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Basketball-Euroleague:Zwei-Säulen-Modell

Hier geht es nicht weiter: Der Franzose Matthew Strazel (rechts) verwehrt Münchens Spielmacher Wade Baldwin das Fortkommen.

(Foto: Jeff Pachoud/AFP)

Bei der Niederlage in Lyon-Villeurbanne vertraut der FC Bayern einmal zu oft auf seine Comeback-Qualitäten. Spielmacher Wade Baldwin, neben Vladimir Lucic bester Punktesammler, unterläuft der entscheidende Fehler.

Von Joachim Mölter, Lyon/München

Über den Basketball-Profi Wade Baldwin hat Bayern Münchens Sportdirektor Daniele Baiesi in einem Podcast mal gesagt, das sei ein "Borderliner", ein Grenzgänger. Was Baiesi damit gemeint hat, war am Freitagabend zu sehen, im Euroleague-Spiel der Münchner bei Asvel Lyon-Villeurbanne. Da erzielte der 24-Jährige wie so oft die meisten Punkte (19) und gab die meisten Korbvorlagen (sechs), er hätte wie so oft der Matchwinner werden können - wenn die Münchner das Match nicht verloren hätten, vor allem wegen Baldwins Ballverlust in letzter Minute. Beim Balanceakt auf der Grenze zwischen Sieg und Niederlage hatte der Amerikaner sein Team auf die falsche Seite mitgerissen.

79:87 (35:44) hieß es am 25. Spieltag, nach dem die FC-Bayern-Basketballer mit 15:10 Siegen auf Rang fünf und damit einem Playoff-Platz bleiben, die durchweg siegreichen Verfolger aber näher gerückt sind. Die Istanbuler Klubs Fenerbahce (ebenfalls 15:10) und Anadolu Efes (14:10) sind neun Spieltage vor Ende der Hauptrunde auf Tuchfühlung, St. Petersburg (14:9), Kaunas (13:11) und Valencia (13:12) zumindest in Schlagweite.

Mit einer seltenen Vier-Punkte-Aktion gleicht Lucic noch einmal aus

Gegen Lyon-Villeurbanne wurde erneut deutlich, dass das Spiel der Münchner auf wenigen Säulen ruht, in erster Linie auf Baldwin und dem serbischen Flügelspieler Vladimir Lucic. Die standen nicht bloß am längsten auf dem Parkett mit jeweils rund 33 Minuten, sie waren auch in den wichtigsten Statistik-Kategorien vorne: Lucic folgte mit seinen 18 Zählern beim Punkten direkt hinter Baldwin, zudem war er bester Rebounder (fünf). Nennenswerte Unterstützung erhielten sie an diesem Abend nur von Jalen Reynolds (zwölf Punkte) und D.J. Seeley (elf).

Baldwin und Lucic waren es auch, die die Partie nach schwachem Start der Münchner und zwischenzeitlichem 18-Punkte-Rückstand (39:57/26. Minute) noch zu drehen schienen. Fünf Minuten vor Schluss waren es neun Punkte Differenz (64:73), ehe Baldwin und Lucic ihr Team zunächst auf vier heranbrachten (69:73) und schließlich sogar für den Ausgleich sorgten. Lucic gelang dabei eine seltene Vier-Punkte-Aktion: Trotz eines Fouls verwandelte er einen Wurf aus der Drei-Punkte-Distanz sowie den anschließenden Freiwurf. Zwei Minuten und zwei Sekunden vor Schluss stand es 77:77. "Das war der Moment, in dem wir genauer und cleverer hätten agieren müssen", fand FC-Bayern-Coach Andrea Trinchieri hernach.

Den Münchnern ist es in dieser Saison oft gelungen, Partien nach teils deutlichen Rückständen noch zu gewinnen, doch auf diese Fähigkeit vertrauten sie am Freitag einmal zu oft. "Wir haben das Spiel weggeworfen mit ein paar Fehlern in Offense und Defense", haderte Trinchieri. Man darf das als Kritik an Baldwin interpretieren, der zwanzig Sekunden vor Schluss in aussichtsreicher Position den Ball einfach ins Aus warf statt in den Korb - offenbar, weil er in der Ecke einen Kollegen für einen Drei-Punkte-Wurf vermutete, der aber nicht dort war. Die Chance war jedenfalls dahin, und die Gastgeber nutzten die verbliebene Zeit, um ihren Vorsprung auszubauen.

© SZ/sjo
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