Sparprogramm:Münchens neue Schulen werden weniger luxuriös

Sparprogramm: Münchens neue Schulen werden weniger luxuriös.

Münchens neue Schulen werden weniger luxuriös.

(Foto: Catherina Hess)

Nach explodierenden Kosten bei ihren Schulbauten denkt die Stadt nun um: Sie speckt bei vielen Vorhaben ab und verkleinert Räume. Das bringt Geld für ein neues Haus.

Von Melanie Staudinger

Stadtschulrat Rainer Schweppe (SPD) betont es bei der Pressekonferenz am Freitag gleich mehrmals: Man habe einen angemessenen Ausgleich gefunden zwischen den hohen pädagogischen Ansprüchen der Stadt München auf der einen und der Wirtschaftlichkeit auf der anderen Seite.

Jeden einzelnen Schulneubau und jede größere Sanierung haben sich die Mitarbeiter von Bau- und Bildungsreferat noch einmal angeschaut. Und dabei ein beträchtliches Einsparpotenzial gefunden: Münchens neue Schulen werden zwar weniger luxuriös, dafür spart die Stadt schon beim ersten Bauprogramm, über das der Stadtrat im Februar beschließen soll, 50 Millionen Euro ein. Für das Geld soll nun eine neue Grundschule an der Paul-Gerhardt-Allee finanziert werden.

Die Initiative für das Sparprogramm ging von den Stadtratsfraktionen von CSU und SPD aus. Die hatten kurz vor Weihnachten angesichts der angespannten städtischen Haushaltslage gefordert, dass die sogenannten Standardraumprogramme für Schulen überprüft werden sollten.

Moderner, aber nicht überteuert

München solle zwar moderne, aber keine überteuerten Schulen bekommen. Vor allem sollte aber auch sichergestellt werden, dass die Stadt keine Zuschüsse vom Freistaat verliert, nur weil sie überzogen baut. Im neuen Konzept, dass das Bildungsreferat jetzt vorgestellt hat, sind die Gesamtflächen der Schulen nun im Schnitt fünf Prozent kleiner.

Reduziert wurden vor allem Verwaltungs- und Lagerräume, die Neben- und Vorbereitungszimmer für die Fachlehrsäle, die Mittelzonen, also die Bereiche, um die die Klassenräume angeordnet sind, und die Speisesäle. Mit weniger Platz müssen auch die Elft- und Zwölftklässler auskommen. Weil in den Abschlussklassen weniger Schüler einzelne Kurse besuchen, können auch die Räume kleiner sein.

Auch die Mittelschulen traf es: Dort fallen einige Zimmer weg. Reguläre Klassenzimmer und Teamräume seien aber nicht verkleinert worden, erklärt Schweppe. "Wir wollen die Arbeitsbedingungen für Schüler und Lehrer verbessern."

Mehr Geld beim Schulbau für München

Der Stadt kommt aber bei ihren Bemühungen eine Entscheidung des Freistaats zur Hilfe. Anfang Dezember hat dieser beschlossen, künftig pro Klasse 25 Quadratmeter zusätzlich zu fördern. Damit kann auch München mehr Geld beim Schulbau abgreifen, weil die Förderrichtlinien besser eingehalten werden können.

Zum Vergleich: Bei einer Grundschule mit 24 Klassen würde der Freistaat der Stadt nach dem im Mai verabschiedeten Raumprogramm lediglich bis zu 79 Prozent der Fläche anrechnen. Jetzt wären es bis zu 96 Prozent.

Bei einer Mittelschule erhöht sich der Anteil der förderfähigen Fläche von 77 auf 95 Prozent, bei einer Realschule von 76 auf 91 Prozent und bei einem Gymnasium von 75 auf 89 Prozent. "Auch nach der Realisierung des Einsparpotenzials und der Optimierungsmöglichkeiten baut München zukunftsfähige, moderne und inklusive Schulen", sagt Schweppe.

24 neue Grundschulen bis 2030

Davon sollen bald viele stehen, denn die Schülerzahl wächst beständig weiter. Besuchten im Schuljahr 2000/01 noch 86 367 Kinder eine allgemeinbildende Schule waren es in diesem Jahr bereits 101 188. Bis 2030 werden daher 24 neue Grundschulen, zwei Mittelschulen, drei sonderpädagogische Förderzentren, fünf Realschulen, sieben Gymnasien und vier berufliche Schulzentren benötigt.

Gleichzeitig müssen bestehende Einrichtungen saniert werden. In einem ersten Schritt sollen nun 39 Bauvorhaben an knapp 50 Schulen bis 2023 abgeschlossen sein, acht davon sind bereits finanziert (319 Millionen).

Stimmt der Stadtrat dem zu, werden für die 31 neuen Projekte rund 1,5 Milliarden Euro fällig. Wie Schulbürgermeisterin Christine Strobl erklärte, liegt der Schwerpunkt dieses ersten Bauprogramms auf den Grundschulen, weil durch steigende Kinderzahlen der Bedarf am höchsten ist.

Neue Turnhallen und eine zusätzliche Schwimmhalle

Um dieses Pensum zu schaffen, hat sich die Verwaltung eine Strategie überlegt: Statt Einzelbeschlüssen gibt es nur noch eine Abstimmung im Stadtrat für alle Projekte. "Sonst hätten wir für die 31 neuen Maßnahmen jeweils zwei Beschlüsse gebraucht", sagt Baureferentin Rosemarie Hingerl. Dadurch ergebe sich eine Zeitersparnis von vier bis sechs Monaten.

Zudem will das Baureferat Bearbeitungs- und Entscheidungsprozesse parallel laufen lassen. "Der Großteil der Schulen soll bis 2020/21 fertig sein", sagt Hingerl. Bis dahin bleiben noch vier Jahre - zwei davon für die Planung und zwei für den Bau. Damit nichts schief läuft, erhält der Stadtrat einmal im Jahr einen Bericht. Ganz nebenbei entstehen auf den Schularealen noch zehn Tagesstätten für 1000 Kinder. Auch der Sport profitiert: 19 neue Turnhallen und eine Schwimmhalle werden gebaut.

© SZ vom 30.01.2016/dit
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