstraße 2, Petersbrunner Straße und Moosstraße komplett neu zu planen, trifft quer durch alle Stadtratsfraktionen auf ungeteilte Zustimmung - auch wenn das Konzept bislang noch vage ist.

Gleichwohl lassen Robert und Rudolf Houdek, die Geschäftsführer des Starnberger Traditionsunternehmens in dritter Generation, keinerlei Zweifel daran, dass sie es ernst meinen mit ihrem Projekt namens "Moosaik". Für die Realisierung des ehrgeizigen Vorhabens, das im Idealfall 2028 abgeschlossen sein soll, haben sie mit der Scherbaum Unternehmensgruppe und der Bernd Schwarz Projektentwicklung renommierte Partner engagiert. Nach einer ersten nichtöffentlichen Präsentation im Stadtrat und einem Rundgang durchs weitgehend ungenutzte Houdek-Areal folgte am Donnerstag nun erstmals auch öffentlich eine Darstellung des Projekts. Der Bauausschuss verabschiedete einhellig einen Grundsatzbeschluss zur Entwicklung eines schlüssigen Gesamtkonzepts.

Rudolf und Robert Houdek (re.), Geschäftsführer des Unternehmens, wollen das Areal komplett neu aufbauen.

(Foto: Privat)

Die Zielvorgaben der Planer orientieren sich dabei vor allem an den Bedürfnissen der Starnberger, erklärte Robert Houdek. Vorgesehen sei ein hochmodernes, gewerbeorientiertes und vorbildlich gestaltetes Mischquartier, das Arbeiten und Wohnen ebenso ermöglichen will wie Handwerk und Hightech. Aus dem grauen und heruntergekommenen Baracken-Quartier aus den 60er Jahren soll ein attraktiver, eigenständiger Ortsteil werden, in dem auch die bestehenden Betriebe erhalten bleiben können. Das Motto lautet: Mit kurzen Wegen an den See und im Schulterschluss mit der Innenstadt.

Wie das aussehen könnte, verdeutlichte ein Videofilm aus der Vogelperspektive: Beim Rundflug übers Gewerbegebiet wurden vorhandene Gebäude in der Filmnachbearbeitung durch moderne Bauten ersetzt, bei denen vorzugsweise Holz als Baustoff zum Einsatz kommen soll. Ebenerdig bleiben die Flächen Fußgängern und Radfahrern vorbehalten, Autos werden ins Souterrain verbannt. Das neue Gewerbegebiet mit sternförmigem Wegenetz und begrünten Dächern könnte neben Handwerksbetrieben, Dienstleistern, Gastronomie, Einzelhandel und Büros auch Sozialem Wohnungsbau, Kitas, öffentlichen Einrichtungen oder einem Zentrum für Feuerwehr und Rotes Kreuz Raum bieten.

Die Fleischwarenfabrik Houdek war einer der ersten Großbetriebe, der sich zu Beginn der 1960er Jahre nördlich der Bundesstraße 2 am Rande des Starnberger Mooses ansiedelte.

(Foto: Christine Dempf)

Besonderer Clou der Planung aber dürfte eine Fußgängerbrücke über die B2 sein, die direkt zum Landratsamt und weiter zum Starnberger See führt. "Es muss Spaß machen, dort zu wohnen", sagte Architekt Klaus Kehrbaum. Gleichwohl wollen und können sich die Planer derzeit noch gar nicht auf Details festlegen, zumal man sich weiterhin für Anregungen offen halten will. Die Sympathien aber hat die Firma Houdek, die auf höchsten Qualitätsansprüchen besteht, schon jetzt auf ihrer Seite. Die Stadträte zeigten sich ausnahmslos begeistert von dem Projekt, für das allerdings noch großer Gesprächsbedarf auf sehr vielen Ebenen herrscht.

© SZ vom 25.01.2020
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