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Prozess:Königspythons dürfen keine lebenden Mäuse mehr fressen

  • Eine Frau aus Berg am Laim züchtete in ihrer Wohnung Mäuse, um ihre Würgeschlangen damit zu füttern.
  • Jetzt wehrt sich die Münchnerin vor dem Verwaltungsgericht gegen Auflagen der Ordnungsbehörde.
  • In dem Prozess geht es vor allem darum, ob das Verfüttern lebendiger Mäuse erlaubt sein soll.

Die Nachbarn kamen sich wahrscheinlich vor wie in einem schlechten Film: Aus der offenstehenden Wohnungstür eines kleinen Apartments in Berg am Laim huschten Mäuse und hüpften Heimchen. Die Nachbarn beschwerten sich bei der Hausverwaltung, der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewofag. Bald darauf nahmen amtliche Kontrolleure die Eineinhalbzimmerwohnung unter die Lupe.

Dabei entdeckten sie drei Würgeschlangen und sechs Rotbauchunken, denen die Nager und Langfühlerschrecken als Futter dienen sollten. Dazu waren in der Wohnung noch fünf Vogelspinnen und ein Hund. Am Mittwoch wehrte sich die 46 Jahre alte Bibliothekarsassistentin, der die Tiere gehören, vor dem Verwaltungsgericht gegen Auflagen der Ordnungsbehörde: Vor allem geht es um das Verfüttern lebender Mäuse an die Königspythons.

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"Ein volles Haus", kommentierte der Vorsitzende Richter Dietmar Wolff die Schilderung. Zumal das nur 41 Quadratmeter große Apartment auch noch so mit Töpfen, Kisten und Brettern zugestellt gewesen sei, dass man die Wohnung kaum betreten konnte. So hatten es jedenfalls die Kontrolleure gesehen. Auch die Wasserstellen in Bad und Küche seien nur schwer zu erreichen gewesen, "und der Hund hatte keinen Platz, um sich einmal hinzulegen".

Zehn weibliche und zwei männliche Mäuse sorgten bis dahin regelmäßig für Futternachschub: Die bis zu drei Kilo schweren und an die 130 Zentimeter langen Würgeschlagen vertilgen etliche ausgewachsene Mäuse oder das Dreifache an "Springerl", das sind Mäuse, die gerade die Augen geöffnet haben und umherspringen - daher der Name.

Die amtlichen Kontrolleure, beraten durch eine städtische Tierärztin, erließen eine Reihe von Bescheiden, in denen unter anderem die käfiglose Mäusezucht untersagt und die Frau zum Entrümpeln verpflichtet wurde. Vor allem aber wurde ihr verboten, auf Dauer weiterhin lebende Mäuse an die Schlangen zu verfüttern.

"Gerade Königspythons sind sehr mäkelig"

Die Richterinnen und Richter der 23. Kammer hörten den Experten Markus Baur an. Er ist Leiter der Auffangstation für Reptilien in München und Fachtierarzt für Reptilien. Er schilderte zunächst das Dilemma zwischen artgerechter Tierhaltung und Tierschutz: Jäger, wie es Schlangen nun einmal seien, müssten jagen dürfen, sagte er. Aber die Tötung einer Maus durch eine Schlange verursache dem Nager Leiden und sei damit ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Zwar gelinge es über Monate hinweg zumeist, Schlangen an "totes" Futter zu gewöhnen, sagte Baur - "aber gerade Königspythons sind sehr mäkelig". Die toten Mäuse dürften keinen Fremdgeruch haben, müssten 38 Grad Körpertemperatur haben und sollten wie lebende Mäuse bewegt werden, um den Jagdinstinkt der Schlangen zu wecken.

Aufgrund öffentlichen Drucks sei solche "Totnahrung" inzwischen Standard in Deutschland, meinte er, "weil Lieschen Müller sonst auf die Barrikaden geht". Bis zu einem halben Jahr dauere es, die Würgeschlangen umzugewöhnen, sagte der Experte. Aber es gebe immer wieder Tiere, bei denen das nicht gelinge.

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Die klagende Münchnerin, die mittlerweile vier Pythons hat, beteuerte, dass sie sich unter dem Druck der Stadt um diese Umstellung bemühe. Die Mäusezucht habe sie aufgegeben und dafür kaufe sie in einem Zoo-Markt Mäuse für 2,50 Euro pro Stück. Allerdings würden ihre Reptilien trotz aller Versuche bisher nur lebende Mäuse akzeptieren. Entsprechend der behördlichen Auflagen lasse sie die jeweiligen Nager nur maximal zehn Minuten in dem Terrarium - wenn die Schlangen bis dahin nicht zugeschlagen haben, kommen die Mäuse wieder raus, damit sie nicht unnötig leiden müssen.

Das Gericht wird sein Urteil frühestens Ende Juni verkünden. Der Rechtsstreit dürfte darauf hinauslaufen, dass die Frau unter Anleitung eines Experten weiterhin die Umstellung auf Totnahrung versucht - Ende des Jahres soll dann der Stadt über den Fortschritt Bericht erstattet werden.