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Nahverkehr:Die S-Bahn wurde jahrzehntelang kaputtgespart

Die Probleme bei der Münchner S-Bahn können nicht schnell behoben werden.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Für manche Probleme kann die Bahn nichts. Ein Großteil aber resultiert aus der Infrastruktur - und für die sind Bahn und Politik verantwortlich.

Die Lage bei der Münchner S-Bahn ist fürchterlich - und das ist noch der gute Teil der Nachricht. Der schlechte: Das wird noch lange so bleiben. Denn es gibt viele Gründe für die miserablen Werte der S-Bahn in der Pünktlichkeitsstatistik, die diesen Namen wirklich nicht verdient. Und für viele kann die Bahn nichts, nicht für Verrückte, die auf Gleisen herumspazieren, weshalb diese gesperrt werden müssen, nicht für Herzinfarkt-Fälle in einem Zug, der am Marienplatz steht, weshalb die Stammstrecke für eine halbe Stunde blockiert wird. Aber ein Gutteil der Probleme resultiert aus der Infrastruktur des Schienennetzes im Großraum. Und dafür kann die Bahn etwas, und nicht zuletzt die Politik.

Diese Probleme verbergen sich hinter Reizwörtern wie Bahnübergangs- oder Stellwerksstörung, manchmal kleine, manchmal größere, aber auf den viel befahrenen Münchner Gleisen immer mit großen Auswirkungen. Und sie alle sind Resultat dessen, dass die Bahn, die für das Netz zuständig ist, seit Jahren und inzwischen Jahrzehnten genau diese Infrastruktur kaputtspart. Ein Ergebnis auch der Privatisierungspolitik des Bundes, die den Staatskonzern zur Gewinnoptimierung anhält.

Inzwischen scheinen maßgebliche Teile der Bundes- und Landespolitik zwar erkannt zu haben, dass sie gegensteuern müssen. Ja, selbst die CSU, die seit Langem die dafür verantwortlichen Minister in Bund und Land stellt, hat den Nahverkehr inzwischen als Thema erkannt. Doch selbst wenn die Politik nun auch mit öffentlichem Geld massiv investieren würde - was sie nicht in dem Umfang tut, wie es nötig wäre -, würde es viele Jahre brauchen, bis dies auch die Münchner S-Bahn-Fahrer positiv zu spüren bekommen. Denn es dauert nun mal, ein Stellwerk zu modernisieren oder eine eingleisige Trasse auszubauen.

Das ist nicht nur ein Problem in München. Hier aber trifft eine zunehmend marode Infrastruktur auf zunehmend mehr Bedarf, auf mehr Pendler, auf die Notwendigkeit, mehr Züge fahren zu lassen. Und die Politik hat viele, auch kleine Verbesserungsmöglichkeiten ignoriert, weil über lange Zeit die Schieneninfrastruktur-Frage reduziert wurde auf den Bau der zweiten Stammstrecke. Deshalb werden Münchens S-Bahnfahrer auch weiter viel Zeit auf Bahnsteigen wartend verbringen. Schlechte Nachrichten eben.

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