Sozialreferat Senioren haben es schwer auf dem Mietmarkt

Dem Sozialreferat sind die Probleme mit Sowon bekannt, lösen aber sollen sie die ASZ. Mit ihnen strebe man eine "enge Kooperation" an, teilt eine Referatssprecherin mit. Doch die Zentren befürchten, mit den Sowon-Problemen der Senioren überfordert zu werden. "Mit dem Verweis an die ASZ macht es sich das Amt für Wohnen und Migration zu leicht", sagt Lohbihler-Bender. "Dieser Vorstoß war keine kooperative Absprache mit uns, sondern vielmehr Wunsch der Behörde."

Senioren haben es ohnehin schwer auf dem Mietmarkt. Kein Vermieter reiße sich um sie, sagt Tina Angerer vom Mieterverein. Laut Mietspiegel sind die Mieten in der Stadt seit 2013 um 10,9 Prozent gestiegen - das trifft die Älteren besonders hart, ihre Renten steigen nicht so wie die Einkommen mancher Arbeitnehmer. "Senioren gehören zur gefährdetsten Gruppe auf dem Münchner Mietmarkt", sagt Angerer.

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Hedwig Fink bezahlt im Moment etwa 450 Euro für Miete und Nebenkosten ihrer Wohnung in der Nähe des Nordfriedhofs. Sie braucht ein MVV-Ticket und Medikamente gegen Diabetes. 200 Euro bleiben ihr nach Abzug aller Fixkosten monatlich zum Leben. Die staatliche Grundsicherung will sie nicht. "Es ist mir unangenehm, Hilfe anzunehmen", sagt die 71-Jährige. Zugleich schämt sie sich für ihre Armut. Ihren richtigen Namen will sie deshalb nicht in der Zeitung lesen.

450 Euro im Monat, dafür könnte Fink sich eine dreimal so große Sozialwohnung leisten. Aber auf der Warteliste stehen derzeit 11 500 Münchner Haushalte, fast jeder zehnte Betroffene ist älter als 65. Tausende Wohnungen bieten GWG und Gewofag an, doch die Nachfrage ist weit höher. Voriges Jahr kamen in München auf 3200 freie Sozialwohnungen 24 000 Anträge. Oft bewerben sich neben Fink mehr als 100 Interessenten auf eine Wohnung.

Bislang hatte Fink kein Glück, die Zusagen bekamen stets andere. Alle zwei bis drei Wochen kommt sie in das ASZ. Dort muss sich eine Mitarbeiterin für Fink bei Sowon anmelden, um mit ihr neue Wohnungsangebote anzusehen und Bewerbungen zu verschicken. Fink schaut, die Mitarbeiterin klickt. Auch sie will nicht beim Namen genannt werden, sagt aber: Ein Viertel ihrer Arbeitszeit nehme inzwischen allein diese Betreuung von Senioren ein.

Das Sozialreferat hat nun angekündigt, einen mobilen Dienst einzurichten, der Senioren bei Bedarf zu Hause hilft. Die Behörde will in den kommenden Wochen ältere Menschen fragen, warum sie sich noch nicht bei Sowon angemeldet haben. Bis es den mobilen Dienst gibt, muss Fink weiterhin ins ASZ kommen, um sich unterstützen zu lassen. Auf der Online-Plattform, die sie nicht versteht.

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