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Ausstellung:Traumbäume und schräge Vögel

Die vier Künstlerinnen Anne Huber, Susanna Ladda, Birgit Schweimler und Ines Voelchert zeigen im Blauen Haus in Dießen ihre Bilder. Serge Devadder hat dazu eine Klanginstallation geschaffen

Von Katja Sebald, Dießen

Vier Künstlerinnen und ein Musiker wollen mit der Ausstellung "kunstVOLL" in Dießen "ein Zeichen der Zuversicht im Frühling" setzen. Am ersten Ausstellungswochenende war von Frühling nichts zu spüren, die Vernissage ist ausgefallen, eine Besichtigung ist nur nach Terminabsprache möglich. Aber immerhin: Im Blauen Haus ist nach einer langen Pause wieder Kunst zu sehen. Anne Huber, Susanna Ladda, Ines Voelchert und Birgit Schweimler zeigen dort eine Woche lang ihre fröhlichen starkfarbigen Bilder. Und der belgische Musiker Serge Devadder hat dazu eine elektronische "Klanglandschaft" gestaltet. Parallel zur realen Ausstellung ist außerdem eine virtuelle Version online zu sehen.

Die originellsten Beiträge in dieser optimistisch gestimmten Bilderschau stammen von Susanna Ladda, die sich selbst als "Fake-Schwedin" bezeichnet, denn sie wurde zwar in Göteborg geboren, hat aber einen österreichischen Vater und eine tschechische Mutter. Ladda arbeitet wie die anderen drei Künstlerinnen in der Ateliergemeinschaft "Aukio" im Kerschlacher Forst. Dort entstehen zum einen die großformatigen Leinwände der "Dream Trees", die so etwas wie ihr Markenzeichen geworden sind: Eine zunächst simple Baumform wird in vielen verschiedenen Arbeitsschritten und Techniken mit Tausenden von leuchtenden Farbpunktblüten oder geheimnisvollen Farbpunktaugen bedeckt oder verschwindet fast gänzlich in einem flirrenden Farbpunktregen.

Vier Künstlerinnen im Blausen Haus

Hier sind die Künstlerinnen Susanna Ladda (li.) und Anne Huber (re.) zusammen mit Ines Voelchert (2.v.li.) und Birgit Schweimler zu sehen. Im Hintergrund: der belgische Musiker und Komponist Serge Devadder.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Mit "Flower Showers" ist eine neue Serie von eher objekthaften Bildern überschrieben: Hier schneidet die Künstlerin zu Beginn eine Vielzahl von Kreisformen aus Papier aus. In weiteren Schritten werden diese - wieder in höchst eigenwilligen Mischtechniken aus Zeichnung und Malerei - gestaltet, dann eingeschnitten, übereinander geklebt oder genäht, zu üppig gefüllten Blütenköpfen aufgefaltet und schließlich hinter Glas zu farblich abgestimmten Bildanordnungen arrangiert.

Ein Markenzeichen hat auch Anne Huber, die für ihre oft quadratischen Bildgestaltungen auf eine solide Ausbildung zur Grafikerin zurückgreifen kann. "PiepArt" nennt sie ihre Bilder von Hühnern und anderen schrägen Vögeln, die zwar mit Schnäbeln ausgestattet sind und ein Federkleid tragen, aber doch eher menschliche Charaktere und Befindlichkeiten verkörpern.

In jüngerer Zeit haben sich auch Schmetterlinge und Käfer in ihren bunten Bildwelten eingenistet. Huber baut ihre Bilder auf schwarz grundierten Leinwänden sozusagen von hinten nach vorne auf: Was später im Bild schwarz ist, bleibt unbearbeitet, darüber werden Farbschlieren aufgebracht, es wird getropft, gespritzt, gespachtelt und wieder weggenommen, bis schließlich zeichnerische Elemente das Motiv endgültig festlegen. In diesem aufwendigen Verfahren entstehen zuweilen auch gänzlich "hühnerlose" Kompositionen, die allein durch ihre sorgfältig gestalteten Bildstrukturen bestechen.

Die Bilder von Ines Voelchert sind in jüngster Zeit nicht nur größer geworden, sondern auch luftiger und freier: Manche kommen ganz ohne Bezug zur Welt der Dinge aus, manche lassen an weite Landschaften oder an ein üppiges Blütenmeer denken. Noch mehr als früher gibt sich die Malerin ihrer Farblust hin. Und nach wie vor profitiert sie bei ihren dekorativen Bildfindungen von ihrem guten Gespür für harmonische Farbkombinationen. Auch die Bilder von Birgit Schweimler basieren auf Farbklängen, wenn man so will: Beim Malen lässt sie sich gerne von der Musik ihres Mannes Serge Devadder inspirieren. Sie bevorzugt kleine quadratische Holzplatten als Bildgrund und bringt die Farben am liebsten mit den Handflächen oder Fingern auf.

Schweimler stellt eigene Pigmente her, verarbeitet Sand, Erden und Moor, klebt zuweilen auch Schichten von Papier oder Papyrus ein und überzieht manche Bilder zuletzt mit metallisch glänzenden oder lackartigen Schichten. Für die Sound-Installation "Blue Shimmer" verlief der Weg der Inspiration in umgekehrter Richtung: Serge Devadder konzipierte sie passend zur Ausstellung.

Die Ausstellung "kunstVOLL" im Blauen Haus in Dießen kann bis zum 28. März täglich von 10 bis 19 Uhr besucht werden. Eine vorherige Terminabsprache unter der Telefonnummer 0151/42419561 ist erforderlich.

© SZ vom 25.03.2021
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