Pläne für den Rathausplatz:Bernried wie es singt und lacht

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Pläne für den Rathausplatz: Beim Humorfestival vergangenes Jahr hat sich das Publikum in Bernried so begeisterungsfähig gezeigt, dass nun auch das Humormuseum im Ort Platz finden soll.

Beim Humorfestival vergangenes Jahr hat sich das Publikum in Bernried so begeisterungsfähig gezeigt, dass nun auch das Humormuseum im Ort Platz finden soll.

(Foto: Arlet Ulfers)

Das kleine Dorf am Starnberger See hat das große München als Standort für das geplante Humormuseum ausgestochen. Wie ist der 2200-Einwohner-Gemeinde dieser Coup gelungen?

Von Sylvia Böhm-Haimerl

In München sind sie immer nur vertröstet worden, deshalb will das unter anderem von Gerhard Polt initiierte Forum Humor seine Pläne für ein Humormuseum jetzt im kleinen Bernried am Starnberger See verwirklichen. Seine Sommerveranstaltungsreihe, die der Verein im vergangenen Jahr nur versuchsweise nach Bernried verlagert hatte, war dort ein so großer Erfolg, dass das Forum Humor die geplanten Ausstellungsräume mit Shop, Kreativraum, Büros, Lager und Café nun nicht mehr länger im Münchner Schlachthofviertel sieht, sondern damit lieber ans Westufer des Starnberger Sees zieht.

Für eine kleine 2200-Seelen-Gemeinde hat Bernried mit dem deutschlandweit bekannten Buchheim-Museum und dem historischen Sommerkeller mit seinen Veranstaltungs- und Tagungsräumen bereits jetzt ein qualitativ hochwertiges Kulturzentrum. Nach dem Kauf des Klosters steht zudem ein weiterer Veranstaltungsort zur Verfügung. Nun machte Bürgermeister Georg Malterer das Angebot, den vor 20 Jahren im Zuge des Rathausneubaus geplanten, aber nie gebauten Bürgersaal für das Humormuseum zu nutzen. Da die Umsetzung der Pläne in München mehr als ungewiss war, bot es sich für den Verein an, seine Ziele relativ schnell in Bernried zu verwirklichen.

Pläne für den Rathausplatz: Auch Gerhard Polt, einer der Initiatoren des Forums Humor, ist vergangenes Jahr in Bernried aufgetreten.

Auch Gerhard Polt, einer der Initiatoren des Forums Humor, ist vergangenes Jahr in Bernried aufgetreten.

(Foto: Arlet Ulfers)
Pläne für den Rathausplatz: Bernried hat ein sehr modernes Rathaus. An das Ensemble angegliedert soll nun auch das Humormuseum entstehen.

Bernried hat ein sehr modernes Rathaus. An das Ensemble angegliedert soll nun auch das Humormuseum entstehen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)
Pläne für den Rathausplatz: Auch der historische Sommerkeller soll als Veranstaltungsstätte an das Museum angegliedert werden.

Auch der historische Sommerkeller soll als Veranstaltungsstätte an das Museum angegliedert werden.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Der Platz dafür ist im Bereich des Hopfengartens am Rathausvorplatz vorhanden. Der Augsburger Architekt Titus Bernhard, der vor 20 Jahren den Wettbewerb gewonnen hatte, konnte seine damaligen Planungen relativ leicht für das Forum Humor ändern. Die Gemeinde hatte damals die Pläne ad acta gelegt, weil sie stattdessen den historischen Bierkeller unter dem Rathaus zum Bürgersaal umgebaut hatte. Doch der Rathausvorplatz ist bereits als Freiluftbühne angelegt, von der man über das Dorf und den See blicken kann.

Durch das neue Gebäude bekäme der Platz eine Einfassung, wie dies im damaligen Siegerentwurf vorgesehen war. Nach Bernhards ersten groben Änderungsvorschlägen würde die äußere Form des Gebäudes mit Glasfront beibehalten. Lediglich die Innenräume wurden nach den Vorstellungen des Forums Humor umgestaltet. Demnach könnten im Obergeschoss auf 650 Quadratmetern Ausstellungsräume entstehen und eine Verbindung zu den Veranstaltungsräumen im Sommerkeller hergestellt werden. Denn laut dem Konzept funktionieren Ausstellungshäuser ohne Veranstaltungsräume nicht.

Der Rathausplatz selbst könnte als Ausstellungsfläche für Skulpturen und komische Kunst dienen

Das Café öffnet sich hin zum Außenbereich zwischen dem Neubau, dem Rathaus und dem Gemeindezentrum mit Ausstellungsraum, Bücherei, Tourismusbüro und Post. Der Platz selbst könnte als Ausstellungsfläche für Skulpturen und komische Kunst dienen. In dem geplanten Shop sollen humoristische Literatur, Kunst und Spielereien verkauft werden. Für die Gemeinde war laut Bernrieds Rathauschef Malterer die einzige Bedingung, dass der Haushalt der Kommune nicht mit den Kosten für den Neubau belastet werden darf. Denn mit der Sanierung des Sommerkellers und dem Erwerb des Klosters, in das eine neue Grundschule einziehen soll, ist das kleine Dorf finanziell bereits ausgelastet.

