Prozess:Mann mit Kreissäge getötet: Angeklagte sagt aus

  • Eine Pädagogik-Studentin steht in München vor Gericht, weil sie ihren Freund beim Sexspiel mit einer Handkreissäge umgebracht haben soll.
  • Die Staatsanwaltschaft wirft der 32-Jährigen vor, den Mann 2008 in ihrer Studenten-WG ans Bett gefesselt und ihn dann mit der Kreissäge attackiert und getötet zu haben.

Von Ingrid Fuchs und Susi Wimmer

Gabi P. hält sich ein weißes Blatt vors Gesicht, als sie den Gerichtssaal betritt. Sie wendet sich zum Richter und spricht sehr leise darüber, was in den vergangenen Jahren vorgefallen ist. Wie es dazu kam, dass Alex H. zwar ihre "erste feste, große Beziehung" war - und dann aber seine Leiche vergangenes Jahr in ihrem Garten in Haar gefunden wurde.

Die Pädagogik-Studentin steht vor Gericht, weil sie ihren Freund beim Sexspiel umgebracht haben soll. Die Staatsanwaltschaft München wirft der 32-Jährigen vor, den Mann 2008 in ihrer Studenten-WG ans Bett gefesselt und ihn dann mit der Kreissäge attackiert und getötet zu haben.

Laut Anklagebehörde trennte sie ihm den Kopf ab. Das geschah wohl, als er nach den heftigen Schnitten in den Oberkörper vermutlich schon tot war. Die Tat soll sich bereits im Dezember 2008 abgespielt haben - doch erst Jahre später, Anfang 2016, kam sie ans Licht. Die Staatsanwaltschaft geht von einer unglücklichen Beziehung als Motiv aus. "Die Angeschuldigte wird daher beschuldigt, heimtückisch einen Menschen getötet zu haben", sagt die Staatsanwältin.

Gabi P. möchte nicht, dass die Öffentlichkeit bei ihrer Aussage zuhört. Es sei zu befürchten, dass ihre "Persönlichkeitssphäre unverhältnismäßig beeinträchtigt" würde, sagt ihre Anwältin, als sie den Ausschluss der Öffentlichkeit beantragt. Das Gericht wird darüber aber erst später entscheiden, also erzählt die Angeklagte aus ihrem Leben und von Alex H.

Schon in ihrer Kindheit habe es immer wieder Probleme gegeben. Die Mutter war Grundschullehrerin, sie sei streng gewesen - und alkoholabhängig. Als Kind habe sie das zwar verdrängt, heute wisse sie aber, dass sie unter der Situation gelitten habe, erzählt Gabi P. Der Kontakt zum Vater sei eigentlich gut gewesen, wurde dann aber weniger, als sie Alex H. kennenlernte. Das war im Jahr 2001. Sie war 15 oder 16, H. war vier Jahre älter. 2003 zogen sie zusammen in ein Haus, das Gabi P. in Haar bei München zur Hälfte geerbt hatte.

Ihr Freund sei ein Mann mit zwei Gesichtern gewesen, sagt die Angeklagte. Sie spricht von "zwei Menschen". Der eine Mensch sei "wahnsinnig intelligent, sehr humorvoll, gut erzogen" gewesen. Über den zweiten Menschen will sie zunächst nicht sprechen. Alex H. habe ihr einmal erzählt, er leide an einer Borderline-Störung. Die Beziehung lief offenbar nicht immer harmonisch. Zwei Mal trennte er sich von ihr, dann machte sie Schluss, zog für vier Monate aus und kehrte doch wieder zurück.

Gabi P. hatte kurz nach der Tat einen neuen Freund

Zusätzlich zu dem Haus hatte P. auch 160 000 Euro geerbt, von diesem Geld finanzierte sie ihrer beider Leben. Sie habe jeden Tag ein bis zwei Flaschen Wein getrunken, gemeinsam hätten sie auch gekifft. Ob sie auch gedealt habe, um ihr Leben zu finanzieren, will der Richter wissen - sie verneint. Sie sei auch von ihrer Mutter finanziell unterstützt worden. Zum Teil seien sie verzweifelt gewesen, weil sie keine Perspektive gesehen hätten. 2007 habe sie dann ein gemeinsames Kind abgetrieben. Ein Jahr später war Alex H. tot.

Gabi P. sagt, dass sie nach der Tat zwar eine Therapie gemacht habe, von dem Mord habe sie aber nichts erzählt. Die 32-Jährige hatte schon kurz darauf einen neuen Freund, heute ist sie mit einem Mann verlobt und will bald heiraten. Die beiden schreiben sich Briefe - aus dem Gefängnis.

Am Nachmittag wird die Verhandlung fortgesetzt, dann sollen die Eltern der Angeklagten aussagen. Die Öffentlichkeit ist dabei ausgeschlossen.

© SZ.de/dpa/infu/sks/vbol/ebri
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