Literatur:Opa und der Obstersatz

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Literatur: Was Maoam und Otto gemeinsam haben, erklärt dieses Buch.

Was Maoam und Otto gemeinsam haben, erklärt dieses Buch.

(Foto: Schillo Verlag)

Mit Sprache spielen - das erhellende und erheiternde Büchlein "Auf ein Maoam mit Otto" von Bea Michl und Emil Bach ist gut für die Hosen- oder Handtasche geeignet.

Von Antje Weber

Für ein sehr kleines Buch braucht es einen sehr kurzen Text. "Auf ein Maoam mit Otto" passt in die Hosen- oder Handtasche, und wer in düsteren Zeiten ein bisschen aufgeheitert werden möchte und Spaß an Sprachspielereien hat, der sollte es dort platzieren. Aber auch Schüler, die sich beispielsweise kurz vor dem Abitur auf Textinterpretationen vorbereiten, können hier etwas lernen - tatsächlich auf lustige Art.

Denn dieses literarische Experiment ganz ohne Handlung aus dem kleinen Münchner Schillo Verlag, erfunden von der Münchner Sprach- und Literaturwissenschaftlerin Bea Michl und dem Passauer Sprachwissenschaftler Emil Bach, nähert sich Fachbegriffen wie Palindrom, Metapher und semantischer Re-Analyse. Es geht darin aber auch um Dadaismus und Horoskope, Thomas Mann oder Leertasten. Konkret: Anhand einer Mini-Geschichte um einen älteren Herrn namens Otto werden hier 123 höchst unterschiedliche Begriffe erklärt - einfach dadurch, dass eine schön läppische Urszene von einem Rentner vor einem Regal immer neu und sprechend abgewandelt wird. Und so steht hier auf jeder Seite eine neue Frage - und implizit ihre Antwort.

Frage Nummer eins: ",Was ist eigentlich ein Palindrom?', fragte mich Otto, der Rentner von nebenan, als ich gerade Maoam aus dem Lagerregal nahm." Ein Palindrom, so spielt diese Szene durch, ist ein Wort, das vorwärts wie rückwärts gelesen den gleichen Sinn ergibt. Frage Nummer zwei: ",Was ist eigentlich eine Alliteration?', orgelte Otto, der omnipräsente Opa von oben, als ich gerade Obstersatz ortete." Frage Nummer 30: ",Was ist eigentlich Intertextualität?', fragte mich Otto, weder Fräulein, weder schön von nebenan, als ich armer Tor gerade Maoam aus dem Regal nahm."

Und so geht es munter fort. Die Autoren geben ihrem Affen Zucker beziehungsweise dem Ich neben Rentner Otto Maoam um Maoam. Das ist der Treibstoff auch für Fragen nach aktuell aufgeploppten Begriffen, wie in Nummer 103: ",Was ist eigentlich Mansplaining?', fragte mich Otto, der ältere Herr von nebenan, bevor er mir erklärte, wie ich die Maoam noch besser aus dem Regal nehmen könnte."

Bevor dieser kleine Text über ein kleines Buch nun aber doch immer länger wird: Kurz und gut, dieses Experiment macht Spaß. Nummer 47: ",Was ist eigentlich Minimalismus?', fragte Otto." Ende.

Bea Michl, Emil Bach: Auf ein Maoam mit Otto. Ein literarisches Experiment in 123 Variationen. Schillo Verlag München, 136 Seiten, 6,90 Euro.

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