Pro-Guttenberg-Demo in München KT als Papst und Revolutionsführer

Im Real Life sind jedoch in München kaum junge Facebook-Nutzer gekommen, sondern vor allem Menschen jenseits der 50. Wie die 71-jährige Renate zum Beispiel. "Das war endlich mal einer mit Ausstrahlung und einer vorzeigbaren Frau", sagt sie. Dann schwenkt sie ihre mitgebrachte Deutschlandfahne.

Fünf Meter weiter schimpft Peter Mengel über die Mediendiktatur. "Das, was mit Guttenberg gemacht wurde, ist höchst miserabel", meint der Rentner aus Fürstenfeldbruck. Dann lauscht er wieder den Rednern auf der Bühne. Hier wird gerade nicht nur die Rückkehr Guttenbergs in die Politik, sondern auch die "Ernennung zum Papst und zum Anführer der Revolution" gefordert. Mengel klatscht begeistert - wie auch zahlreiche andere. Was sie nicht mitbekommen haben: Es ist ein Gegner Guttenbergs, der spricht. In der Hand hält er ein Transparent, auf dem "Schluchz!" steht.

Nach einer halben Stunde haben die Konservativen ein bisschen Übung im Demonstrieren bekommen. Der Applaus nach den Redebeiträgen wird lauter, vereinzelte Bravo-Rufe hallen sogar über den Rindermarkt. "Die anderen haben auf ihn eingetreten, jetzt treten wir für ihn ein", meint einer. Ein anderer: "Guttenberg, kommen Sie wieder! Das Land braucht Sie!" Angegriffen werden stets Opposition und die Medien. Fällt der Name Jürgen Trittin, ist die Resonanz besonders laut.

Bei den Redebeiträgen wird vom Leder gezogen wie beim Politischen Aschermittwoch, manchmal ist das Niveau jedoch auch deutlich tiefer. Eine Frau liest aus einem Protestbrief vor, den sie an den Bundestag geschrieben habe. Sie meint: Das Verhalten der Opposition im Bundestag erinnere sie an die Hetze der Nazis im Reichstag - und das könne sie beurteilen, schließlich sei sie Jahrgang 1942.

Dann ergreift auch die Augsburgerin Simone das Mikrofon. Ihr gebasteltes Plakat hat sie immer noch nicht wiedergefunden. In ihrem Redebeitrag bemängelt sie, dass jemand, der viel geleistet hat, nur einen einzigen Fehler machen müsse, und sofort fallengelassen werde. Die Anhänger finden auch hier einen Grund zum Klatschen, die Gegner einen zum Feixen.

Guttenberg-Demo in München

"KT come back"