bedeckt München 30°

Solln:"Wir sind Kämpfer"

Cynzia und Pasquale Russoniello geben sich kämpferisch.

(Foto: Catherina Hess)

Die Iberl-Wirte in Solln mussten einen Tag nach der Neueröffnung schon wieder schließen. Jetzt bieten sie einen Lieferservice an.

Kein Gastronom hat in diesen Corona-Zeiten einen leichten Stand. Aber soviel Pech wie Cynzia und Pasquale Russoniello dürfte bisher kaum einem Wirt widerfahren sein: Nach monatelanger Renovierung wollte das Paar am 20. März die Sollner Traditionsgaststätte Iberl wiedereröffnen. Doch schon einen Tag nach dem Neustart verfügte die bayerische Staatsregierung die Schließung aller Restaurants. Cynzia Russoniello nimmt's einigermaßen gelassen: "Da haben wir Pech gehabt, aber wir müssen positiv denken. Wir sind Kämpfer, und irgendwann wird die Eröffnung nachgeholt."

Einstweilen behelfen sich die Russoniellos, die seit 1993 auch die (gegenwärtig gleichfalls geschlossene) "Villa Antica" in Pullach betreiben, mit einem Lieferservice. Was immer Italien kulinarisch zu bieten hat, kann man jetzt telefonisch bestellen, sofern man in Solln, Forstenried oder Pullach wohnt. Das Sollner Lokal an der Wilhelm-Leibl-Straße, das künftig als Café-Trattoria-Bar "Teatro Solln im Iberl" firmiert, hätte sich gerade zu Ostern als rundum restauriertes Juwel unter den Gasthöfen im Münchner Süden präsentieren können, wäre da nicht das Virus. Die Böden, Wände und Decken sind erneuert worden, das Stüberl ist aufgehübscht, die legendäre Bühne im Anbau generalüberholt. In dem Saal mit seinen 62 Plätzen sollen irgendwann wieder Kabarettisten und Musiker auftreten. Für Theateraufführungen, die das "Iberl" unter Georg Maier einst berühmt gemacht haben, dürfte der Platz indes nicht mehr reichen.

Die Russoniellos übernahmen das fast 200 Jahre alte, denkmalgeschützte Gasthaus im September. Die Vorpächterin, Sibylla Abenteuer, hatte den Betrieb im Sommer 2019 nach 14 Jahren eingestellt. Erhalten bleiben soll der große Biergarten, dessen Speisekarte lediglich "italienisiert" wird. Also Pizza, Pasta und Fisch werden in Zukunft dominieren. Was Cynzia Russoniello optimistisch stimmt, dass die Leute im Münchner Süden das Restaurant annehmen, ist die große Neugier, die sich schon während der Umbauarbeiten zeigte: "Da kam ständig jemand vorbei. Manche teilten uns sogar mit, wie sie den Spielplatz künftig gern gestaltet hätten." Das Interesse am "Iberl" jedenfalls sei enorm. Und die Nachbarn dürften sicher sein, "dass wir nicht stören".

Die mediterrane Küche ist in und um München populär, wie die neuen Pächter des Gasthofs, der zum Imperium der Spatenbrauerei gehört, in Pullach festgestellt haben. Das Wirtspaar betreibt ferner das Schlosshotel in Grünwald; die Russoniellos setzten also auf gastronomische Synergieeffekte. Vorerst funktioniert allerdings nur der Lieferservice.

© SZ vom 22.04.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite