Musical-Bühne:Manitu sei Dank

Deutsches Theater/Schuh des Manitu

Gute Aussichten: Mit einem Jahr Verzögerung kann das Musical "Der Schuh des Manitu" endlich drei Monate lang am Deutschen Theater laufen.

(Foto: Salzburger Landestheater, Anna-Maria Löffelberger)

Das Deutsche Theater feiert nach zwei tristen Pandemiejahren sein 125-jähriges Bestehen, zumindest ein bisschen.

Von Michael Zirnstein, München

Das Leben kehrt zurück ins Deutsche Theater. Ein junges, schlankes, ziemlich hipp gekleidetes Völkchen hat sich im Innenhof an der Schwanthalerstraße versammelt. Man scherzt, freut sich des Wiedersehens, und wartet darauf, von der Intendanz des Hauses offiziell begrüßt zu werden. Die bunte Truppe, das sind die fast 30 Darsteller des Musicals "Der Schuh des Manitu". Zusammen mit dem Kreativteam, der 15-köpfigen Band und Helfern hinter den Kulissen sind da nun 60 Leute in München eingezogen. Bis zur Preview am 13.Oktober proben sie final im großen Saal das Spaßical auf Basis des erfolgreichen Bully-Filmes. Gerade rechtzeitig kommt wieder Schwung in die prunkvolle Bude, die an diesem Samstag ihr 125-jähriges Bestehen feiert.

Ursprünglich hatten sich die Theaterleiter Carmen Bayer und Werner Steer ein rauschendes Hoffest ausgesponnen. Dann mussten sie sich eingestehen: "Das wäre ja eine Idiotie: Das Oktoberfest ist abgesagt, und bei uns tanzen und jubeln 1000 Leute", so Steer. Immerhin haben sie 125 Gäste ausgelost, die am Samstag eine Manitu-Probe erleben dürfen. "Davor bekommt jeder ein Glas Prosecco", sagt Steer, "ein bisschen Spaß muss sein".

Man kann also wieder Lachen im "Palast des Lächelns". Auch die Intendanten, die in den vergangenen Monaten Corona-bedingt 300 Veranstaltungen absagen mussten und höchstens Galgenhumor zeigten. Genau vor einem Jahr schon hofften sie, im auf 450 Gäste reduzierten Notbetrieb mit dem "Schuh des Manitu" ein Lebenszeichen senden zu können. Damals sagten Bayer und Steer, die ganze Musical-Welt schaue auf München, ob so eine Neu-Produktion wieder möglich sei und der Branche wieder die Türen öffne. Die Auflagen machten es unmöglich.

Mit nahezu dem selben Team geht es nun mit einem Jahr Verzögerung endlich los. Eine Vollbesetzung der Ränge mit 1500 Zuschauern wäre inzwischen erlaubt, die Intendanten haben sich für die drei Manitu-Monate aber selbst auf 999 gedeckelt. Ab 1000 dürfte kein Alkohol ausgeschenkt werden, aber ein "Schuh ohne Prosecco - das geht einfach nicht", findet Steer. Mit 999 Gästen rechnet sich das ganze aber nur, weil das Deutsche Theater das Musical zusammen mit dem Landestheater Salzburg ausnahmsweise selbst produziert hat. "Ein privater Veranstalter hätte uns wegen der bis zuletzt unsicheren Planung längst abgesagt", erklärt Bayer.

Die Partner für die Gastspiele im kommenden Jahr hätten sich allesamt eine Ausstiegsklausel in die Verträge schreiben lassen, sollte die Besucherzahl von den Behörden wieder auf unter 1100 beschränkt werden. Immerhin, der Spielplan ist nahezu voll, von "Flashdance" über die "Rocky Horror Show" bis zu Falco-, Michael-Jackson- und Beatles-Revues, und auch mit "Cats" aus London sollte es trotz Brexit und dortigen Corona-Experimenten jetzt klappen. Steer rechnet damit, dass das städtische Theater, das zwei Jahre lang nur dank kommunaler Zuschüsse und Kurzarbeit überlebt habe, sich von Mitte 2022 an wieder durch Ticket-Verkäufe nahezu selbst tragen kann.

Einen Wunsch hätten die Intendanten allerdings zum Jubiläum, und der richtet sich an die Staatskanzlei, die zum 1. Oktober eine neue Infektionsschutzverordnung herausgibt: "Bitte, bitte, Herr Söder, ersparen sie uns die Masken." Ob 2G oder 3G, das müsse man noch sehen, aber das Theater sei aufgrund seines großen Volumens und der modernen Lüftungsanlage virensicher. "Wir sind ein Entertainment-Theater", sagt Bayer, "eine Maske nimmt dem Zauber doch viel."

© SZ
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