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Prozess gegen Ex-Wiesnwirt:Sepp Krätz will zurück ins Geschäft

Sepp Krätz im Hippodrom auf dem Münchner Frühlingsfest, 2010

Mit einem Zelt kommt Sepp Krätz nicht mehr auf die Wiesn - jetzt kämpft er dafür, in seinem Lokal wieder eine Rolle zu spielen.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Ex-Wiesnwirt Krätz will in seinem Lokal Andechser am Dom nicht mehr nur Gast sein.
  • Vor Gericht lässt er seine Tochter dafür kämpfen, dass er zumindest wieder eine Rolle in dem Lokal spielen darf.
  • Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, obwohl die Stadt erst am 8. Januar wieder "Unregelmäßigkeiten" in dem Lokal monierte.
  • Wegen Steuerhinterziehung wurde Krätz vergangenes Jahr zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und verlor kurz darauf seine Lizenz für den Andechser.

Von Christian Rost

Sepp Krätz, der nach seiner Steuerhinterziehung und anderen Delikten von der Stadt München ins berufliche Abseits gestellte Wirt, drängt mit Macht zurück in die Mitte der Bussi-Gesellschaft. Ein Zelt auf dem Oktoberfest wird der 60-Jährige wohl nicht mehr bekommen, vor Gericht aber lässt er seine Tochter momentan darum kämpfen, dass er zumindest wieder eine Rolle in seinem Lokal Andechser am Dom spielen darf. Seine Chancen dafür stehen nicht schlecht, obwohl die Stadt erst am 8. Januar wieder "Unregelmäßigkeiten" in dem Lokal monierte.

Im März 2014 war Krätz wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 1,1 Millionen Euro in seinem Wiesnzelt Hippodrom und dem Andechser am Dom zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten sowie einer Geldstrafe von 570 000 Euro verurteilt worden. In der Folge riss der Stadt der Geduldsfaden. Seit 1994 hatte es mehrfach Ärger wegen Verstößen gegen das Lebensmittelrecht im Andechser gegeben, und schon 2001 lief ein Steuerstrafverfahren gegen Krätz, das gegen die Zahlung von 100 000 Euro eingestellt wurde. Schließlich trat er im Hippodrom einen Mitarbeiter mit Füßen, weil der nicht schnell genug arbeitete - der Wirt musste wegen Körperverletzung eine Geldstrafe zahlen.

Und dann kam das große Steuerstrafverfahren im vorigen Jahr, das aus Sicht der Stadt das Fass zum Überlaufen brachte: Krätz flog samt Zelt von der Wiesn und verlor wegen Unzuverlässigkeit die Lizenz für den Andechser am Dom. Er musste sich als Geschäftsführer zurückziehen.

"Er ist zu vital fürs Altenteil"

Offiziell führt seither seine Tochter Stefanie die brummende Gaststätte in der Weinstraße. Der Vater blieb immerhin Alleingesellschafter der Andechser am Dom Gaststättenbetriebs GmbH. Das ist ihm aber nicht genug. Sein Anwalt Alfred Sauter sagt: "Er ist für sein Leben gern Wirt. Und er ist zu vital fürs Altenteil." Also klagt die Andechser am Dom GmbH gegen den Widerruf der Gaststättenerlaubnis für Sepp Krätz gegen die Landeshauptstadt vor dem Verwaltungsgericht.

In einem Eilverfahren hatte das Gericht dem Wirt bereits Recht gegeben mit der Begründung, er stehe nach der Verurteilung wegen Steuerhinterziehung ohnehin drei Jahre unter Bewährung und somit "mit einem Bein im Gefängnis", wie die Vorsitzende Jutta Krieger sagte. Krätz werde es sicher nicht riskieren, wegen neuerlicher Straftaten ins Gefängnis zu müssen. Trotzdem erhielt er die Wirtekonzession nicht zurück, weil der Bayerische Verwaltungsgerichtshof sein Veto einlegte. Nach dessen Entscheidung hätte das Verwaltungsgericht München am Dienstag ebenfalls die Krätz'sche Klage abweisen müssen.

Krätz darf momentan im Andechser nur Gast sein

Richterin Krieger jedoch überzeugte die Vertreter der Stadt und die Anwälte des Gastronomen, sich an einen Tisch zu setzen und bis Ende März eine gütliche Lösung zu suchen. Die Vorsitzende schlug vor, Sepp Krätz nicht erst nach fünf Jahren eine Chance auf eine neue Wirtekonzession zu geben, wie es die Stadt ursprünglich wollte, sondern ihn in "untergeordneter Rolle" schon vorher wieder ins Lokal zu lassen. Momentan darf Krätz im Andechser nur als Gast sein und sich nicht in den laufenden Betrieb einmischen. Krieger meinte, die Stadt könne doch schon nach drei Jahren - so lange läuft auch die Bewährungszeit wegen Steuerhinterziehung - prüfen, ob man ihn nicht zumindest ein bisschen wieder mitmachen lasse. Der Vorschlag kam sowohl bei den Anwälten der Familie Krätz wie auch bei der Stadt gut an.

In den nächsten Wochen will man sich treffen und über alles reden. Das ist bemerkenswert, weil die Stadt bislang eine harte Linie gegen Krätz gefahren hat. Erst am 8. Januar schrieb sie an seine Juristen, im Andechser sei es wieder zu Unregelmäßigkeiten gekommen. Ein Kellner sei beobachtet worden, als er Bier ausschenkte, ohne es in der Kasse zu bonieren. Genau wegen solcher Unregelmäßigkeiten war Krätz verurteilt worden. Seine Anwälte wiesen den Vorwurf der Stadt barsch zurück: Man habe sofort zusammen mit Vertretern des Finanzamtes alles überprüft und keinerlei Hinweise auf falsche Abrechnungen gefunden, so sein Anwalt Sauter. Die Stadt solle gründliche Kontrollen abhalten und "nicht bloß zum Fenster reinschauen", ereiferte sich der frühere bayerische Justizminister.

Nach wie vor aktiv als Wirt tätig ist Krätz in der Waldwirtschaft in Großhesselohe. Das Landratsamt München hatte als zuständige Behörde nach seiner Verurteilung ebenfalls seine Zuverlässigkeit überprüft. Am Ende durfte er, wie Sauter sagte, einer von drei Geschäftsführern bleiben. Mit der Auflage, dass er sich vor allem um die Gäste kümmert und nicht um die Buchhaltung.

© SZ vom 21.01.2015/ahem

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