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Präsidium:Wenn der hyperaktive Hausmeister der Polizei drauf losgrantelt

Putzt nur nebenberuflich: Polizeihauptkommissar Peter Beck arbeitete schon als Polizeisprecher und war Mitspieler im Verkehrspuppentheater.

(Foto: Polizei München)

Seit ein paar Tagen kommentiert der "Hausmoasta aus da Ettstraß" im Netz die Arbeit der Polizei. Hinter der Figur steht das Social-Media-Team des Präsidiums.

Er putzt die Flure im Polizeipräsidium, wienert die Buchstaben am Eingangstor, ist immer auf dem Sprung - in den oder aus dem legendären Paternoster. Vor allem aber grantelt er drauf los, wenn ihm was nicht passt. Und ihm, dem "Hausmoasta aus da Ettstraß", passt einiges nicht. Anrufer, die sich über nächtliche Hubschrauberflüge der Polizei aufregen: "Ja, moants ihr, die mach'n des zum Fleiß? Naa, die ham an Einsatz!"

Oder Autofahrer, die glauben, mit ihrem Wagen gleich noch die ganze Straße drumrum, den Gehweg, den Behindertenparkplatz und die Feuerwehranfahrtszone mitgekauft zu haben. "So ein Schmarrn!" Für diese "Super-Parker" habe die Straßenverkehrsordnung mehr so eine beratende Funktion, schimpft der Hausmeister. "Da reg i mi brutal auf", ist das Motto des Grantlers.

Natürlich ist es nicht der echte Hausmeister, den das Social-Media-Team der Münchner Polizei da auf Facebook Aufklärungsarbeit der etwas anderen Art leisten lässt. Peter Beck, der im Blaumann und mit dickrandiger Brille unter dem Hashtag #GrantlersprichtKlartext den "Hausmoasta" mimt, hat einschlägige Erfahrung mit öffentlichen Auftritten - als langjähriger Polizeisprecher und als ehemaliger Mitspieler im Verkehrspuppentheater der Münchner Polizei.

13 Jahre lang ließ Beck in Grundschulen und Kindergärten für die polizeiliche Aufklärungsarbeit und die Verkehrserziehung die Puppen tanzen. Das Schauspieltalent brachte er also mit.

Ein Polizisten-Trio steht hinter dem "Hausmoasta". Die Grundidee für den Grantler aus der Ettstraße stammt von Markus Ellmeier aus dem Social-Media-Team. Zusammen mit Peter Beck entwickelte er dann die Figur - einen auf Münchnerisch schimpfenden, latent hyperaktiven Hausmeister.

Gelenkig ist der leidenschaftliche Kletterer Beck, das sieht man nicht nur den Vorspann-Szenen an. Ellmeier schreibt die Texte, Beck legt sie dann dem "Hausmoasta", also sich selbst, authentisch in den Mund. Dritter im Bunde ist Florian Hirschauer, ebenfalls aus dem Social-Media-Team des Polizeipräsidiums. Er steht hinter der Kamera und besorgt den teilweise rasanten Schnitt.

"Wie genial ist das denn?" freute sich ein Facebook-User. Er blieb nicht allein. Der Hausmeister ist seit seinem Start am 20. Oktober ein Social-Media-Star geworden. Den 250 000 Fans, über die sich die Münchner Polizei am Donnerstag auf Facebook öffentlich freute, dürfte er etliche weitere hinzufügen. Knapp 120 000 Aufrufe verzeichnete der erste Auftritt des Polizei-Grantlers, 400 Mal wurde das Video geteilt, mehr als 2000 Menschen hinterließen ein "Gefällt mir" im sozialen Netzwerk. Die einen halten Becks Auftritt für "kabarettverdächtig", die anderen prophezeien: "Könnte neben der Wiesn-Wache ein neuer Kult werden."

"Mei des is sauguat", antwortete auf Facebook eine Frau, "da miassn mehr Folgen gmacht wern! I gfrei mi scho aufs nächste Video". In dem wird es dann um die Rettungsgasse gehen. Beck, als Polizeihauptkommissar inzwischen in der Inspektion für Verkehrsanzeigen tätig, bleibt also auch als grantelnder Hausmoasta der Verkehrserziehung treu. Vier Folgen hat die bereits abgedrehte erste Staffel, ungefähr im Wochenrhythmus sollen sie online gestellt werden. Doch Co-Autor Ellmeier verspricht: "Themen gibt's fast unendlich viele."

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