Nachbarschaftsstreit in Feldafing:Und vor dem Haus steht drohend der Leichenwagen

Nachbarschaftsstreit in Feldafing: Der Kaufmann weist die Vorwürfe gegen ihn im Starnberger Amtsgericht zurück.

Der Kaufmann weist die Vorwürfe gegen ihn im Starnberger Amtsgericht zurück.

(Foto: Georgine Treybal)

Ein 50 Jahre alter Mann aus Feldafing soll das benachbarte Ehepaar terrorisiert haben. Ob sich die Lage zuletzt beruhigt hat, bleibt vor Gericht offen.

Von Christian Deussing, Feldafing

Ein bizarrer Nachbarschaftsstreit in Feldafing beschäftigt die Justiz. Dabei soll ein 50-Jähriger einen alten Leichenwagen mit den Geburtsdaten der Nachbarin vor deren Anwesen abgestellt und dort auch ein vermülltes, graffitibeschmiertes Auto mit Kamera geparkt haben. Aber damit nicht genug: Laut Anklage befestigte er an seinem Gartenzaun ein Minen-Hinweisschild und stellte Schilder von bewaffneten Soldaten mit Schnellfeuerwaffe oder mit Machete als Drohkulisse auf. Laut Anklage soll der Mann auf diese Weise die Nachbarsfamilie "terrorisiert, verängstigt und in ihrem Leben beeinträchtigt" haben. Der 50-jährige Feldafinger hatte deshalb eine Geldstrafe in Höhe von 150 Tagessätzen erhalten.

Allerdings legte der Mann gegen den Strafbefehl Einspruch ein. Im Prozess behauptete er nun, dass es nur um einen Streit gehe - er aber niemandem nachstelle, um zu töten. Nach dem Gewaltschutzgesetz dürfen sich die Familien nach gegenseitigen Anzeigen bis ins nächste Jahr einander nicht nähern. Schon im vergangenen Jahr sei aber nichts mehr passiert und Ruhe eingekehrt, erklärte der Verteidiger des Beschuldigten. Er versuchte, eine Einstellung des Verfahrens zu erreichen, drang aber damit in der Verhandlung nicht durch.

Denn die Amtsrichterin und die Staatsanwältin bezweifelten diese Aussage, zumal der Leichenwagen und das Schrottauto noch immer vor dem betroffenen Anwesen stünden. Hier sei ein Nachbarschaftsstreit mit einer "Eigendynamik" auf beiden Seiten eskaliert, hielt die Richterin fest. Dabei warf sie dem Angeklagten vor, "perfide, gezielt und geplant vorgegangen" zu sein.

Diesen Eindruck von dem Feldafinger vermittelte auch ein Polizeibeamter, der zu dem Fall aussagte. Die betroffenen Eheleute fühlten sich unter Druck gesetzt und von dem Mann bedroht, der seinen Garten zum militärischen Sperrgebiet mit einem "Danger Mines"-Schild erklärt und eine Flagge der Fremdenlegion gehisst habe, so der Polizist. Er berichtete auch von einem Totenkopf und einem Skelett, das im Garten aufgehängt worden sei. Das sei von der Terrasse der Nachbarn aus gut sichtbar gewesen.

Ruhe soll bisher nicht eingekehrt sein

Zu den möglichen Motiven des Angeklagten konnte der Ermittler nichts sagen. Er habe nur davon erfahren, dass es vor Jahren mal einen Streit auf dem Anwesen über die gemeinschaftliche Nutzung eines Gartens oberhalb der Garage gegeben haben soll. "Ob das der Auslöser war, weiß ich aber nicht", sagte der Beamte.

Kurz befragt wurde im Gericht auch die Frau, die wegen der Nachstellungen Strafanzeigen erstattet hatte. Sie sei immer noch ständig besorgt, Ruhe sei nicht eingekehrt, erzählte die Feldafingerin. Ebendies hatte jedoch der Anwalt des Angeklagten behauptet. Der Prozess wurde ausgesetzt, weil der Verteidiger eine weitere Akteneinsicht beantragt hat.

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