Buchheim Museum:Fragen des nächtlichen Zeichners

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Buchheim Museum: Hans Brög bei der Eröffnung seiner Ausstellung.

Hans Brög bei der Eröffnung seiner Ausstellung.

(Foto: Jana Islinger)

Der langjährige Wegbegleiter Lothar-Günther Buchheims, Hans Brög, stellt im von seinem Freund geschaffenen Museum aus. Zu sehen sind Holzfurnierdrucke und Aktzeichnungen.

Von Katja Sebald, Bernried

"Ich habe ihn nie holprig mir gegenüber erlebt", sagt der Sammler und Künstler Hans Brög über den Sammler und Künstler Lothar-Günther Buchheim. Als sich die beiden Kunstliebhaber 1964 auf einer Auktion bei Neumeister in München zum ersten Mal begegneten, boten sie gegeneinander.

Entstanden ist daraus eine lebenslange Freundschaft - ganz offensichtlich ohne die bei Buchheim sonst üblichen Zerwürfnisse. Auch die Gründung und Entwicklung von Buchheims Museum begleitete Brög über viele Jahre. Jetzt wird er dort erstmals in einer kleinen Ausstellung mit Druckgrafiken und Zeichnungen gewürdigt.

"Reißt die Bretter von den Stirnen" heißt Brögs Zyklus von Holzfurnierdrucken, der nun im Grafikkabinett des Bernrieder Museums prominent präsentiert wird und der ganzen Ausstellung den Titel gab. Die Textzeile stammt aus dem Gedicht "Weihnachtslied, chemisch gereinigt", für das Erich Kästner 1927 das Lied "Morgen, Kinder, wird's was geben" satirisch umdichtete. Mit "Reißt die Bretter von den Stirnen, denn im Ofen fehlt's an Holz" könnte der Text freilich auch für die diesjährige Weihnachtszeit geschrieben worden sein. Hans Brög aber fertigte die Holzdrucke um 1998. Die unterschiedlichen Maserungen auf den Reststücken von Furnierholz dienen dem Künstler hier als Gestaltungselement.

Buchheim Museum: Brögs Werke im Museum seines Freundes Lothar-Günther Buchheim.

Brögs Werke im Museum seines Freundes Lothar-Günther Buchheim.

(Foto: Jana Islinger)

Er druckt die zu vereinfachten Kopfformen und Figuren geschnittenen Furnierstücke so ab, dass sich interessante Überlagerungen, aber auch gegenläufige Strukturen ergeben. Ausgesprochen reizvoll sind diese Blätter aber nicht zuletzt wegen ihrer verhaltenen Farbigkeit. Für die Experimentierfreude des Künstlers steht auch die Technik der sogenannten Thermogravure. Brög entwickelte diese Methode, für die man Kunststoffplatten mit dem Lötkolben bearbeitet und sie dann als Druckstöcke verwendet, Ende der 1950er-Jahre. Auf dem Papier entstehen ungewöhnlich weiche, fast textil anmutende Oberflächenstrukturen. Auch die Kombination von Bild und Text ist kennzeichnend für Brögs Werk.

Vor allem aber ist Brög ein feinsinniger Zeichner. Zwei Wände in dieser Ausstellung sind seinen Aktzeichnungen gewidmet, die, wie er selbst berichtet, als Etüden entstehen. Spätabends nehme er den Zeichenstift zur Hand und beginne im Skizzenbuch zu arbeiten, erzählt er. Mal linear, mal schraffierend, im Lauf einer Nacht könne sich sein Stil mehrmals verändern. Er schöpfe dabei aus einem Formenrepertoire der Erinnerungen.

Es sind keine eitlen Behauptungen, sondern suchende Fragen, die der nächtliche Zeichner formuliert. Fast scheint es, als manifestierten sich die Traum- und Schattengestalten ganz ohne sein bewusstes Zutun auf dem Papier, um dort die Brüste zu entblößen oder die Schenkel zu spreizen. Das Ergebnis sind sehr subtile und zuweilen durchaus frivole Aktdarstellungen. Von Pornografie und Sexismus sind sie aber weit entfernt.

Das Buchheim-Museum ehrt mit dem 1935 in Kronach geborenen Hans Brög einen langjährigen Wegbegleiter des Ehepaars Buchheim. Nach einem Studium der Philosophie, Kunstgeschichte und Geographie in Stuttgart und Tübingen, einem Studium der Bildhauerei in Paris und einer Promotion bei dem Philosophen Max Bense hatte Brög bis zu seiner Emeritierung 2001 den Lehrstuhl für Kunst und Didaktik der Kunst an der Universität Duisburg inne. Mitte der 1980-er Jahre unterstützte er Lothar-Günther Buchheim, als dieser seine Sammlung an das Lehmbruck-Museum in Duisburg angliedern wollte, und blieb ihm darüber hinaus verbunden. Seit 1999 ist er auch Mitglied des Stiftungsrats der Buchheim Stiftung.

In der Ausstellung werden auch einige der kunstvoll gestalteten Briefe und Gratulationen gezeigt, die Brög über die Jahre aus Viersen nach Feldafing schickte. "Liebe sehr verehrte Ditti Buchheim, lieber Herr Buchheim", schrieb er etwa, "ganz herzliche Wünsche zu den Festen. Arbeiten Sie weiter an der Gesundheit, damit alles gut bleibt!"

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