FC Bayern München Zurück ins Rampenlicht

Devin Booker.

(Foto: imago images/kolbert-press)

Ohne den verletzten Devin Booker verpassten die Münchner die Playoffs in der Euroleague. Jetzt soll der 28-Jährige wieder Physis und Emotionen stärken.

Von Felix Haselsteiner

Der Münchner Verkehr macht Devin Booker auch nach knapp drei Jahren noch zu schaffen. Als der Center der Bayern-Basketballer am Mittwoch zum Gespräch vor dem Training ankommt, entschuldigt er sich erst einmal für die Verspätung - der Weg zum Audi Dome sei im Berufsverkehr immer ein Stress. Der Münchner Dauerstau sei aber nur eine der neuen Herausforderungen für ihn gewesen, damals, als er 2013 nach Europa kam. Booker wuchs in Whitmire auf, einer Kleinstadt mitten im Nirgendwo von South Carolina. "Wir haben als Kinder unsere Tage damit verbracht, vor dem Haus Bälle zu werfen", sagt Booker, dessen Bruder Trevor bei den Brooklyn Nets in der NBA spielt. Devin hingegen wechselte 2013 nach Frankreich, wo er erst in der zweiten und dann in der ersten Liga zum "wertvollsten Spieler" (MVP) wurde. Seit 2016 wirft Booker nun Körbe für den FC Bayern, er fühlt sich wohl hier, sagt er, auch wenn das nicht allzu schwer sei: "Solange ich einen Basketball in der Hand habe, ist mir alles andere sowieso egal, dann habe ich einfach eine gute Zeit."

Booker lebt für den Spaß beim Basketball. Wie sein US-Kollege Derrick Williams genießt er die Rolle als Showman, wann immer möglich sorgen die beiden für Spektakel: "Mir ist wichtig, auf dem Court auch Zeichen zu setzen", erklärt Booker: "Wenn ich einen Dunk mache, bekomme ich die Zuschauer hinter das Team, und das brauchen wir, vor allem in den großen Spielen. Ein Dunk muss ein Statement sein, deswegen kommen die Leute doch auch in die Halle, um aufzuspringen, Spaß zu haben und uns so anzufeuern." Booker genießt die Rolle als Entertainer. Auch wenn der europäische Basketball deutlich teamorientierter sei als der amerikanische, "ist man natürlich gerne mal der Spieler im Spotlight", sagt er. Umso härter muss es für Booker gewesen sein, den Großteil der laufenden Saison nur zuschauen zu können. Anfang Dezember verletzte er sich am Sprunggelenk, erst Mitte März konnte er sein Comeback geben. "Es war sehr schwierig für mich", sagt der 28-Jährige. "Das war das erste Mal in meiner Karriere, dass ich länger als ein Spiel ausgefallen bin." Die Zwangspause nutzte er für eine Reise nach Hause, um gemeinsam mit der Familie in South Carolina Weihnachten zu feiern. "Meine Mutter konnte es kaum glauben, dass ihre Söhne mal zusammenkommen". Doch so schön Weihnachten mit Mama war, Booker hätte lieber seinem Team geholfen. Mitspieler Vladimir Lucic äußerste zuletzt die Vermutung, dass der FCB mit Booker in der Euroleague die Playoffs erreicht hätte.

Auch Booker gibt offen zu, dass er in manchen Momenten gespürt hat, wie er dem Team fehlte: "Vor allem was das Physische und Emotionale angeht, Rebounds auf der einen und Dunks auf der anderen Seite." Die schwache Rebound-Quote war in der Tat eines der Hauptprobleme der Münchner in der Euroleague. Der Blick zurück ist jedoch nicht die Sache des Amerikaners, er spricht lieber über die Titelverteidigung in der Bundesliga. Am Sonntag (15 Uhr) kommt Aufsteiger Crailsheim nach München, für Booker ein gefährlicher Gegner: "Wir sind die Gejagten in der Liga, die weit vorne sind, und das macht es für die Gegner so reizvoll, uns zu schlagen. Für die ist es das ultimative Statement-Spiel", sagt er. Ob Booker am Sonntag spielen kann, ist noch nicht sicher, er kämpft immer noch mit den Nachwehen seiner Verletzung und will fit werden für die Playoffs. Ein Entertainer würde den Bayern sicher gut tun. Noch mehr, wenn er sportlich die Pointen setzt.