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EHC München:Mal hier, mal dort, aber immer da

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Das verschmitzte Lächeln kennen sie in München: Nationalspieler Dominik Kahun, 25, läuft zurzeit leihweise für den EHC auf.

(Foto: Peter Schatz/Imago/ActionPictures)

In Edmonton, seiner vierten Station im dritten NHL-Jahr, spielt Dominik Kahun bald wieder mit Leon Draisaitl zusammen. Den EHC München, sein altes Team, führt er in Mannheim nach acht Monaten Pause auf Anhieb zum Sieg.

Von Christian Bernhard

Kurz bevor es losging, spezifizierte Dominik Kahun, was einem Profisportler nach einer langen Wettkampfpause am meisten zu schaffen macht. Timing, Spielrhythmus, all das fehle "nach so einer langen Zeit". Es werde ob der Umstände wohl ein paar Spiele dauern, bis er wieder im "Wettkampfmodus" sei.

Nach acht Monaten Wettkampfpause brauchte Kahun dann tatsächlich 127 Sekunden, um in Rhythmus und Modus zurückzufinden. Dann schoss er sein erstes Tor für den EHC Red Bull München nach zweieinhalb Jahren. 38 Sekunden später bereitete er den nächsten Münchner Treffer von Philip Gogulla mit vor. Der EHC gewann sein erstes Spiel beim Magentasport Cup im Vorlauf auf die im Dezember - möglicherweise - beginnende Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) bei den Adlern Mannheim 3:2, auch die Vorlage zum spielentscheidenden 3:1 von Frank Mauer (30.) ging auf das Konto von Dominik Kahun. "Im Großen und Ganzen" sei es ein ganz gutes Spiel gewesen, sagte der 25-Jährige. Darauf können die Münchner schon am Sonntag aufbauen: Um 14 Uhr empfangen sie die Schwenninger Wild Wings in der Olympia-Eishalle (Zuschauer sind nicht erlaubt).

Kahun sieht den Cup "mehr als Vorbereitung". Und zwar auf seine dritte Spielzeit in Nordamerika. Wann die neue Saison in der NHL beginnt, ist noch offen, Mitte Januar, Anfang Februar stehen im Raum. Fix ist aber schon, dass der Angreifer nach seinem Wechsel aus München in die beste Eishockeyliga der Welt im Jahr 2018 schon für das vierte Team spielen wird. Anfang November hat er bei den Edmonton Oilers einen Einjahresvertrag unterschrieben, beim Klub seines alten Freundes Leon Draisaitl, der zum wertvollsten Spieler (MVP) der abgelaufenen Saison gewählt wurde. "Wir freuen uns auf die gemeinsame Zeit", erzählt Kahun. Das gilt auch für die Oilers: Die Kanadier wiesen am Freitag via Twitter darauf hin, dass ihr neuer Angreifer, den sie für die Turnierserie nach München ausgeliehen haben, in Mannheim an allen Toren beteiligt war.

Die vielen Wechsel in so kurzer Zeit - von Chicago ging es nach einer starken Debütsaison überraschend nach Pittsburgh, dann im Trade nach Buffalo und nun eben nach Edmonton - sieht Kahun pragmatisch: "Das ist einfach das Business drüben." Es sei egal, ob man gut oder schlecht spiele, man könne immer getradet werden, diese Form des Tauschgeschäfts zwischen den Klubs sei "kaum zu kontrollieren". Seine genaue Rolle im Team haben ihm Edmontons Verantwortliche noch nicht erläutert. "Das entscheidet sich dann im Trainingscamp", erklärt Kahun. Warum er trotz anderer Optionen einen Vertrag für ein Jahr unterschrieben hat, weiß er freilich. Er wollte zu einem Klub, in dem er einen Platz in den Top-Angriffsreihen für sich sieht. Die Oilers müssen Kahun ein sehr gutes Gefühl gegeben haben: 975 000 Dollar wird er in der kommenden Saison verdienen, für NHL-Klubs ein Schnäppchenpreis. "Am Ende habe ich auch nicht mehr nur auf die finanzielle Seite geschaut", erzählt er.

Aus Kanada ist zu vernehmen, dass ihm Experten eine Rolle in einer der zwei Toplinien zutrauen, die von Draisaitl und Connor McDavid angeführt werden. Kahun müsste dafür auf den Flügel ausweichen, was für den gelernten Mittelstürmer aber kein Problem ist. In der NHL ist er meistens auf den Außenpositionen zum Einsatz gekommen, seine Vielseitigkeit kommt ihm dabei zugute. "Ich kann links, rechts, Mitte spielen, das ist natürlich für den Trainer gut", sagt Kahun. "Wo immer eine Lücke ist, kann ich einspringen - und bin eigentlich sofort da." In Mannheim agierte er zwischen Gogulla und Mauer als Mittelstürmer - und fühlte sich sehr wohl. "Ich bin als Center aufgewachsen und sehr gerne an der Scheibe, das ist mein Spiel." Das Spielverständnis mit seinen Mitspielern hat Kahun im Sommer aufgebaut, als er zwischen München und Regensburg, dem Wohnort seiner Eltern, gependelt ist und große Teile der Saisonvorbereitung mit dem EHC absolviert hat.

Dass er nicht nur zu seinen Jugendzeiten in Mannheim, sondern immer auch in der Nationalmannschaft mit Draisaitl harmonierte, dürfte auch in Edmonton bekannt sein. Es sei eigentlich immer ziemlich schnell gegangen, "dass wir uns auf dem Eis wieder gut verstehen", sagt Kahun lächelnd. Dass da zwei auf einer Frequenz funken, kristallisierte sich früh heraus. In der Saison 2010/2011 sammelten Draisaitl und Kahun in der Schüler-Bundesliga zusammen 460 (!) Scorerpunkte. Das Drei-Punkte-Spiel am Donnerstag in Mannheim zeigt, dass Kahun auf seinem Weg, "wieder ins Spiel reinzukommen", schon recht weit gekommen ist.

© SZ vom 14.11.2020

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