bedeckt München

Sendling/Thalkirchen:Die "Zoom-Omas" greifen zur Selbsthilfe

Jede für sich und doch zusammen: Auf ihren Qigong-Kurs wollen die Thalkirchner Seniorinnen nicht verzichten - und verlegten sich aufs Virtuelle.

(Foto: Privat)

Als im Alten- und Service-Zentrum pandemiebedingt die Qigong-Kurse ausfallen mussten, hat die Seniorengruppe nicht lockergelassen: Sie übt jetzt einmal wöchentlich per Internet-Videokonferenz

Von Jürgen Wolfram, Sendling/Thalkirchen

In den Alten- und Service-Zentren (ASZ) fallen Kurse, die der Gesundheit und Kontaktförderung dienen, zurzeit pandemiebedingt aus. Aber deshalb auf Konzentrations- und Bewegungsübungen zur Kultivierung von Körper und Geist verzichten, wie Qigong es lehrt? Kommt für eine Gruppe von etwa 20 Aktiven im Alter von 60 bis 85 Jahren überhaupt nicht in Frage.

Was früher im Thalkirchner ASZ regelmäßig stattgefunden hat, haben die Seniorensportler jetzt "in Selbstorganisation" ins Digitale übersetzt: Einmal wöchentlich treffen sie sich mit ihrer Qigong-Lehrerin auf der Videokonferenz-Plattform Zoom im Internet. "Vielleicht sollten wir uns nun Zoom-Omas oder gleich Zoomas nennen", meint beschwingt die Sprecherin der Gruppe, Brigitte Schmid-Gödicke.

Qigong basiert auf der chinesischen Medizin, soll den Bewegungsapparat geschmeidig und die Psyche im Lot halten. In der Geschichte Chinas hat diese Praxis als Gesundheitsvorsorge immer eine große Rolle gespielt. Die unterschiedlichen Stilarten des Qigong sind zum Teil ganz neue Entwicklungen, die jedoch auf den jahrtausendealten Traditionen basieren.

Als die Lehrgänge im ASZ eingestellt werden mussten, fühlten sich die Seniorinnen und Senioren um Brigitte Schmid-Gödicke "schwer getroffen". Das gemeinsame Üben hat allen so sehr gefehlt, dass sie auf ihre Trainerin zugingen, um zusammen mit ihr nach einem Ausweg aus dem Dilemma zu suchen. "Dabei stießen wir auf Zoom, von dem die meisten von uns noch nie gehört, geschweige denn es jemals bedient hatten", berichtet eine Teilnehmerin. Den Weg in die mediale Neuzeit fanden viele aus der Runde mithilfe ihrer Kinder, Enkel und Bekannten. "Ist ein Wunsch wirklich da, dann klappt es auch, und zwar in jedem Alter", haben sie festgestellt.

Hier und da fehlt es noch an der Ausstattung mit Laptops, und auch nicht jede Hemmschwelle ist schon beseitigt. Das wöchentliche kostenlose Zoom-Qigong ist dennoch in vollem Gange, verbunden mit "wichtigen Hinweisen zur Stärkung des Immunsystems" und dem lange vermissten Ratsch unter Kursteilnehmerinnen. "Weitere Interessierte dürfen sich gern melden", sagt Brigitte Schmid-Gödicke. Einen "kleinen Seitenhieb" auf kommunale und sonstige Sozialinstitutionen will sie sich nicht verkneifen; die könnten für vorbildliche Initiativen wie ihre mehr tun, "als nur immer von einer Gefährdung der Älteren und Vereinsamung zu schwadronieren", sagt sie. Tablets zum Ausleihen etwa wären eine gute Idee.

Eine erste, überaus positive Zwischenbilanz hat die Qigong-Gruppe jedenfalls schon gezogen: "Auf jeden Fall ist das Üben via Zoom weit besser, als allein zu Hause zu sitzen und gar kein Angebot zu haben." So könnten Ältere nicht nur etwas für ihre Gesundheit tun, "sondern auch für die gute Laune". Und das sei in diesen Zeiten besonders wichtig.

© SZ vom 22.02.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema