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Protestvideo gegen Gentrifizierung:Legal, illegal? Revolución!

Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatten sich Münchner Künstler für den Erhalt des Bolzplatzes starkgemacht. Die 160 Quadratmeter Freizeitfläche würden bei Abriss des Hauses einem Neubau zum Opfer fallen. Im Stadtrat hatten die unerwartet heftigen Proteste Eindruck gemacht. CSU, Grüne und FDP schlugen sich damals offen auf die Seite der Bolzplatz-Fans. Nur Alexander Reissl, Fraktionschef der SPD, bemängelte, dass seine Kollegen nach dem Motto agierten: "Wer am lautesten schreit, hat recht." Dabei repräsentierten die Demonstranten laut Reissl lediglich einen Teil der Bürgerschaft. Diejenigen, die dringend eine bezahlbare Wohnung suchen, blieben auf der Strecke.

Der SPD-Mann fragte weiter, wie dem Problem des Wohnungsmangels jemals beizukommen sei, wenn jedes Neubauprojekt sofort und mit Erfolg aus der Nachbarschaft heraus bekämpft werde. Immerhin gehe es an der Müllerstraße nicht um Luxus-Suiten, sondern um Sozialwohnungen. Nun präsentieren die Gorilla-Aktivisten im Clip ihre Lösung des Problems: Renovieren statt Abreißen. So könnten neue Sozialwohnungen geschaffen werden, ohne dass das Haus und der Bolzplatz verschwinden müssten. Ob sich Renovieren tatsächlich lohnt, ist allerdings umstritten.

Die Macher des Videos zumindest sind davon überzeugt. Im Text unter dem Clip heißt es: "Das Kommunalreferat sage, eine Erhaltung des Gebäudes sei 'nur mit ganz erheblichem Kostenmehraufwand' möglich. Das glauben wir nicht. (...) Wir haben schon mal damit angefangen und in den vergangenen Tagen eine der Wohnungen grundsaniert: neues Parkett, neue Küche, neues Bad, und ansonsten einmal schönmachen." Das Ergebnis sei eine "Goldgrund-sanierte" Wohnung, nach der sich Zehntausende Münchner Wohnungssuchende die Finger lecken würden.

Am Ende des Clips nehmen die renovierenden Gorillas ihre Masken ab. Dazu werden im Video die Bilder der frisch restaurierten Wohnung eingeblendet. Sie sieht auf den Bildern tatsächlich freundlich, sauber und einladend aus. "Nein, wir gehen nirgendwo hin", rappt Keno, "wir ziehen nicht aus hier, weil ich ganz sicher bin, dass die Wohnung hier bleibt."

Über dem Sofa im Wohnzimmer hängt ein Poster mit der Aufschrift: "Revolución".

Am Mittwoch, 6. März 2013, veranstaltet das Kommunalreferat um 18 Uhr eine Podiumsdiskussion in der Glockenbachwerkstatt. Im Anschluss daran kann die "Musterwohnung" besichtigt werden.

© Süddeutsche.de/rus

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