Pläne für den Rathausplatz: Auch im Buchheim-Museum geht es derzeit um Humor: Dort sind bis Ende September noch Bilder von Rudi Hurzlmeier (Mitte) zu sehen. Links Reinhard Wittmann, Vorsitzender des Forums Humor, rechts Museumsleiter Daniel Schreiber.

Auch im Buchheim-Museum geht es derzeit um Humor: Dort sind bis Ende September noch Bilder von Rudi Hurzlmeier (Mitte) zu sehen. Links Reinhard Wittmann, Vorsitzender des Forums Humor, rechts Museumsleiter Daniel Schreiber.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)
Pläne für den Rathausplatz: "Nicht an die große Glocke gehängt": Bernrieds Rathauschef Georg Malterer.

"Nicht an die große Glocke gehängt": Bernrieds Rathauschef Georg Malterer.

(Foto: Arlet Ulfers)

Basierend auf dem Entwurf des Architekten Bernhard, dessen Umsetzung nach ersten Schätzungen etwa neun Millionen Euro kosten soll, stellte die Gemeinde im Dezember 2021 einen Förderantrag im Rahmen des Bundesprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus". Wie Malterer einräumt, gab es zwar dieses schlüssige Gesamtkonzept, aber keine festen Pläne und auch keine entsprechenden Gemeinderatsbeschlüsse. Man habe die Pläne auch "nicht an die große Glocke gehängt", weil man sich keine großen Hoffnungen gemacht habe. Deutschlandweit habe es für alle Förderprogramme viele Bewerbungen, aber auch drastische Einsparungen gegeben. Da habe man sich als kleine Gemeinde wenig Chancen ausgerechnet, so Malterer. Man habe es einfach "unverbindlich" probiert, ganz nach dem Motto: Schau ma moi, dann seng mas scho.

"Es war in erster Linie ein Verwaltungsakt", sagt Malterer. "Wenn wir kein Geld bekommen hätten, hätten wir die Planung nicht weiterverfolgt." Gemeinsam mit dem Forum-Humor-Vorsitzenden Reinhard Wittmann hatte man aber parteiübergreifend fast alle Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises für das Projekt gewinnen können - und hatte damit Erfolg. In der vergangenen Woche kam die Förderzusage in Höhe von 5,7 Millionen Euro. Die Freude in der Gemeinde sei "riesengroß" gewesen, so Malterer, zumal nicht nur die Förderung durch den Bund gesichert sei, sondern auch die Zusage für eine weitere Million Euro vom Bayerischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst vorliegt. "Jetzt können wir in die Planungen einsteigen, es kostet uns ja nichts", erklärt Malterer.

"Wir sind nach Bernried gegangen, weil in München nichts weitergeht", sagt Wittmann

Nun sollen die erforderlichen Formalien möglichst schnell abgewickelt werden. Malterer will noch vor der Sommerpause einen entsprechenden Grundsatzbeschluss im Gemeinderat herbeiführen, ob das Vorhaben umgesetzt werden soll. Die Kommune würde ihr etwa 1000 Quadratmeter großes, komplett erschlossenes Grundstück auf dem Rathausvorplatz, das laut Malterer mit 2,5 Millionen Euro bewertet wurde, als Eigenmittel zur Verfügung stellen und die Planungen vorantreiben.

Forum-Humor-Chef Wittmann ist ebenfalls begeistert. "Wir sind nach Bernried gegangen, weil in München nichts weitergeht", sagt er. Deshalb sei bereits im vergangenen Jahr der Beschluss gefasst worden, zweigleisig zu fahren. Allerdings habe man keine falschen Versprechungen machen wollen, daher steht das offizielle Okay nach seinen Angaben noch aus. Die Vorstandssitzung ist für die kommende Woche vorgesehen. Die Mitgliederversammlung ist Wittmann zufolge im August in Bernried geplant. So könnten sich die Mitglieder vor Ort ein Bild von den Plänen machen. Ob gleichzeitig der Sitz des Vereins nach Bernried verlagert wird, darüber muss ebenfalls noch entschieden werden. Derzeit betreibt der Verein ein kleines Büro am Schlachthofgelände in München. Doch zunächst einmal konzentriert sich das Forum Humor darauf, Spendenmittel für die Finanzierung aufzutreiben. Wie Wittmann betonte, hat er bereits Zusagen in Höhe von 700 000 Euro.

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