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Sozialreferat:Ein Hilfsangebot, das Senioren hilflos macht

  • Sozialwohnungen in München werden nur noch über das Online-Portal Sowon vergeben - alle Bedürftigen haben Nutzernamen und Kennwort bekommen.
  • Doch viele Senioren können damit nichts anfangen, denn sie haben keinen Computer und kennen sich im Internet nicht aus.
  • Nun sollen sich die "Alten- und Servicezentren" der Awo darum kümmern, dass die Wohnungssuchenden über die Plattform an Angebote kommen.

Will Hedwig Fink ihre Wohnung durchqueren, braucht sie dafür nicht mehr als fünf Schritte. Duschen kann die 71-Jährige nur, wenn sie vorher die Putzmittel aus der Nasszelle räumt. Die Küche: ein Regal, zwei Camping-Kochplatten. Farbe bröckelt von der Wand, die Lampen funktionieren nur manchmal. Fink lebt auf 13 Quadratmetern. Und auf 13 Quadratmetern will sie nicht für immer bleiben. Fink will raus hier.

In München eine neue Wohnung zu finden und bezahlen zu können, ist nicht einfach. Mit 817 Euro Witwenrente im Monat schon gleich gar nicht. Fink hat sich vor einem Jahr bei der Stadt um eine Sozialwohnung beworben, bei ihr gilt die höchste Dringlichkeitsstufe. Doch seit einem halben Jahr hat Fink ein Problem: Es heißt Sowon. Das ist ein Internetportal der Stadt, nur noch über dieses werden seit Oktober Münchens Sozialwohnungen vergeben. Sowon, kurz für "Soziales Wohnen online", hat die Suche nach einer freien Wohnung für viele erleichtert. Nicht aber für ältere Menschen wie Hedwig Fink.

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Zum Start von Sowon erhielt Fink ein Schreiben vom Wohnungsamt, darin Benutzername und Passwort für ihren Online-Zugang. Alles sollte einfacher werden, unbürokratischer, schneller. Keine Wartezeiten mehr auf dem Amt. Wohnungssuche, bequem von zu Hause aus im Internet. Sowon ist eine Art Immobilienscout für Bedürftige. Sie können sehen, welche Wohnungen frei sind, sortiert auch nach Stadtteil, Etage oder Anzahl der Zimmer, und sich bewerben. Das Wohnungsamt wählt die fünf Bewerber aus, die eine Wohnung am dringendsten benötigen. Die endgültige Entscheidung trifft der Vermieter, meist sind das die städtischen Wohnungsbaugesellschaften GWG und Gewofag.

Das Sozialreferat lässt wissen, man habe bei der Konzeption von Sowon großen Wert auf eine einfache Bedienung gelegt. "Wer hat in meinem Alter schon Internet?", fragt dagegen Hedwig Fink. "Und wer versteht das?" Einen Computer hat sie nicht. Aber selbst wenn sie sich einen leisten könnte, würde die Online-Bewerbung sie überfordern. Sozialverbände bestätigen: So geht es vielen Älteren, die ohne PC und Internet leben.

Von den über 60-jährigen Münchnern mit Anspruch auf eine Sozialwohnung haben sich laut Sozialreferat 40 Prozent noch nicht bei Sowon angemeldet. Bei Problemen mit der Online-Plattform sollen stadtweit 60 sogenannte Service-Terminals in Behörden und Bürgerbüros helfen. Doch auch dort findet man in der Regel keine professionelle Hilfe, sondern nur Computer. Lediglich im Wohnungsamt verspricht die Stadt persönliche Unterstützung für die Nutzung von Sowon.

Von einer "Hürde für alte und bedürftige Menschen", spricht Margarete Lohbihler-Bender, Referentin für die offene Seniorenbetreuung bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo), "weil sie häufig kaum Angehörige und keinen Zugang zu einem Computer haben und sich aufgrund ihrer Gebrechen auch sonst schwer Hilfe organisieren können". Die Awo betreibt das für Fink zuständige Alten- und Servicezentrum (ASZ) in Milbertshofen. Es gibt 32 solche Einrichtungen in München, sie sollen Senioren bei alltäglichen Schwierigkeiten helfen. Finanziert werden sie durch die Stadt.