Stadtgestaltung "Es fehlt ein Gefühl für den Ort"

Zu eigenständig für den Standort sei der Entwurf von Maisch Wolf Architekten, bemängelt die Stadtgestaltungskommission.

(Foto: Maisch Wolf Architekten)

An der Stelle des Johanneskolleg in Schwabing plant die Erzdiözese eine Wohnanlage für kirchliche Bedienstete. Die Stadtgestaltungskommission kritisiert, dass sich der architektonische Entwurf nicht ins Ensemble einfüge

Von Sebastian Krass, Schwabing

Noch steht das ehemalige Johanneskolleg, bis vor gut drei Jahren das Heim internationaler Stundenten und ein Beispiel für Integration und religiöse Toleranz. Doch künftig sollen an der Ecke Hiltensperger-/Karl-Theodor-Straße 52 Wohnungen für Bedienstete der katholischen Kirche entstehen, etwa für Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen und Familien. Das Grundstück ist städtebaulich nicht ganz einfach zu bebauen: gegenüber die Kirche St. Sebastian, drumherum streng und regelmäßig gebaute Wohnanlagen im Stil der "neuen Sachlichkeit" aus den 1920er Jahren, geplant vom Architekten Otho Orlando Kurz. In diesem Umfeld hat das Büro Maisch Wolf Architekten für den Bauherren, die Erzdiözese München Freising, ein siebengeschossiges Haus entworfen, mit dem Stadtheimatpfleger Bernhard Landbrecht ziemliche Probleme hat. Deshalb hatte er gebeten, das Projekt in der Stadtgestaltungskommission zu behandeln.

In diesem Gremium, das den Stadtrat bei städtebaulich oder architektonisch bedeutenden Projekten berät, stellte Stefan Maisch nun das Gebäude vor: Man habe "in Abstimmung mit den Nachbarn einen Solitär-Baukörper entwickelt". Statt Balkonen habe man Loggien geplant, weil es auch im Umfeld keine Balkone gebe. Kennzeichen des Entwurfs sind zudem die rund herausgeschnittenen Hausecken zur Hiltenspergerstraße. Maisch erklärte, man habe "eine ansprechende moderne Fassade im Gleichklang mit der Umgebung" schaffen wollen, es handele sich um "eine manierliche Arbeit, ohne groß aufreißen zu wollen".

Das Urteil des Heimatpflegers Landbrecht über den Entwurf war indes vernichtend: "Man kann damit nicht arbeiten." Insbesondere störte er sich an der Höhe, die das Denkmal St. Sebastian erheblich beeinträchtige. Was die sieben Geschosse angeht, gab es auch andere Stimmen. Architekt Peter Scheller fand "die Höhe sekundär". Maisch erwiderte zu der Frage, es gebe nun einmal "ein gewisses Baurecht". In diesem Punkte bekam er Unterstützung von Stadtrat Johann Altmann (Bayernpartei): "Wir brauchen Wohnungen, und hier werden Familienwohnungen gebaut." Auch der solitäre Charakter des Baukörpers stieß auf Kritik, ebenso die Fassade, die von der Kommission nicht als zurückhaltend empfunden wurde. Der Entwurf zeige keinen Solitär, der sich ins Ensemble einfüge, monierte Architekt Jürg Sulzer. "Diese Expressivität ist nirgendwo im Quartier zu finden. Es muss aber ein Baukörper sein, der dort hineingeht."

Peter Scheller regte an, sich stärker an der Einfachheit von Otho Orlando Kurz zu orientieren, "hier ist mir zu viel Ornament über alle Geschosse". Stadtplaner Peter Wich hält die "angebissenen Ecken zur Straßenkreuzung für keine adäquate Lösung, es fehlt ein Gefühl für den Ort". Architekt Maisch erwiderte, mit der zurückweichenden Hausecke könne man auch eine bestehende Baumgruppe an der Straßenecke bewahren.

Letztlich empfahl die Stadtgestaltungskommission eine Überarbeitung hin zu einem Entwurf, "der sich stärker in die städtebauliche Situation einbindet, mit Rücksicht auf die unterschiedlichen Seiten zur Hiltenspergerstraße und zur Karl-Theodor-Straße". Und sie verlangte eine Wiedervorlage in einer der nächsten Sitzungen. Nach der Kritik würdigte Grünen-Stadtrat Herbert Danner noch, dass die Architekten sich bemühten, die Baumgruppe zu erhalten. Das solle auch in der Überarbeitung so bleiben, gab die Kommission vor.

Das Vorhaben löst seit dem Bekanntwerden der Abriss- und Neubaupläne Diskussionen aus. Zunächst hatten sich die Studenten des Johanneskollegs mit Unterstützung des Bezirksausschusses Schwabing-West energisch dagegen gewehrt, ausquartiert zu werden. Sie mussten trotzdem ausziehen, vorübergehend lebten dort dann Flüchtlinge, später dann Wohnungslose. Als das Erzbistum erste Entwürfe für den Neubau im Viertel vorstellte, lobten die Stadtteilpolitiker zwar die Familienfreundlichkeit, wollten allerdings die Fassade ebenfalls überarbeitet wissen.