bedeckt München 12°

SpVgg Unterhaching:Lauter falsche Entscheidungen

Strafraumszene: v.li.: Maximilian Jansen (Duisburg, 21) Max Dombrowka (Unterhaching, 8) Patrick Hasenhüttl (Unterhaching; Fußball

Übereifer? Unvermögen? Hachings Angreifer Max Dombrowka und Patrick Hasenhüttl (2. und 4. von links) kommen sich in die Quere.

(Foto: Sven Leifer/Imago)

Unterhaching verliert sein Heimspiel gegen den coronageplagten MSV Duisburg unnötig mit 0:1. Vor dem S-Bahn-Derby gegen 1860 München verordnet Trainer Arie van Lent "extra Torschuss-Einheiten".

Von Christian Bernhard, Unterhaching

Im Moment des Schlusspfiffes standen die beiden Torhüter ziemlich nahe beieinander. Ungewohnt nahe. Nico Mantl von der SpVgg Unterhaching hatte die letzten Minuten der Partie in und um den Strafraum des MSV Duisburg verbracht, die letzte Hereingabe des Abends kam von ihm. Er bekam aus nächster Nähe mit, dass sein Berufskollege Leo Weinkauf einen Sahnetag erwischt hatte - und das in der Nachspielzeit untermauerte, als er auch Hachings letzten Versuch, einen vielversprechenden Abschluss von Patrick Hasenhüttl, abwehrte. Duisburgs Trainer Torsten Lieberknecht feierte den früheren Bayern-II-Torwart als "totale Stütze".

0:1 verloren die Hachinger am Mittwochabend ihre Heimpartie gegen den MSV, der erstmals seit 17 Tagen ein Spiel bestreiten konnte. Mehrere Corona-Fälle innerhalb der Mannschaft hatten ihn zum Zuschauen und Warten verdammt, nun freute sich Lieberknecht über einen "glücklichen" Sieg, der in die "Kategorie schmutzig" falle. Für die Hachinger war die zweite Niederlage binnen vier Tagen ein Déjà-vu-Erlebnis. "Normal musst du dieses Spiel gewinnen", betonte Hachings Trainer Arie van Lent. Er ärgerte sich nicht über die Art und Weise, "wie wir Fußball gespielt haben", der Niederländer hatte eine "gute spielerische Leistung" seines Teams gesehen.

Hachings Thema aber war wieder einmal: die Chancenverwertung. Es ziehe sich seit sechs Spieltagen wie ein roter Faden durch, "dass wir aus vielen Chancen keine Tore machen", bedauerte van Lent. Angreifer Moritz Heinrich, der in Minute 81 die größte Chance der zweiten Hälfte vergab, als er freistehend an Weinkauf scheiterte, führte das auf "Kleinigkeiten" zurück, "der letzte Pass, der Abschluss". Die also im Offensivspiel dann doch keine Kleinigkeiten sind. Der 23-Jährige hat ein weiteres Problem ausgemacht: Aktuell, sagte er bei Magentasport, "treffen wir im letzten Drittel immer die falsche Entscheidung."

Gegen einen Gegner, bei dem man gar nicht wisse, "was derzeit los ist", wie van Lent vor der Partie sagte, war der Hachinger Offensivschwung von Beginn an unverkennbar. Die SpVgg machte Druck über die Flügel - und sorgte auf beiden Seiten für viel Gefahr. Alleine in der Anfangs-Viertelstunde hatte sie zwei Topchancen: Erst lenkte Weinkauf einen Schuss aus spitzem Winkel von Lucas Hufnagel an den Pfosten und parierte auch den Nachschuss von Hasenhüttl (7.), dann zog Niclas Anspach, der als einzige Startelf-Veränderung Luca Marseiler ersetzt hatte, direkt ab - und fand ebenfalls in Weinkauf seinen Meister (14.).

Die Duisburger, die zumindest 17 Spieler auf den Spielberichtsbogen schreiben konnten, hatten 37 Minuten lang keine nennenswerte Offensivaktion - geschweige denn einen Abschluss auf den Kasten von SpVgg-Torhüter Mantl. "Eigentlich musst du da schon 3:0 führen", sagte van Lent. Stattdessen ging der MSV mit seiner ersten Torchance in Führung. Orhan Ademi setzte sich zentral vor Mantl im Zweikampf mit Christoph Greger durch und traf aus kurzer Distanz (37.). Mantl brüllte sitzend seinen ganzen Frust heraus, als der Ball im Hachinger Netz war - viel mehr kam an diesem Abend nicht mehr auf sein Tor. Greger war kurz zuvor an der Hachinger Bank am Kopf behandelt worden, da er bereits in der 14. Minute nach einem Eckball mit Duisburgs Tobias Fleckstein zusammengeprallt war. Kurz nach dem 0:1 wurde er auf Anraten der Ärzte ausgewechselt. "Ihm war ein bisschen schwarz vor Augen und schwindlig", gab van Lent zu Protokoll. In Hälfte zwei bestimmte Haching weiter die Partie, Großchancen waren bis zur Schlussphase aber Mangelware. Erst in den letzten Minuten brillierte Weinkauf wieder gegen Heinrich und Hasenhüttl.

Lieberknecht und van Lent, die 2009 gemeinsam den Fußballlehrer-Lehrgang absolviert haben, spazierten noch 20 Minuten nach Schlusspfiff plaudernd über den Rasen. Lieberknechts Komplimente hatte Unterhachings Trainer schon zuvor auf der Pressekonferenz entgegengenommen: Haching habe "unter Arie einen wahnsinnigen Sprung gemacht", betonte der erfahrene Trainer. Auf die SpVgg wartet nun das Derby am Montag gegen 1860 München. Van Lent geht davon aus, dass sein erstes "S-Bahn-Derby" interessant wird, auch in den Tagen vor dem Spiel. Was zu tun ist, wusste er bereits am Mittwoch: "Wir werden versuchen, noch ein paar extra Torschuss-Einheiten zu machen, damit wir das Derby vielleicht gewinnen können."

© SZ vom 23.10.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema