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S-Bahn München:Fahrscheinkontrolle eskaliert: Sicherheitsdienst überwältigt Mann

  • In einer Münchner S-Bahn ist eine Fahrscheinkontrolle eskaliert.
  • Zwei Mitarbeiter des DB Sicherheitsdienstes zerrten einen dunkelhäutigen Mann aus der Bahn, weil der keinen Fahrschein hatte und sich nicht ausweisen konnte.
  • Nun ermittelt die Bundespolizei gegen beide Seiten.

Eine Fahrscheinkontrolle in der Münchner S-Bahn hat am Dienstagmittag erhebliches Aufsehen erregt. Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes der Deutschen Bahn wollten den Fahrschein eines 48-jährigen Mannes in der S 8 Richtung Innenstadt kontrollieren. Der Mann hatte jedoch keinen.

Von diesem Zeitpunkt an gehen die Berichte über die Geschehnisse auseinander. Eine Zeugin, die den Vorfall ab dem Zeitpunkt der Eskalation filmte, berichtet, der dunkelhäutige Mann sei kooperativ und nicht aggressiv gewesen. Da er kein Deutsch sprach, habe er die Anweisungen der Mitarbeiter jedoch nicht verstanden.

Die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes sagen dagegen, der Fahrgast habe sich uneinsichtig und aggressiv verhalten. Man habe ihn von einer Weiterfahrt ausgeschlossen. Da er sich dem wiedersetzt habe, habe man körperlichen Zwang anwenden müssen.

Auf dem Video der Zeugin ist zu sehen, wie sich der Mann an einer Haltestange festklammert und schreit. Die DB-Mitarbeiter packen ihn an Armen und Hals, lösen schließlich seinen Griff und zerren ihn auf den Bahnsteig, wo sie ihn auf den Boden drücken.

Die Frau veröffentlichte das Video auf Facebook. Dort wurde der Vorfall als "rassistisch", "dumm" und "unsinnig übertriebene Gewaltanwendung" kommentiert.

Mittlerweile äußerte sich auch die Bahn. Grundsätzlich seien die Mitarbeiter von DB Sicherheit berechtigt, die Beförderungsbestimmungen in den Zügen durchzusetzen, teilte ein Sprecher mit. Wenn ein Fahrgast ohne gültigen Fahrschein keine Personalien angeben will oder kann und fliehen will, könne er vorläufig festgenommen werden. Dabei könne auch körperlicher Zwang angewendet werden.

Nun ermittelt die Bundespolizei: Zum einen gegen den mutmaßlichen Schwarzfahrer wegen des Verdachts des Erschleichens von Leistungen. Zum anderen auch gegen die Mitarbeiter der Deutschen Bahn. Der Vorwurf lautet auf gefährliche Körperverletzung, wie die Bundespolizei am Mittwoch mitteilte. Die Bahn will die beiden Mitarbeiter vorerst nicht im Streifendienst einsetzen.

© SZ.de/eca/mmo

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