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Gauting:Münchner Investor übernimmt Sontowski-Bau

Gauting: Sontowski Baustelle

An der Bahnhofstraße in Gauting wächst ein fünfstöckiger Komplex mit Wohnungen und Läden in die Höhe. Rechts ist das alte Bahnhofsgebäude zu sehen.

(Foto: Nila Thiel)

Das Familienunternehmen Kingston kauft die Immobilie an der Bahnhofstraße und schwärmt vom attraktiven Renditeprofil. Die Vermietung der Wohnungen soll im Frühjahr beginnen.

Von Michael Berzl

Mehr als 50 Wohnungen, eine Edeka-Filiale und ein Drogeriemarkt sowie Arztpraxen finden in dem großen Gebäudekomplex Platz, der gerade an der Bahnhofstraße in Gauting entsteht. Die Erlanger Firma Sontowski hatte das ehemalige Grundschulgelände von der Gemeinde erworben und den Neubau dort trotz vieler Widerstände auf den Weg gebracht. Nun hat der Münchner Investor Kingstone die Immobilie gekauft. Der künftige Eigentümer und die bisherigen Projektentwickler sind in einem Firmengeflecht miteinander verbunden.

Das von der Familie Schomberg vor zwei Jahren gegründete Unternehmen "Kingstone Investment Management" investiert nach eigenen Angaben für institutionelle Investoren in Immobilien, Portfolios und Projektentwicklungen, "die aussichtsreiches Wertsteigerungspotenzial besitzen." Hauptziel sei es, "nationalen und internationalen professionellen Kapitalgebern einen unmittelbaren Zugang zum deutschen Markt zu bieten". Mitgesellschafter ist "Pegasus Capital Partners", mit denen wiederum die Erlanger Sontowski-Gruppe in Verbindung steht. In der Mitteilung über die Transaktion erklärt Geschäftsführender Gesellschafter Sven Sontowski, durch die Mischung von Wohnen und anderen Nutzungsarten entstünden "Produkte mit einem attraktiven Renditeprofil".

Bei dem Verkauf handelt es sich um einen Forward Deal, wie das in der Fachsprache von Fondsgesellschaften heißt: Der Handel wird besiegelt, lange ehe das Objekt fertig ist. Kingstone wird erst mit der Fertigstellung zum neuen Eigentümer. So lange bleibe Sontowski verantwortlich für den Bau, versicherte am Mittwoch Unternehmenssprecher Daniel Gabel. Auch die Vermietung der Wohnungen werde das Erlanger Unternehmen noch selbst übernehmen, arbeite dabei aber mit einem lokalen Team zusammen, das im Auftrag zum Beispiel Wohnungsbesichtigungen durchführt. Die Mieten werden sich nach seinen Angaben im Schnitt je nach Ausstattung bei den "ortsüblichen" 15 bis 16,50 Euro pro Quadratmeter bewegen.

Zusammen mit der Immobilie in Gauting hat Sontowski auch ein Objekt in Coburg in einer etwas kleineren Größenordnung an Kingston verkauft. Das Gesamtvolumen der beiden Transaktionen liegt der Mitteilung zufolge im hohen zweistelligen Millionenbereich; ein genauer Betrag für die einzelnen Transaktionen wird nicht genannt. Für neun Millionen Euro hatte die Gemeinde das frühere Schulgrundstück an den Erlanger Immobilienentwickler verkauft. Das ist nun fast genau vier Jahre her.

An der Bahnhofstraße entsteht nach der Mitteilung von Kingstone eine Gesamtmietfläche von etwa 6600 Quadratmetern. Der Bau solle im Lauf des kommenden Jahres fertiggestellt werden. Die großen Läden im Erdgeschoss mit Flächen von 1230 und 590 Quadratmetern seien langfristig an Edeka und dm vermietet. Für Arztpraxen sind etwa 300 Quadratmeter vorgesehen. Der Vertrieb für 52 Mietwohnungen starte im kommenden Frühjahr. Der Rohbau soll nach Angaben des Sprechers im Januar fertiggestellt werden. Die Arbeiten in der Ortsmitte haben einige Beeinträchtigungen zur Folge. So gilt derzeit auf der Bahnhofstraße eine Einbahnregelung gilt.

Der Neubau an der Bahnhofstraße ist umstritten in Gauting. Kritiker lehnten den Komplex als zu groß und zu städtisch ab. Ein Bürgerbegehren gegen dieses Vorhaben scheiterte jedoch; eine große Mehrheit der Gautinger stimmte im Frühjahr 2018 für den Bau mit Läden und Wohnungen, wie er nun verwirklicht wird. In der heißen Phase der öffentlichen Debatte vor gut drei Jahren hatte der SPD-Ortsverein ein Inserat geschaltet mit der Überschrift "Gauting - ein Traum für Investoren". Damals war das warnend gemeint.

© SZ vom 17.12.2020
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