Talentiade 2019 Zur nationalen Spitze aufgestiegen

Frederike Fell belegte 2018 den fünften Platz bei Boulder-Jugendweltmeisterschaft und wurde deutsche Frauenmeisterin in der Olympischen Kombination.

(Foto: Privat)

Kletterin Frederike Fell, 17, sammelt auch bei den Frauen Titel.

Von Laura Dahmer, Marzling

Vor zwei Jahren, als damals 15-Jährige, wurde Frederike Fell Preisträgerin der SZ-Talentiade. Keine besonders überraschende Entscheidung, schon 2017 hatte die Sportkletterin des Deutschen Alpenvereins Freising (DAV) etliche Titel geholt, ihr Trainer Christoph Gabrysch bezeichnet sie damals als "eine der größten Hoffnungsträgerinnen ihrer Altersklasse". Was ist seitdem aus der jungen Sportlerin geworden?

"Das letzte Jahr ist erstaunlich gut gelaufen", erzählt Frederike Fell. "Ich bin wirklich sehr zufrieden." In Dresden gewann sie den deutschen Jugendcup im Lead und im Speed, zwei Teildisziplinen des Kletterns, außerdem war sie die beste deutsche Teilnehmerin im europäischen Jugendcup. Dort belegte sie Platz vier. Längst gehen die Erfolge der 17-Jährigen auch über den Jugendbereich hinaus: So holte Fell die deutsche Meisterschaft im Leadklettern der Frauen und gewann die erste deutsche Meisterschaft in der Olympischen Kombination aus Bouldern, Lead und Speed. Diese Kombination kommt mittlerweile mehr und mehr in Training und Wettbewerben vor, da sie 2020 in Tokio erstmals als olympischer Wettbewerb ausgetragen wird.

Lead ist das "klassische" Vorstiegsklettern, bei dem der Athlet eine bestimmte Route an einer Kletterwand möglichst sturzfrei meistern muss. Beim Speed dagegen geht es, wie der Name vermuten lässt, um Geschwindigkeit. Bouldern ist die mittlerweile sehr beliebte Form des ungesicherten Kletterns in Absprunghöhe. Von Kletterern ist die Kombination der drei Disziplinen eher ungeliebt und gilt als sehr anspruchsvoll, weil sie ein Höchstmaß an körperlicher Fitness und mentaler Reife erfordert.

Frederike Fell bereitet das olympische Konzept augenscheinlich keine großen Probleme, sie konnte die deutsche Meisterschaft in Augsburg für sich entscheiden. Dementsprechend stolz ist sie auf den Titel: "Für mich war das der größte Erfolg 2018. Neben dem fünften Platz im Bouldern bei der Jugendweltmeisterschaft." Anfang dieser Woche ist die Sportkletterin vom Jugend-Europacup aus Portugal zurückgekehrt. Vorher hatte sie ganz klar gesagt: "Ich freue mich, dabei zu sein, fahre aber ohne Erwartungen mit zum Wettbewerb." Die Schülerin steckt gerade nicht nur im Lernstress und mitten in den Prüfungen für ihr Fachabitur, sie leidet aktuell auch an Schulterproblemen. "Ich habe mich da vor Längerem mal verletzt, jetzt sind die Schmerzen wieder da", erzählt sie. In Portugal lief es deshalb auch nicht besonders gut, schon in der Qualifikation machte sich die Schulter bemerkbar, Fell stieg aus.

Das raubt ihr in der letzten Zeit ein bisschen die Lust auf Wettbewerbe. "Pausieren kommt trotzdem nicht infrage", sagt Fell. Klettern ist ihre Leidenschaft, auch wenn sie sich keine Ziele für dieses Jahr stecken will, zumindest nicht für Wettbewerbe. "Stattdessen möchte ich möglichst viel an den Fels gehen." Denn das Felsklettern in der Natur macht die 17-Jährige mindestens genauso gerne wie das Wettkampfklettern in der Halle, wie sie verrät. Im vergangenen Jahr bewältigte Fell die Route "Odd fellows" in der fränkischen Schweiz, eine Felstour des Schwierigkeitsgrades elf. Es gibt nicht viele Kletterinnen, die so anspruchsvolle Routen meistern.

Was ist es denn, was sie am Klettern so begeistert? "Das ist eine schwere Frage. Ich klettere halt schon immer, seit ich denken kann. Außerdem macht man es mit anderen Leuten, das macht mir Spaß." Mit sieben Jahren hat sie angefangen, steht normalerweise fünf Mal die Woche für zwei bis drei Stunden in der Kletterhalle. Fell reizt daran die Abwechslung: "Es ist nie genau das Gleiche und fordert immer wieder neu - da wird es einem einfach nicht langweilig." Frederike Fell freut sich darauf, wenn der Schulstress vorbei, die Schulter besser ist und sie wieder mit vollem Einsatz an die Kletterwand kann. Eines Tages dann vielleicht auch mal zu Olympia. "Das ist, glaube ich, für jeden Sportler ein Traum." Druck will die Schülerin sich deshalb aber nicht machen.

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