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Prozess gegen Internet-Stalker:Schweinereien via Facebook

  • Mit 15 000 drohenden und beleidigenden Nachrichten auf Facebook oder per E-Mail bombardierte Marc B. eine junge Münchnerin.
  • Beim Chatten hatte sich B. in das Profil der Frau verliebt und stellte ihr seitdem nach.
  • Nun droht ihm die dauerhafte Einweisung in eine psychiatrische Klinik.

Als die Staatsanwältin am Donnerstag die 70 in der Anklage aufgeführten massiven Beleidigungen im Wortlaut verlesen hatte, meldete sich sogleich Marc B.: "Es tut mir leid, dass Sie sich die Schweinereien anhören mussten", sagte der 30-jährige Angeklagte zum Richtertisch der 3. Strafkammer am Landgericht München I gewandt. Der Vorsitzende Anton Winkler nahm's gelassen: "Das ist ja wenig im Vergleich dazu, was Sie sonst noch geschrieben haben." Mit 15 000 teils drohenden, teils beleidigenden Nachrichten via Facebook oder E-Mail hatte Marc B. eine junge Münchnerin bombardiert. Nun droht ihm die dauerhafte Einweisung in eine psychiatrische Klinik.

B. ist gebürtiger Hesse, lebte aber schon so lange im Allgäu, dass der dortige Dialekt auf seine Sprache abgefärbt hat. Und auch sonst war er voll integriert im Oberschwäbischen. Er sei ein "gottbraver Mensch" gewesen, der jeden Sonntag in die Kirche gegangen sei, sagte der gelernte Maler mit imposantem Vollbart. Zeitlebens war er allerdings nicht so angepasst, wie er es zunächst darstellte: Bis vor zehn Jahren nahm er regelmäßig Drogen.

Als er diese Phase überwunden hatte, habe er ein bürgerliches Leben geführt mit "Wohnung, Arbeit, Geld". Im Jahr 2008 ließ er sich dann einen Internetanschluss legen, was für eine junge Münchnerin verheerende Folgen hatte. Beim Chatten verliebte sich B. in das Profil der Frau und stellte ihr auch auf Facebook nach.

Bis zu sechs Nachrichten pro Minute

Das ging so weit, dass er bis zu sechs Nachrichten pro Minute an sie schickte. "Du geiles Miststück", war fast noch ein Kompliment im Vergleich zu seinen sonstigen Ausfällen. Weil die Angebetete nicht reagierte, steigerte er seine Beschimpfungen bis hin zu Todesdrohungen. Schließlich, so die Staatsanwaltschaft, zog Marc B. in den Münchner Norden, um näher bei seinem Opfer zu sein.

In München fand er einen Job als Hilfskraft bei einem Pizzadienst. Seine chronisch paranoide Schizophrenie offenbarte sich auch beim Umgang mit seinen Kollegen. Eine Mitarbeiterin des Lieferdienstes bedrohte er laut Antragsschrift am 11. Juli 2014 bei einem Streit mit einem Küchenmesser. "Du wirst die erste sein, die ich umbringen werde, ihr Frauen seid alle gleich", soll ihr der Beschuldigte unmissverständlich gesagt haben.

"Blöd vor Liebe"

"Ich habe richtig Angst gehabt", sagte die Betroffene im Zeugenstand. Seinem Chef, der ihn wohl tatsächlich als Billigkraft behandelte, schrieb B. zudem auf Facebook: "Ich würde jeden in der Firma ohne zu zögern erschießen."

Die Facebook-Nachrichten an die junge Münchnerin räumte B. ohne Umschweife ein. "Blöd vor Liebe", sei er gewesen, sagte der Mann. Er habe damit auch bezwecken wollen, dass sich die Frau bei ihm meldet. Er habe nämlich herausfinden wollen, ob sie etwas mit einer Messerattacke auf ihn in einer Münchner Disco zu tun gehabt habe, so B. Durch einen Stich ins Bein sei er schwer verletzt worden.

Wohl aufgrund seiner psychischen Erkrankung war er der Meinung, seine Angebetete habe ihm den Messerstecher auf den Hals gehetzt. Die Bedrohung der Lieferdienst-Mitarbeiterin mit dem Küchenmesser stritt er indes rundweg ab.