bedeckt München -2°

Corona-Pandemie:Bis zu 270 Abstriche täglich bei Gilchinger Drive-In-Station

Die Notärztin Barbara Spohn-Königer nimmt in Gilching die Abstriche. Wer zum Testen kommt, bleibt in der Regel im Auto sitzen.

(Foto: Arlet Ulfers)

Die anfänglichen Probleme des Testzentrums im Landkreis sind behoben.

Von Christian Deussing und Carolin Fries

Kurz vor Weihnachten, am 21. und 22. Dezember, war der Andrang auf die Corona-Teststation in Gilching bisher am größten: An den beiden Tagen ließen sich jeweils 267 Bürger aus dem Landkreis Starnberg einen Rachenabstrich machen. Seit dem 18. Dezember sei die Drive-in-Station auf bis zu 270 Personen ausgelegt, sagt Christian Kröck, Sprecher des Starnberger Landratsamtes. Derzeit würden sich täglich zwischen 120 und 200 Personen online via www.coronatest-sta.de für einen Termin in Gilching anmelden, der jeweils für den Folgetag vergeben werde. Einen erhöhten Andrang nach den Weihnachtsferien durch Reiserückkehrer sei zur Zeit aber nicht zu verzeichnen, berichtet Kröck.

Das bestätigt Ulrike Krivec, Sprecherin der Aicher Ambulanz Union, die seit vier Monaten die zentrale Station mit Ärzten und medizinischen Fachkräften betreibt. Zwei Teststraßen mit Zelten stünden an Werktagen zur Verfügung; es gebe aktuell 270 Termin-Slots pro Tag, erläutert Krivec. Derzeit erfolgt der Abstrich vor einem Container auf dem Gelände an der Rudolf-Diesel-Straße.

Mittlerweile sind offenbar auch die anfänglichen Probleme behoben. Nach dem Start des Testzentrums im September ärgerten sich noch viele Bürger, dass sie nicht wie angekündigt innerhalb von 48 Stunden ihre Befunde erhalten hatten. Dazu gehörte auch eine Gilchingerin, die nach eigenen Angaben erst 192 Stunden später ihr Testergebnis bekam - auf ihrer Warn-App und gleichzeitig dann per Post. Das Ergebnis sei negativ, die enorme Verspätung aber nervenaufreibend gewesen.

Durch die vielen Tests war das Labor MVZ in Augsburg damals überlastet, das der Landkreis Starnberg mit den Auswertungen der Proben beauftragt hatte. Die Verspätungen bedauerte seinerzeit Landrat Stefan Frey (CSU) und versprach, "alle Hebel in Bewegung zu setzen", damit die Laborergebnisse mittels eines QR-Codes übermittelt werden.

Das habe sich inzwischen gut eingespielt, auch wenn es immer mal zu Verzögererungen kommen könne, sagt Landratsamtssprecher Kröck. Er versichert aber, dass das Augsburger Labor positive Corona-Tests sofort dem Gesundheitsamt melden und dessen Ermittlerteams sehr zeitnah die betroffenen Personen informieren würden.

Der Starnberger Hals-Nasen-Ohren-Arzt Bernhard Junge-Hülsing rechnet in den kommenden Tagen mit einem "Schub von neuen Infektionen". Der Grund seien die vielen Reiserückkehrer, erklärt der Mediziner, der die niedergelassenen Haus- und Fachärzte in der Pandemie koordiniert. "Es geht gerade wieder richtig los", sagte er. Als Beispiele nennt er eine Krankenpflegerin, die ihre Mutter in Dresden besucht habe, oder die Geschwister, die bei ihren Eltern in Stuttgart waren, - alle positiv. Hinzu kämen Urlaubsrückkehrer aus Kitzbühel und anderen Urlaubsorten, die sich nach fünftägiger Quarantäne "freitesten" lassen wollten.

Junge-Hülsing streicht in seiner Praxis nach eigenen Angaben jeden Tag durchschnittlich 25 Personen für einen PCR-Test ab, hinzu kommen fünf bis zehn Schnelltests. "Ein bis vier sind jeden Tag positiv." Zusätzlich testen er und seine Kollegen im Auftrag des Gesundheitsamtes die Bewohner in den Asylunterkünften. Er nennt die Entwicklung des Infektionsgeschehens "gar nicht witzig" und mahnt zu einer strikten Kontaktbeschränkung.

© SZ vom 09.01.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema