Der Schlosspark ist ein Münchner Mikrokosmos, der erstaunliche Wesen birgt, lebende und künstliche. Da sind die mächtigen Bäume und die Wiesen, das ist die exotische Pracht der Pagoden- und der Badenburg, da ist die silberblinkende Grazie, mit welcher Francois de Cuvilliés die Amalienburg ausgestattet hat, da ist die ins Mystische driftende künstliche Ruine der Magdalenenklause, da ist das Prinzengärtchen mit dem Hexenhäusl, das sind die Gewächshäuser, die Brücken, Kanäle und Kaskaden sowie der marmorne Hirtengott Pan, der über einer Quelle die, nun ja, Panflöte spielt.

Von all diesen außergewöhnlichen Dingen ist in dem vortrefflichen Buch die Rede, und man liest nicht ohne Erstaunen, dass im Palmenhaus im Jahr 1830 die erste Warmwasserheizung Deutschlands installiert wurde. In der Orangerie kultivierte man zu dieser Zeit auch Kaffeepflanzen aus Trinidad und Bananenstauden. Die Bananen wurden aber "nur an die kgl. Hofhaltung" abgegeben. Der Bananen wegen muss heute niemand Schloss Nymphenburg besuchen. Doch andere Gründe gibt es genug.

Doris Fuchsberger, Albrecht Vorherr, Gredel Warbeck: Schloss Nymphenburg. Bauwerke - Menschen - Geschichte. Allitera Verlag, 176 Seiten mit vielen Abbildungen, 29,90 Euro.

3. Dezember 2015, 12:252015-12-03 12:25:34 © SZ vom 30.11.2015/bica