Stadtsparkasse München:Eine Filiale extra für Studierende

Stadtsparkasse München: Anzugträger sucht man in der neuen Filiale der Stadtsparkasse "Barer41" vergeblich, dafür arbeiten hier junge Leute in Kapuzenpullis.

Anzugträger sucht man in der neuen Filiale der Stadtsparkasse "Barer41" vergeblich, dafür arbeiten hier junge Leute in Kapuzenpullis.

(Foto: Catherina Hess)

Mit "Barer41" eröffnet die Stadtsparkasse eine Dependance, die sich vor allem an junge Leute richtet. Damit will sie versuchen, sie als Kunden zu halten und einen Treffpunkt in der Maxvorstadt zu schaffen.

Von Leon Lindenberger

"Barer41" klingt wie eine Bar, sieht aus wie ein hippes Café, ist aber eine neue Konzeptfiliale der Stadtsparkasse (SSKM) - in der Barerstraße 41, Ecke Schellingstraße. Sie richtet sich an junge Erwachsene, vor allem an Studierende der Unis in der Maxvorstadt. Deshalb steht hier eine Café-Theke statt eines Bankschalters, darüber hängt eine in sich verschlungene Lampe. Wände und Säulen sind dunkelgrün gekachelt, Leitungen und Rohre laufen frei unter der Decke. Und überall ist das Sparkassen-Rot. Deckenbalken, Sofas, Servietten und die Kacheln der Toiletten. Alles rot, alles nagelneu.

Seit vier Jahren betreue ein eigenes Team Studierende, sagt Vorstandschef Ralf Fleischer, inzwischen mehr als 13 000 - bislang vor allem per Video-Call. Häufig gehe es dabei um die erste Steuererklärung, frühzeitige Altersvorsorge oder die Voraussetzungen einer Start-up-Gründung. Gerade an sinnvoller Geldanlage seien junge Menschen sehr interessiert, so Fleischer. In der Schule bekomme man dazu nur selten und im Internet vermehrt riskante Tipps. Diese Beratung wolle man nun auch persönlich anbieten.

Der Kaffee an der Theke ist kostenlos. Über die Website der Sparkasse können Studierende stundenweise Räume buchen, um Gruppenarbeiten für die Uni zu erledigen. Ein Sparkassen-Konto muss man dafür nicht haben. Beratungsgespräche werden an Stehtischen und auf Sofas stattfinden.

Klassische Banken haben es bei der jungen Zielgruppe nicht leicht. ETFs sind als Geldanlage angesagt, der Bausparvertrag ist out. Man habe keine Angst vor der neuen Konkurrenz, sagt Fleischer, denn man habe "die beste Banking-App" laut Stiftung Warentest. "Aber viele wissen nicht um unsere Angebote", räumt er ein. Bei "Barer41" gehe es natürlich auch darum, neue Kunden zu gewinnen, sagt Sabine Schölzel, Vorständin der Stadtsparkasse.

Kritik am Umbau der Filiale kommt etwa aus der Nachbarschaft, vor allem von älteren Stammkunden, räumt auch die Bank ein. In dieser Altersgruppe gibt es viele, für die der Schritt zum Onlinebanking eine Hürde darstellt. In den vergangenen Jahren begründete die Sparkasse die Schließung von Filialen immer wieder damit, dass der Bedarf durch das Onlinebanking sinke. Nun richtet sich die "Barer41"-Filiale ausgerechnet an junge Kunden, die sich online leichter tun. Fleischer betont die Ausnahmen von dieser Regel: Viele junge Kunden wünschten sich Beratung in Person, viele alte haben kein Problem mit Onlinebanking. Und dass es immer dort, wo ein Angebot eingestellt wird, zu Unzufriedenheit komme, sei nicht ungewöhnlich. Weitere Filialen dieser Art sind nicht geplant, außerdem richte sich das Angebot an alle Kunden.

Sabine Derheld leitet das Team der Studierendenberatung, bisher vor allem digital, nun auch vor Ort. Die meisten der elf Berater sind jünger als dreißig, alle tragen heute Kapuzenpullover - rote, natürlich. Sie durften das Konzept mitgestalten, auf den Sparkassen-üblichen Anzug haben sie bewusst verzichtet. Auf den Stehtischen stehen Pyramiden aus YFood-Flaschen. Vielleicht lassen sich damit auch Start-up-Gründer ins "Barer41" locken.

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