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Ausstellung zum Jahresende im Landkreis Starnberg:Sonne, See und Schwemmholz

Im Pfarrstadel Weßling zeigen diesmal lediglich 30 Künstler ihre Arbeiten. Die neue Generation steht aber schon am Start.

Ein Jahr voller Umbrüche sei 2018 gewesen, sagte Konstanze von Rebay bei der Vernissage im Weßlinger Pfarrstadel. Was die Ausstellung am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag betrifft, so ist zumindest sie eine seit fast sechs Jahrzehnten zuverlässig wiederkehrende Konstante geblieben. Heuer hätten freilich mit rund 30 Künstlern fast ein Viertel weniger als sonst ausgestellt, bedauerte die Initiatorin, die dieses Ehrenamt in zweiter Generation von ihrem Vater übernommen hat.

Weihnachtssausstellung in Weßling

Michael Hartmanns "Dame mit dem Perlenhalsband".

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Einige Künstler seien erkrankt, andere weggezogen, manche mussten altersbedingt aufhören. Die nächste Künstlergeneration steht aber quasi in den Startlöchern. Zum Beispiel der 14-jährige Ron Graser, der bei seinen Fotos einen Sinn für ungewöhnliche Blickwinkel bewies. So spiegelt sich der Weßlinger See in den Gläsern der Sonnenbrille, die selbst auf einem Baumast inmitten von Grün steckt. Gegenüber hat der 15-jährige Karl Schütz seine Zeichnungen aufgehängt: Studien von menschlichen Körpern, comicartig überzeichnet.

Weihnachtssausstellung in Weßling

Jutta Müllers "Am Fuße der Leiter".

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

"Spaß für die Wand" hat Stefan Negele seine quietschbunten 3-D-Bilder genannt. Der Künstler hat mit Acrylfarbe bemalte Holzelemente auf einen Holzträger montiert. So wirken die Bilder bewegt und dreidimensional. Bei einem kubistisch verdrehten Kopf scheint das Auge in der Luft zu hängen. "Frech, bunt, laut, lustig, denn der Alltag ist Grau genug", wirbt Negele für seine Kunst. In kräftigen Rottönen hat Michael Hartmann seine "Dame mit dem Perlenhalsband" gemalt. Mit ihrem grell geschminkten Mund und dem keck auf die Lockenmähne aufgesetzten Hut scheint sie direkt aus der Bilderwelt von Henri de Toulouse-Lautrec zu stammen.

Weihnachtssausstellung in Weßling

Das Gruppenbild zeigt (vorne, v.li.) Angie Reik, Kirsten Jaene, Konstanze von Rebay, Susanne Derkau, Patricia Ammann, Gertrud Brocker sowie (hinten) Lothar Bauer, Petra Risch, Angela Werner-Hildebrandt, Ruth Neureuther, Jutta Mütler, Alfons Sontheim, Stefan Negele und Renate Kaiser.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Idyllisch wirken die Impressionen von Landschaften und vom Weßlinger See - mal in Öl oder Acryl, fotografiert oder in zarten Aquarellfarben wie bei Alfons Sontheim, Monika Treppner oder Gottfried Weber, der Langläufer in die verschneite Landschaft malt, oder bei Luisa Bocka, deren Sonnenblumen und Stiefmütterchen den Sommer in den Pfarrstadel bringen.

"Das Jahr war komisch. Umwelt und Natur verändern sich", so Konstanze von Rebay. Zwei Künstlerinnen haben die Verschmutzung der Umwelt mit Plastikmüll thematisiert. Petra Risch hat auf ihrem Gemälde "No Plastic - Erde 1" einen Plastikfolientreifen aufgeklebt, hinter dem sich unzähliger Plastikmüll gesammelt hat. Bei Renate Kaiser steckt die ganze Weltkugel in einer Plastiktüte und scheint verloren im All zu schweben: "Unser wertvollstes Geschenk", lautet der Untertitel.

Weihnachtssausstellung in Weßling

Stefan Negeles Kunst-Sonne.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Einige Weßlinger haben Skulpturen beigesteuert. "Es ist vollbracht" heißt die hintersinnige Plastik von Renate Kaiser. Scheinbar harmlos blickt eine kräftig gebaute Schönheit den Betrachter an. Auf der Rückseite entdeckt man nicht nur ein pralles Hinterteil, sondern auch ein Messer, an dem rotes Blut klebt. Lothar Bauer hat die Natur für sich arbeiten lassen. Er kombiniert Schwemmholz mit Steinen zu Stelen. Mit Naturmaterialien hat Bernd Kirsch gearbeitet und Collagen mit eingefärbten Rinden und Borken angefertigt.

"Da schau her, ich wusste gar nicht, dass das aufgehängt wurde", wunderte sich Roland von Rebay. Seine Schwester Konstanze habe ihn überredet, die Familientradition aufleben zu lassen und mit seinen Werken mitzumachen. Geografische, abstrakte Formen verbinden sich in seinen Werken zu einem Ganzen. Damit wolle er, "die Einheit aufzeigen, von alldem, was ich um mich sehe". Besonders am Herzen liegt Rebay aber sein jüngstes Bild, in dem er die Bewegung des atlantischen Ozeans durch mit Atlantiksand vermengte Acrylfarben einzufangen versuchte.